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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-03-10 · Heft 11 (10.3.1851) · p. Seite 122

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 11 (10.3.1851)
Date
1851-03-10
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 er von David sixirt; aber indem unterdeß das Volk die symbolische Geistesstufe überschritten hatte, fügte David die große Institution des gesungenen und von Instrumentalmusik begleiteten Psalms hinzu, womit der ganze symbolische Charakter verdrängt war, der in seiner inner» Symmetrie durch den Bau Schelomo's ebenfalls verletzt ward. Diese musikalische Psalminstitution hatte nun eine lange Periode der Ausbildung, welche durch das Exil hindurch bis in die Zeit des zweiten Tempels reichte, in welcher dieselbe beim Opfeckultus ganz regelmäßige und bestimmte Normen annahm, zugleich sich aber mit einigen anderen Gebetformen verband. Neben dem Tempel erstand aber jetzt die Synagoge; aller Orten in und außerhalb Palästinas wo die Juden sich seßhaft gemacht, gründeten sie Lehr- und Betstatten. Zur Belehrung wurde ein Stück aus der Tora verlesen und Vorträge darüber gehalten. Zum gemeinsamen Gebet wurden einige Formeln in Gebrauch gesetzt. Von dem Augenblicke an ging der Gebetkultus den Weg der Entwickelung 16 Jahrhunderte hindurch; zunächst suchte er sich in seinen Grundbestandtheilen festzustellen; 3 Jahrhunderte brauchte er, um die y'b so zu normiren, wie sie seitdem lautet. Dann stellte er, nachdem der Opferkultus durch den Fall des Tempels gänzlich beseitigt war, sich gänzlich an die Stelle desselben, und bildete den Charakter der Verpflichtung, der Verbindlichkeit für sich, aus. Nun erweiterte er sich bis zum 9ten Jahrhundert aus einem dreijährigen zu einem einjährigen Zyklus der Toravorlesung mit bestimmten Abschnitten aus den Propheten (Haphtora's), und zu einem vollständigen Siddur, nachdem dieser sich die Erlaubniß, niedergeschrieben zu werden, erkämpft hatte. Jetzt trat die Erweiterung des Sidurs zu einem Machsor durch die Peitanim ein, welche bis in's 14te Jahrhundert währte. Trotzdem konnte die Synagoge hinsichtlich des Gebetkultus eine Trennung in mehrere Ritus, wie spanisch, deutsch, polnisch, italienisch und mehrere andere nicht verhindern, und diesen Bruch bis heute nicht tilgen. Es ist also Nichts klarer, als daß der jüdische Kultus eine stete Entwickelung durchgemacht, und erst mit dem 14ten Jahrhundert der jetzigen Zeitrechnung einen Stillstand erlitt, der bis zum Beginn unsers Jahrhunderts reichte; nicht minder, daß die Reformen mit ganz bestimmtem Charakter als Solche hervortraten: denn die Institution Davids war eine große, den innersten Charakter des Opferkultus berührende Reform; die Synagoge neben dem Tempel war eine außerordentliche Reform, der Gebetkultus, dann der als verpflichtend sich hinstellende Gebetkultus war eine, die ganze mosaische Kultusinstitution beseitigende Reform. Unser dritter Satz, daß der jüdische Kultus in diesen Reformen dem veränderten Bedürsniß und der veränderten Anschauung Rechnung trug, verstünde sich schon von selbst, denn es kann keiner Gesammtheit auf religiösem Gebiete auf Jahrhunderte aufgebürdet werden, was ihrem Bedürsniß und ihrer Anschauung nicht entspräche; allein wir vermögen diese Veränderungen auch ganz bestimmt zu fassen. Der mosaische Opferkultus trug, wie es wol nicht mehr verkannt werden kann, bis in's kleinste Detail den Charakter der Symbolik, und drückte durch diese seine tiefsten und eigensten Gedanken aus. Aber je mehr sich der Verstand entwickelte und die Mystik des unmittelbaren Gefühlslebens zersetzte, desto mehr verlor sich das unmittelbare Verstandniß der Symbolik, und der Opferkultus mußte bloße Form werden. Der Kampf, den schon Samuel hiegegen erhob, bezeugt dies. Darum entsprach die Reform des Opferkulms, die David vornahm, der veränderten Anschauung, also dem Bedürsniß. Nach der Rückkehr aus Babel war in Juda ein religiöser Drang, eine religiöse Innerlichkeit für die Lehre Mosche's erstanden, daß die Eine Kultstätte und der Eine, jetzt halb symbolische, halb rationelle Kultus im Tempel nicht genügte. Die religiöse Anschauung drang auf genaue, spezielle Kenntniß der überlieferten Lehre und des Gesetzes durch den Einzelnen, auf religiöse Befriedigung des Einzelnen, und so entstand die Synagoge, eine Reform, welche den Uebergang der Religion aus ihrer Objektivetat zur Religion des Individuums sanktionirte. Indem aber der Opfeckultus immer noch bestand, und statt des symbolischen Charakters den der ganz äußerlichen Verpflichtung der Nation, ja in einigen Theilen selbst der Individuen, angenommen hatte; mußte, nachdem er aufgehört, diese Verpflichtung anderswohin verlegt werden, und das konnte nicht anders als in das Gebet sein. Der nunmehr organisirte Gebetkultus entsprach daher der veränderten Anschauung, er entstand aus dem Bedürsniß einer bestimmten religiösen Verpflichtung statt des Opferkultus, und bildete sich in dieser Richtung aus, indem derjenige, welcher einmal eine solche Verpflichtung glaubt, sich immer mehr befriedigt fühlt, je umfangreicher die Formen dieser Verpflichtung werden. — Ueberall erblicken wir jedoch hier, daß diese Reformer sich an bas Bestehende anlehnten, dasselbe nicht geradezu beseitigen, sondern theils ausbauen, theils in sich aufnehmen wollten. So trat die Reform Davids nur als ein Zusatz zum

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