Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1851)
- Date
- 1851-03-24
- Page
- Seite 155 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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155 und dem tiefen Wiffen dieser Frau Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, die Sie sich zu beleidiM erlauben, ohne sie zu kennen. Wenn ich so glücklich. wäre, wie Sie, mein Herr, mich an der Spitze des Episkopats zu befinden, so würde ich, statt die Kinder Moses zu beleidigen, ihnen brüderlich die Hand reichen." „Habe ich recht gehört/' fragte der Bischof, indem er die Augenbrauen zusammenzog, „es isb also nicht eine bloße Laune, nicht eine vorübergehend Thorheit, ein Leichtsinn ohne Folgen? Ihr Betragen ist das Resultat eines gereiften Urtheils, eines vorbedachten Planes?" „Richten Sie, mein Herr, Ihr Auge auf meine weißen Haare/' erwiderte der Graf, indem er das Haupt senkte. „Vielleicht werden Sie, wenn Sie sich meines Alters erinnern, aufhören, mich als Kind zrr behandeln. Gewiß, ich habe wohl bedacht, was ich z« thun habe, und wenn abergläubische Fanatiker oder ehrg eizige Heuchler mein Betragen schändlich finden, so nxerde ich von ihrem Urtheil an das Uctheil dessen appellirm, der sich nicht irrt, an das Urtheil des barmherzigen Gottes/' „Ich kam als Freund hierher, mein Herr Graf, nicht als Priester. Ich glaubte, einige Worte würden genügen, Ihnen ihre Würde, ihre Pflichten ins Gedächtniß zu rufen. Aber das Uebel liegt tiefer als ich dachte: die göttliche Gnade hat Sie verlasse«, Sie haben Ihre Seele den Ketzern überlassen und beschimpfen die Kirche. Sagen Sie mir, ob Sie wenigstens entschlossen sind, Ihren Jrrthum zu verbergen und ihn in die Mauern Ihres Schlosses zu verschließen?" „Ich verstehe. Sie würden mir meine« vorgeblichen Jrrthum verzeihen, wenn er Ihren Privilegien, Ihrem Einflüsse Nichts schaden würde. Aber tauschen Sie sich nicht. Der Herr hat mir die Augen nicht geöffnet, damit ich für mich allein das Licht behalte. Ich werde mitten unter die Menge gehen, ich werde vor dem Könige erscheinen, ich werde Schlösser und- Hütten besuchen und überall werde ich rufen: Gerechtigkeit, Gerechtigkeit für Israel!" „Das werden Sie nicht thun!" „Mein Herr, Sie werden nach Wilna zurückkehren. Morgen um Mittag lassen Sie die Fenster Ihres Palastes öffnen und Sie werden mitten auf der Straße die Menge einen Greis umgeben sehen, der in der Kleidung eines Juden die Liebe im Namen des Ewigen predigen wird. Dieser Greis, dieser Prediger werde ich sein, ich der Graf Potocki." Rach diesem GestLndniß, mein Herr Graf, ist meine Gegenwart hier unnütz.; Sie werfen der rechtgläubigen Kirche den Fehdehandschuh hin, Gott mag Mitleid mit Ihrer Seele haben...." „Was sagen Sie dazu, mein Herr?" fragte der KZcmeliter, als er sch allein mit dem Bischof befand. „Welch verstocktes Herz!" „Nein, das Herz ist gut, der Fehler liegt im Gehirn," antwortete der Bischof. Nach der Abreise des Mönchs ging der Graf einige Augenblicke ernst und nachdenkend auf und nieder. „Meine Freunde," sagte er, indem er sich dem Rabbi uird seiner Frau näherte, „ich habe eine Bitte an Euch zu richten." „Befehlen Sie, gnädiger Herr," antwortete der Greis, „irach den Worten, die wir soeben vernahmen, würde jewr Israelit, der nicht sein Theuerstes fire Sie opfert, ei» Feigling sein." „Ich erwartete es nicht anders von Euch. Aber versprecht mir, das, was ich von Euch erbitten werde, was ich Euch auch als Opfer auferlegen werde/' „Ich verspreche cs Ihnen bei dem Heile meiner Seele." „Dann bitte ich Euch, das Land zu »erlassen, ohne eilten Augenblick Zeit Zu verlieren. Verkauft was Ihr besitzt, nehmt Eure Arau und Kinder rn.it Euch und hattet Euch nicht auf idem Wege auf." „Und wohin sollen wir gehen, gnädiger Herr?" „In die Türkei. Ich habe an dein ungerechten Kriege gegen den SlUtan nicht Theit nehmen wollen; ich habe mich demselben im Senate wiDersetzt, mein N»ime ist in Konstantimopel nicht unbekannt. Der Großvezier hat an mich zeschrieben, ich werde Euch einen Brief an ihn geben, und ec wird Euch beschützen. Seid nicht in Unruhe um die Reisekosten. It>r werdet für mich Ländereien kaufen und Sie für meine Rechnung verwalten. Ihr seid meine besten Freunde, werdet Ihr thun, was ich verlange?" „Wir werden gehorchen, gnädiger Herr, aber weshalb fliehen?" „Ich habe dem Bischof von Wilna dm Handschuh hirigeworfen. Er wird« Himmel und Erd<, die Kirche u»d die Tribunale in Bewegung setzen, um sich zu rachen, um den Schuldigen zu bestrafen. Meine Name, weine Stellung, mein Vermögen erlauben mir, den K«mpf mit Hoffnung «auf Erfolg einzugehm. Ader was! wurde Eure Frau gegen die verborgene Milcht eines fa-