Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 13 (24.3.1851)
- Date
- 1851-03-24
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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152 das Negative, die Materie, die an sich des Seins entbehrt und nur insofern Existenz hat, als sie von den göttlichen Ideen erfüllt wird. Wie Gott das Sein zukommr, so ihr das Nichtsein. Denn ohne Form gedacht, ist die Materie ein inhaltloses Nichts, dem alle Realität fehlt. Die Materie erhielt nun Form dadurch, daß der Logos seine Ideen in der Materie abdrückte. Die sinnliche Welt ist daher das Abbild der Jntellektualwelt, die in dem göttlichen Logos lebte; sie entstand, aber nicht in der Zeit, sondern diese mit ihr. „Im Anfang" heißt daher zuerst. Die göttliche Vernunft erfüllt aber auch die Welt, wodurch diese erhalten wird. Der Logos ist daher auch das Gesetz, nach welchem Alles in der Natur geschieht. Dadurch ist Gott überall gegenwärtig und zu aller Zeit thätig. Der menschliche Geist ist der schönste Abglanz Gottes. Seiner Vernunft nach ist der Mensch in innigster Verwandtschaft gebildet mit dem göttlichen Logos, sie ist ein Theil der göttlichen Vernunft. Deshalb ist auch nur die Vernunft in uns unvergänglich und mit freier Selbstbestimmung; durch das Denken wird der Mensch unsterblich. Philo unterscheidet drei Arten von Menschen: irdische, welche der Sinnlichkeit sich ergeben, himmlische, welche der Kunst und Wissenschaft sich ergeben, göttliche, welche nicht Theil haben wollen an dem Bürgerrecht dieser Welt, sondern alles Sinnliche überfliegend, in die Welt des Geistes sich begeben. Hierzu gelangen wir durch die Askese, das ist die göttliche Unterwerfung des Sinnlichen unter die Herrschaft des Geistes und das Sich-Versenken in das heilige Wesen Gottes. Dieses Schauen Gottes ist das Höchste, was der Mensch erlangen kann; es ist die höchste Stufe menschlicher Vollendung, weil das vollkommene Aufgehen in Gott. Belletristisches. Das Verbrechen in Werki. Erinnerungen aus Litthauen. Nach dem Französischen des Jean Czynöki. (Schluß aus No. 7. 9. 11.) 4. Das Verbrechen des Grafen. Am andern Tage gegen Abend versammelte nicht weit von der Kirche des heiligen Kasimir in einem der schönsten Hauser der Stadt der Bischof von Wilna die hervorragendsten Mitglieder der Geistlichkeit. Auch mehrere Laien sah man dort, die sich theils durch ihr Vermögen, theils durch die Stellung, welche sie einnahmen, auszeichneten. Zu gleicher Zeit hatte der hochwürdige Herr zwei oder drei Edelfrauen mit ganz besonderer Freundlichkeit eingeladen, ihre Gatten zu begleiten. Der Bischof hatte sich trotz seiner vierundsechzig Jahr wohl erhalten; es fehlte seinen Zügen nicht an Frische; seine weißen Haare machten gleichen Eindruck wie der Schnee auf dem Gipfel eines Berges, dessen Fuß und Mitte mit kräftigem Grün bedeckt sind. Er war freundlich und heiter. Am Abend kündigte er den Getreuen an, daß Seine Heiligkeit, Papst Alexander, geruht habe, Johann Kasimir, früherem Kardinal und Jesuiten, gegenwärtig König von Polen, den ruhmvollen Titel „rechtgläubiger König" zu verleihen. Die Eingeladen jubelten und sahen darin einen neuen Triumph der wahren Religion. Sie entfernten sich, indem sie dem Bischof dankten, daß er ihnen diese frohe Nachricht nicht vorenthalten habe, und kehrten schnell in ihre Wohnungen zurück, um sie anderen frommen Katholiken mitzutheilen. Bald war der Saal leer; nur der Bischof und der Obere des Karmeliterktosters, dessen Bekanntschaft unsere Leser schon im Anfang dieser Erzählung gemacht haben, blieben zurück. „Ihr habt mir Etwas zu sagen, mein Sohn?" fragte ihn der Bischof. „Wenn Jedermann zufrieden von hier fortgeht, so bleibt Ihr ernst, und Eure finstre Stirn glättet sich nicht. Wie, macht Euch eine Kinderei des Grafen Potocki so besorgt? Seufzt der alte Don Juan, nachdem er die Herzen der schönsten Mädchen Litthauens bezwungen hat, noch immer zu den Füßen einer Jüdin? Bitte, erzählt mir diese Geschichte, sie wird mir Spaß machen, aber malet nicht zu sehr ins Dunkele; macht aus einer Posse keine Tragödie." „Herr, die Sache ist wichtiger als Sie denken. Die Jüdin, welche dem Grafen ihre Schönheit verkauft, ist die Tochtxr eines fanatischen Rabbiners. Sie folgt den Eingebungen desselben und bedient sich des Grafen als eines Werkzeugs zur Bekämpfung der wahren Religion." „Inwiefern dies?" „Nicht Gold fordert das Judenmadchen zum Lohne. Ihre Schande wird durch Beleidigung der Kirche vergolten. Die Priester werden nicht mehr geachtet; der Graf erscheint nicht mehr im Hause des Herrn, welches in Trümmer fällt, weil es der Ausbesserung entbehrt.