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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-03-17 · Heft 12 (17.3.1851) · p. Seite 136

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 12 (17.3.1851)
Date
1851-03-17
Page
Seite 136 (sequence 4)
Language
German
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186 Opferkultus beseitigender Anschauung der Gebetkultus sich erhob, und diesen zur Verpflichtung machte; so wie aus verändertem Bedürfniß der anfänglich geringe Gebetstoff zu einem ungeheuer» sich erweiterte, die talmudische Freiheit, in allen Sprachen das Gebet zu verrichten, zum Festhalten der hebräischen als der alleinigen Gebetsprache ward u. s. f. — so hat die geschichtliche Entwickelung nothwendig eine andere religiöse Anschauung in unserer Zeit hervorgebracht, die in verändertem Kultus ihren Ausdruck finden muß. Mit dieser Berechtigung ergiebt sich aber auch die Verpflichtung zur Reform; einerseits um den Widerspruch zwischen der Anschauung und dem Kultus und die dadurch bewirkte Unwahrheit des Letzter» aufzuheben, andererseits um durch das Absterben des Kultus die religiöse Förderung und Haltung nicht, völlig zu untergraben. Die Basis ist hier überall deutlich zu erkennen. Der russische und türkische Jude z. 35. steht noch innerhalb der ältern Anschauung, und eine Reform des Kultus wäre ihm nicht minder ein Widerspruch und eine Unwahrheit, als dem modernen Juden in Deutschland und Frankreich der alte Kultus. Leitet aber die Reform ihre Berechtigung aus dieser Quelle, so wird es auch ersichtlich sein, daß die Reform nur in sehr verschiedenen Maßen wird vor sich gehen können und muffen, je nachdem innerhalb der Gemeinde die neue Anschauung weniger oder mehr durchgedrungen ist, je nachdem überhaupt die neue Anschauung eine festere Konsistenz in sich gewonnen, und die Reform ein bestimmteres Wesen angenommen hat. Wenn hierdurch die Reform erst viele verschiedene Versuche durchzumachen hat, wenn sie in sehr verschiedenen Maßen auftritt, wenn sie in ihren Erzeugnissen und Erfolgen schwankend erscheint, wenn sie vom Bestehenden zuvor möglichst konservirt, und, sich an dasselbe anlehnend, erst einige, dann muthigere Schritte thut — so frum dies der Vorwurf der Inkonsequenz nicht treffen; denn alles dies liegt in der Natur der Sache selbst und unterliegt am Ende, wie jede Idee, den maßgebenden Verhältnissen der Wirklichkeit. Wir können eben von diesem Augenblicke noch nicht sagen, daß die Reform des jüdischen Kultus schon eine völlig geklärte Gestalt gewonnen hat, theils weil die ihr inwohnende religiöse Anschauung se!bst noch nicht hinlänglich durchgebildet und sixirr ist, theils weil die Idee immer eher fertig ist, als die Gestalt, in der sie in die Erscheinung trete. Nur die allgemeine Richtung laßt sich hier schon bestimmter fassen. Wir können im ganzen Verkaufs der Kultusgeschichte drei Richtungen wesentlich unterscheiden. Zuerst die, in der Mystik wurzelnde Richtung, durch symbolische Zeichen und Akte zum Ausdruck zu kommen, der Opferkult. Alsdann die in dem, durch den Verstand von der Mystik schon gereinigten und durchklacten Gemüthsleben wurzelnde Richtung, das Gefühl durch das Wort zum Ausdruck zu bringen, der Gebetkult; endlich die moderne, welche noch viel mehr die Befriedigung der Verstandesthätigkeit, als der bloßen Gefühle fordert, daher mehr von der Belehrung, als im Gebete sich fesseln laßt, und den Gedanken an die Stelle des sixirten Wortes seht. Moses sixirte die symbolische Form, das Opfer, die Rabbinen sixirten den Gefühlsausdruck, das Gebet; die neuere Reform will Freiheit der Bewegung, um die Thatigkeit des Verstandes zu wecken und zu erhalten. Wie und welche Form sich hierfür schaffen und sixiren lasse, ist die Aufgabe der Reform, deren richtige und dauernde Lösung bis jetzt noch der Zukunft anheimgestellt ist. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 7. Marz. (Privatmitth.) In der Allgemeinen Zeitung des Judenthums No. 48 vom 25. November v. I. ward der Wunsch ausgesprochen, ausführliche Nachrichten über die Wirksamkeit des Vorschußvereins für hilfsbedürftige Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde zu erhalten; der Unterzeichnete Vorstand erlaubt sich daher, der verehrlichen Redaktion nachstehenden Auszug des Berichts an die Mitglieder des Vereins, gehalten in der Generalversammlung am 16. Februar s. c. zuzustellen. Im verflossenen Jahre hat der Verein von 123 bei ihm eingegangenen Gesuchen 168 mit einer Summe von 3815 Thlr. berücksichtigt und zwar: 3 Gesuche » 10 Thlr. 6 - - 15 - 8 - - 26 - 9 - - 25 - 32 - - 36 - 15 - - 46 - 35 - -56 - überhaupt hat der Verein nun seit seinem Bestehen (Juni 1846) 459 Gesuchen gewährt mit 16,846 Thlr.

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