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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-03-10 · Heft 11 (10.3.1851) · p. Seite 129

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 11 (10.3.1851)
Date
1851-03-10
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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129 wie Esterka hat sie das Heit ihrer Seele geopfert, um unseren Brüdern einige Erleichterungen zu verschaffen. In den That, der Graf beschützt uns mit aller ihm zu Gebote stehenden Macht, und Denn Dein Leben gerettet ist, mein Sohn, so verdankst Du es ihr allein." Kleiner hörte sie nicht mchi, Das Leben schien ihn verkästen zu haben, als das Geräusch eines Wagens ihn aus seinen Träumereien weckte'. Die Glocke schlug zwölf Uhr, die Equipage des Gn feri fuhr in den Hof und hielt vor dem Portale des Schlosses. Ein Bedienter in Livröe öffnet den Schlag, eine schwarzgekleidete Frau steigt heraus, und geht die Treppt l-inauf, die zum Zimmer deS Grafen führt. Der Aond beleuchtete die ganze Szene, so daß man den Wr.ze-n, die Schloßthüre wohl unterschied, die Schritte der Frau zahlen konnte, und alle ihre Bewegungen sichtbar wurden." „Sie ist es!" rief Kleinen in Verzweiflung; „sie ist es. Lebt wohl, meine Mutter, lebt wohl!" Die Bitten der Milchvmkauferin können ihn nicht zurückhalten, der Unglückliche erhebt sich von dem Bette, auf welchem er lag, und lauft tw wahnsinnig nach Wilna, indem er denselben Weg eirttschlägt, den er genommen hatte, um nach Werki zu kornmen. Als er in seine Stube tritt:, richtet er seinen Blick aus das Zimmer Noernie's. Eine eisige Kalte überfallt ihn, kalter Schweiß tritt auf seine Stirn, sein Haar sträubt sich. Welche Erscheinung bietet sich ihm dar? Noemie betet, die Augen D»on Thranen benetzt. Die Strahlen des Mondes, die ihr Gesicht beleuchten, verleihen ihrem Engelsantlitz eine melancholische Färbung. Das arme Mädchen sieht bald noch der Seite des Zimmers, wo ihr Vater ruhte, bald ans die Straße, von wo sie Etwas zu erwarten schien. Kleiner glaubte Anfangs den Verstand verloren zu haben; aber als er sah, daß dns junge Mädchen in Unruhe war, betete, aufhorchte und erwartete, athmete er wieder auf, sein Blut floß schneller, sein Blick heuerte sich auf; ec stürzte auf die Kniee und unter Thranen rief er die Worte aus: ,,Hnr, Herr, Deine Name sei gepriesen, sie ist rein wie eir Engel!" 3. Das Opfer einer Tochter. Kleiner betrachtete eine Zeit lang dies Mädchen, auf welches die ganze Welt schmähte, das er selbst für schuldig gehalten hatte, und welkes ihm jetzt in der höchsten Glorie der kindlichen Liebe erschien. Ohne zu bedenke^ was er that, stieg er die Treppe hinab, ging über d ie Straße, stieß dir halboffne Thür des Goldbergschen Grauses auf, und schritt durch den Korridor, ohne zu wissen wohin. Das Geräusch, welches durch das Oeffnen derThrnre entstanden, und die Schritte im Korridor waren Noent ie nicht entgangen. Sie wachte und wartete, sie eilt aunf den Zehen herber. „Seid Ihr es, meine Mutter?" fragte sie leise. „Nein, ich bin es, Kleiner, Dein Bruder oder uid: mehr Dein treuester Diener. Verfüge über meinen Arrn:, über mein Leben, über meine Seele. Als Gegengeschenk bitte ich Dich, mir meinen unwürdigen Verdacht zu cec.* zeihen." „Was saget Ihr? ich verstehe Euch nicht." „Ich war irr Werki, ich verfluchte den Tag mei»rr Geburt, als ich einen Wagen sah, welcher. . „Schweiget. . „Noemie, Noemie, ich habe Töchter gesehen, die tum ihren darbenden Eltern ein Stücklein Brod zu bringen, sich die Nahrurig entzogen; ich habe andere gesehen, vce ihre Tage ohne Ruhe, ihre Nächte ohne Schlummer verbrachten, um ihre Familie zu retten; andere, welche lachten, sangen und tanzten, wahrend sie den Tod im Hsrzen trugen, um ihren Schmerz dem Vater, der ihr Elmd nichtahnte, zu verbergen. Aber eine züchtige, reine Tochter zu sehen, Vu ihre Schönheit und Jugend aufopfert, die voll Leben und Frische wie eine Blume im Frühling sich freiwillig in ein Grab schließt, für sich und die Welt stirbt, Schmach und Schande ohne zu klagen, ohne z.u murren über sich ergehen läßt, und alles dies, um die Ehre ihrer Ettern rein zu erhalten: ein solches WunLer zu schauen, Noemie, dazu mußte ich Dich kennen lerrnen. Ich bitte nicht mehr um Deine Hand, ich bin eines solchen Schatzes nicht würdig. Ich bitte Dich allein, nt ich an Deinem echnbenen Werke Theil nehmen zu lassen. Stumm wie das Grab, werde ich Dein blindes We fffzeug sein. Ich werde gehen, wohin zu gehen Du itnac heißen wirst, ohne Dich je zu befragen; ich werde ude ein treuer Hund an der Thüre Deines Hauses wachsn, ohne hinter mich zu sehen, ohne zu fragen, wann ward mein Tagewerk zu Ende sein, überzeugt, daß ich dn.s Rechte thue, sobald ich nach Deinem Witten, nach Deiner Eingebung handle." Noemie wollte Alles leugnen, aber sie weinte, riird Thranen hinderten sie am Sprechen, 11*

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