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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-03-24 · Heft 13 (24.3.1851) · p. Seite 153

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 13 (24.3.1851)
Date
1851-03-24
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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153 Die Juden, die nach Werk! gezogen sind, werden beschützt und mit Geldgeschenken überhäuft. Umb der Einfluß dieser Frau beschränkt flch nicht hierauf; der 8 raf schreibt alles Unglück des Landes der Unduldsamkeit der Geistlichkeit zu. Den heiligen Krieg gegen die protestantische« Schweden, gegen die abtrünnigen Russen, die ungläubigen Türken nennt er einen den Interessen des Landes feindlichen Krieg, der Polen verderben würde, nur um dem Papst und den Bischöfen einen Gefallen zu thun." „In der That, das ist ernst," sagte der Bischof und erhob sich. „Sie theilen uns eine freudige Nachricht mit, gnädiger Herr; von nun an wird Polen obenan unter den rechtgläubigen Staaten stehen! W»l>lan! der Graf spottete seit lange darüber: „Sie werden," sagt er, „alle Schätze des Landes, hunderttausend Menschen zum Opfer bringen, werden wie die Narren den Osten, Norden und Süden mit Krieg überziehen, und mnn sie die fruchtbaren Gegenden des nordöstlichen Ewiopa in Wüsten verwandelt haben werden, wird er ihmn ein wenig Weihwasser und den pomphaften Titel „rechtgläubige Nation" übersenden." „Verhält sich das Alles genau fol" „Sie können sich selbst davon überzeugen, gnädiger Herr. Alle Anstrengungen der Geistlichkeit, das verirrte Schaaf in die Hürde zurückzuführen, sind fruchtlos gewesen. Die salbungsreichsten Wort^ sind vor einem Lächeln der Jüdin verhallt." „Wohlan, wir wollen sehen," zuLwortete der Bischof lachend, „Ihr wollt mich erschrecken, der Graf ist ein Narr und Ihr macht einen Teufel »us ihm." „Nehmen Sie sich in Acht, gn adiger Herr," versetzte der Karmeliter, daß Ihre Feinde sich Ihre Nachsicht nicht zu Nutze machen. Begeht der Graf eine Handlung, welche Aufsehen erregt, so wird man Ihnen vorwerfen, das Uebel so lange geduldet zu haden, statt es im Entstehen zu vernichten." „Ihr sagt, daß diese Jüdin alle Nächte in Werki zubringt?" „Ja, gnädiger Herr." „Würden wir augenblicklich deirthLn abreisen, so würden wir sie auf offener That ertappen." „Sicherlich." Der Bischof zog die Glocke uni ließ seinen Wagen Vorfahren. Der Karmeliter konnte seine Freude nicht verbergen; er lächelte, rieb sich die Hände mit allen Zeichen der Zufriedenheit. DerWischof stieg in Begleitung des Mönches gerade in dem Augenblick in den Wagen, in welchem der alte Rabbi im Schlosse des Grafen anlangte. Sobcrlb Noemie das Verschwinden ihres Vaters bemerkte, l^iuft sie schnell wie der Blitz zu Kleiner und zieht ihr mit sich fort: „Begleite mich, me!« Vater ist im Schlosse. Laß uns eilen, vielleicht wird uns Gott gestatten, großes Unglück zu verhüten." Bekbe machten sich auf den Weg, um den Greis einzuholeri^ der ihnen um die Hälfte des Weges voraus war. „Ich wünschte den Grafen zu sprechen," sirgte Goldberg zürn Bedienten im Vorzimmer. „Unmöglich," erwiederte dieser mit der größten Höflichkeit. Oer Graf arbeitet diesen Augenblick, ich habe Befehl, khn nicht zu stören, aber wenn Sie e8 wünschen, können Sie ihn im Saale erwarten." Der Rabbi war betroffen über den freurilllchen Ton, in welchem der Bediente zu ihm sprach. Gm ähnlich behandeln die Lakaien in Polen die Juden wie der. größten Unverschämtheit. Er trat in den Saal, von wo er durch eine halb offenstehende Thür den Grasen sehen und jedes feiner Worte hören konnte. Der Greis kam seit seiner Ankunft im Schlosse von einer Überraschung in die andere. Er hatte geglaubt, viel Hin derniffe überwinden zu müssen, ehe m zum Grafen koninien würde, und er fand alle Thürm offen. Er glaubte, daß der Wollüstling seine Liebschaft geheim halten, das er sich in ein verborgenes Gemach zurückziehen würde, mud im Gegentheil, er sah ihn in emem Jedermann zugänglichen Saale. Der Graf fas vor einem Tische, «uf welchem man eine Bibel und a«-ere Bücher liegen sah. Nichts in der Haltung seiner Frau deutete auf ei« strafbares Verhaltniß. Freundlich, aber voll Achtunz antwortete sie nach Gebühr auf die Fragen, die ihr sonderbarer Schüler an sie richtete. Der- Rabbi konnte sich nicht länger auftecht halten. Gegen mue Thür gelehnt suchte er, die Hlvnd auf dem Herzen, die Schläge desselben zu unterdrücken. Zum ersten Mate ahnte er die Unschuld seiner Frau. Er beobachtete ihre Blicke, ihre Worte; Nichts entging ihm, Nichts klagte sie an. Endlich sind sie mit der Lesung zu Eni^e, der Graf erhebt sich und nähert jich der schönen J»din. Grckdberg würde niedergesunken sein, waren nicht Noemir und Kleiner zur rechten Zeit angelcmgt, ihn zu stützen. Alle drei hielten den Athem an, um kein Wort seiner 2kede zu verlieren. 13*

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