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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-03-10 · Heft 11 (10.3.1851) · p. Seite 130

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 11 (10.3.1851)
Date
1851-03-10
Page
Seite 130 (sequence 10)
Language
German
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130 Kleiner wollte ihr weiter sagen, wie sehr ihr Opfer ihn rührte, als die Stimme des Greises ihn rief. „Komm herauf, mein Sohn, komm herauf, Noemie,"" sprach Goldberg zu ihnen. Der arme Vater wachte. Er hörte in jeder Nacht seine Frau abreifen und wiederkommen. Aber da er ohne Aufsehen zu erregen ihre nächtlichen Wanderungen nicht verhindern konnte, so stellte er sich, als ob er schliefe, wahrend innere Leiden ihm den Schlummer raubten. Als er bemerkte, daß Noemie, die ihrer Mutter entgegenzugehen pflegte, diesmal länger als gewöhnlich ausblieb, so erhob er sich und vernahm die letzten Worte Kleiners. In dem Zimmer, in welches der alte Goldberg Kleiner führte, herrschte die größte Unordnung. Auf einem Tische lagen Bücher und Papiere zwischen Flaschen und Glasern zerstreut. Kleider, die übereinander auf einem Bette lagen, kündigten den Aufenthalt eines verheiratheten Mannes, der der Fürsorge seines Weibes entbehrte, an. „Setze Dich, mein Sohn, und höre,"" sagte er zu Kleiner, indem er ihm einen Stuhl bot, und Du, Noemie, warte wie gewöhnlich auf die Ankunft derjenigen, deren Namen ich nicht aussprechen will/" Kleiner hörte, ohne ihn zu unterbrechen. „Du bist der Erste, mein Sohn, der in das Geheimnis meines Hauses eingeweiht wird. Seit einem Jahr ist kein Fremder in dies mein verstörtes Asyl gedrungen. Ich habe die Fragen, welche Du durch Noemie an mich richtetest, aufmerksam gelesen; ich bemerkte, daß Dir weder Wissen noch guter Wille fehlte. Alles, was mir Noemie von Dir sagte, sprach zu Deinen Gunsten. Ich liebte Dich, ohne Dich zu kennen, und wenn mein häusliches Unglück nicht die Zukunft meiner Tochter vernichtet hätte, würde sie keinen Andern als Dich zum Gatten erhalten haben/" Thranen glänzten in den Augen des armen Liebenden. Ich weiß nicht, auf welche Veranlassung, ich ahne nicht, durch welche Mittel Du das Geheimniß, welches mein Haus mit Kummer und Trauer überhäuft, zur Hälfte entdeckt hast. Ich will Dir Nichts verbergen; ich will Dich einen Blick in die ganze Tiefe des Abgrunds, in welchen ich gestürzt bin, thun lassen. Noemie, hoffe ich, wird an Dir einen aufrichtigen Freund finden."" Kleinerhob, statt jeder Antwort, die Augen gen Himmel, als ob er ihn zum Zeugen der Reinheit seiner Absichten anrufen wollte. „Du hast vom Rabbi Goldberg/" fuhr der Greis fort, „sprechen hören, dem frommen, gelehrten und geachteten Manne; mein Ruf ist zu Dir gedrungen, denn Du hast mir Deine ersten Arbeiten vsrgelegt, Du hast Dich an mich gewandt, um Dich bei Deinen Studien zu leiten; vernimm, wie verderblich mir dieser Ruf gewesen ist. „Ich war vierzig Jahre alt und stand in meinem schönsten Alter. Die gelehrtesten Männer wendeten sich an mich, wenn sie sich über dunkele Stellen unserer heiligen Schriften unterrichten wollten. Unglückliche Vater, verlassene Töchter kamen zu mir, um aus meinen Rathschlagen Muth, Glauben und Hoffnung zu schöpfen. „Unter anderen Personen sah ich eines Tages ein junges Mädchen, mit schwarzen Augen, Lockigem Haare, ihre Haut war weißer als der Schnee, ihre Stimme sprach zum Herzen. Was wollte diese Frau von mir? Ich hatte sie nicht gesucht, nicht gerufen, sie nicht aufgefordert zu mir zu kommen. — Meine Vater, sprach sie zu mir, schöne und reiche Jünglinge haben um mich angehalten und mir alle Vergnügungen und Freuden dieser Welt angeboten. Ich habe ihre Hand ausgeschlagen. Ich hatte nur den einen Wunsch, mein Leben einem Manne zu weihen, von dessen Ruhm ganz Israel erfüllt ist, der die Armen und Unglücklichen tröstet, der in allen unseren Stammen als Muster eines weisen und frommen Mannes bekannt ist; auch ich lese in der heiligen Schrift, ich werde von Begeisterung ergriffen vor den Lichtströmen, welche die Bibel verbreitet; glücklich würde ich sein, Euch arbeiten zu sehen. Euch zu hören, über Eure Ruhe zu wachen, Euch mein ganzes Dasein zu widmen. „Ich glaubte, Gott habe mir einen Engel gesandt. Ich nahm ihr hochherziges Anerbieten an und gab ihr dafür meinen Namen und vertraute ihr meine Ehre. Die ersten Jahre unserer Ehe hatten den Neid von Königen erregen können. Nichts glich meiner Freude und meinem Glücke. Noemie, die Frucht unserer Verbindung, vermehrte noch den Reiz so großer Glückseligkeit. Ich arbeitete viel, Noemie's Mutter schrieb meine Manuskripte ab und wachte über Alles, was mein war, wie ein hütender Engel. Nein, mein Sohn, kein Sterblicher war glücklicher als ich. „Vor einem Jahre ungefähr reiste diese Frau nach Werki. Bei ihrer Rückkunft sagte sie mir, daß sie von

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