Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 11 (10.3.1851)
- Date
- 1851-03-10
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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135 Krefeld, 27. Februar. (Privatmitth.) Unter dem heutigen Datum ist von Seiten des hiesigen Konsistoriums eine von Herrn Obcrrabbiner Bodenheimer verfaßte Eingabe um Verleihung der Korporationsrechte an alle israelitischen Gemeinden der Monarchie auf Grund der in der Verfassungsurkunde ausgesprochenen Emanzipation an das königliche Staatsministerium abgegangen. Aus Thüringen, im Februar. (Privatmitth.) Daß eine große Partei in Deutschland noch im Hintergründe lauert, um die bürgerliche Gleichstellung der Juden wieder zu hintertreiben, brauchen wir uns nicht zu verhehlen. Es ist nicht blos an der Spree, wo man sich ganz ungenirt darüber ausspricht; auch in unserm Lande werden Stimmen laut, die als Vorläufer bekannt sind. Di« „Gothaische Zeitung" öffnet ihre Spalten solchen Expektorationen. In einem Aufsätze: „Nur keine Uebectreibungen" eifert sie gegen die Anstellung von Juden im Staatsdienste, da, wie sie meint, in China, Japan oder in einem andern (!) jüdischen Staate, wenn ein Solcher existirte, Christen gewiß freiwillig auf die Anstellung als Staatsdiener verzichten würden! Die „Gothaische Zeitung" wird uns verzeihen, wenn n>ir hieran zweifeln, und glauben nicht sicher zu sein, daß, wenn der Kaiser von China den Redakteur der G. Z. zur Redaktion der Hofzeitung, natürlich mit tüchtigem Gehalt und den chinesischen Orden, berufe» sollte, er darauf verzichten würde, vorausgesetzt, daß er ebenso chinesisch zu sprechen »erstünde, wie er chinesisch zu denken versteht. Die Türkei und Egypten haben gezeigt, daß Christen auch in nicht-christlichem Staaten Staatsdiener werden mögen, und ich sehe auch gar nicht ein, warum nicht! Rütze, wo Du nützen kannst. Aus Mittelfranken, Mitte Februar. (Privatmitth.) Wahrend öffentliche Blätter langst von der Bereitliegung eines Gesetzescntwurfes bezüglich der Rechtsverhältnisse der Israeliten, so einer Art verbesserten Edikts, sprachen, erfährt man jetzt, daß dermalen erst die Unterd chörden wieder mit Berichterstattungen über Matrikilzahl, Erwerbsart ic. und andere statistische Erhebungen allerhöchst beauftragt sind. Man hat also noch immer nicht Berichte und Materialien genug. Wir werden nun bei diesem Landtag wieder einen einzelnen Akt des alten großen Judengesetzgebungsdraina's zu sehen und zu hören bekommen. Bei solcher Lage der Sache erscheint es fast als Ironie, daß bei den letzten Assisen in Ansbach ein Jude, Herr Gabriel Heilbronn aus Fürth, als Geschworuer über Leben und Tod mit zu Gericht saß und ein andrer, Herr Dr. Morgenstern, in einer solchen Assisenverhandlung zu allgemeiner Befriedigung pladirte. Bei all dem ist von dem Erfolg jener Gesctzcsvorlage Niehls auf lange mit Bestimmtheit vorherzusagen, wenn dieselbe nicht zuerst an die erste Kammer gebracht und von ihr in Verhandlung genommen wird. Eine ähnliche Bewandtniß hat es mit unseren Kultusverhältnissen. Die Revision des Religionsedikts, bei der wir auch partizipirt hätten, ist durch die „Forderungen" der Bischöfe wieder in unsichere Ferne gerückt worden. Aber auf's Neue will uns der protestantische Mystizismus unter seine Fürsorge nehmen. Eine Anzahl Geistlicher und Weltlicher in und um Nürnberg hat einen Verein „zur Förderung des evangelischen Christenthums in Israel" gegründet und einen bezüglichen Aufruf erlassen, in dem derselbe erklärt: „Jede Art derProselytenpflege schließt der Verein als Solche von seiner Thätigkeit aus." Er wolle nur sowol durch Vermittelung seiner Mitglieder, als durch in der evangelischen Erkenntniß befestigte Kolporteure die h. Schrift A. ririd R. Testaments rc. in ebraifcher und deutscher Sprache, so wie andere ausgewählte, den Vereinszwcck fördernde Schriften unter Israel verbreiten. — Nun, wir wollen den Herren ihre korrekten billigen hebräischen Bibeln gern abnehiven, die Traktätchen aber ihnen lassen, und wenn sie Solche uns aufdringen, sie in's Feuer oder an einen andern Ort legen. Das Eine sei jedoch bemerkt. Wenn in dem Ausruf die Zeit für das Bekehrungsgeschrft aus dem Grund als «ine günstige bezeichnet wird, „weil die Religion der Väter dem größer» Theil Israels nicht mehr genüge," so scheinen die Herren »ermessen zu haben, wasmaßen auch in der christlichen Welt so etwas von Nichtbefriedigtsein in dem Glauben der Väter verlautet, wobei noch der kleine Umstand obwaltet, daß es sich bei uns Juden um Aeußeres, um Formen handelt, während in den christlichen Spaltungen, wie schvn in früheren Jahrhunderten, die Fundamentallehre angestritten wird. Schließlich sehe ich mich noch veranlaßt, die in