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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-03-03 · Heft 10 (3.3.1851) · p. Seite 110

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 10 (3.3.1851)
Date
1851-03-03
Page
Seite 110 (sequence 2)
Language
German
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110 brachten dies, und bekanntlich sind die Haphtora's der s. g. spanischen und deutschen Synagoge noch jetzt vielfach verschieden. Hierzu kam noch ein Drittes. Schon vor der Zeit der Hasmonaer wurde die aramäische sgew. chaldäische Sprache Volkssprache, während die hebräische die der Gelehrten und Weisen blieb. Man richtete es daher ein, um dem Bedürfniß des Volkes zu genügen, daß ein dazu bestimmter Uebersetzer, Meturgeman, vers- oder paragraphenweise der Vorlesung aus dem hebräischen Texte die Uebersetzung in die Volkssprache, d. i. die aramäische, hinzufügte, wie wenn wir es so mit einer deutschen Uebersetzung hielten. Später verbreiteten sich solche schriftliche Uebersetzungen, Targumim, und lange nachdem die Juden aus Palästina zerstreut' wurden, und sie die aramaische Sprache nicht mehr verstanden, wurde diese Art der Vorlesung des Targums noch als Pflicht angesehen, bis sie seit dem 9ten und lOten Jahrhundert sich trotz dem Widerstreben großer Geonim verlor. An die Stelle der aramaischen Uebersetzung suchte sich eine Zeit lang im Okzident die griechische Sprache einzudrangen, wie eine Novelle Justinians erweist, unter der Herrschaft der Araber die arabische. Es war aber die Zeit der freiern Entwickelung in der Synagoge schon vorüber, und es gelang der griechischen gar nicht, der arabischen nur sehr theilweise, wie noch jetzt bei einigen Gelegenheiten des Jahres in Fez und Marokko. Bedeutsamer und verwickelter ist die Geschichte des Gebetkomplexes der Synagoge. Als feststehende Resultate können wir im Voraus Folgendes Herstellen: 1) Zur Zeit der Abfassung des Talmuds, also selbst noch im 5ten Jahrhundert, hat es noch kein geschriebenes, systematisch geordnetes Gebetbuch gegeben, so daß sogar ein höchst strenges Gebot in den beiden Talmuden, Ln der Tosephta angeführt wird, welches noch zur Zeit der Redaktion des Talmuds in seiner vollen Kraft gewesen sein muß. Im Talmud erscheinen einzelne Formeln wie ganze Gebete noch sehr schwankend, da Zweifel und Fragen, Varianten und Konjekturen in Fülle sich Haufen. Die Redaktion der Grundtheile des Sidurs gehört erst der Zeit der Geonim (vom 7ten bis 10ten Jahrhundert) an, derselben Zeit die Scheidung zwischen spanischem und deutschem Ritual. Der deutsche SLdur rührt von R. Amram Gaon (im 9ten Jahrhundert) her, der denselben für die spanischen Juden ausgearbeitet hatte, aber zurückgewiesen wurde. 2) Von einem kleinen Anfänge einiger Gebetformeln an, welche von der großen Synode herrühren, verfolgte der jüdische Gebetkultus die Richtung des Anwachses immerfort, schwoll und schwoll durch Zuthaten, bis er durch die Festgebete zu Folianten schwoll innerhalb circa anderthalb Jahrtausende. Das jüdische Gebetbuch ist also das Produkt von circa anderthalb Jahrtausenden, innerhalb derer man zu dem Vorhandenen immerfort hinzufügte. 3) Aber selbst die G rundbestandtheile desselben sind erst sehr langsam nach und nach entstanden, und so ist z. B. die sfd, wie sie jetzt ist, das Weck eines 300jährigen Zeitraumes, und auch da standen noch nicht alle einzelne Ausdrücke in ihr fest. Die uraltesten, von der „großen Synagoge'" (Hb"tf) herrührenden Stücke sind dp und die ftbsn (3M23). Sehen wir auf die Letztere, so sind die drei ersten und drei letzten Stücke die ältesten; die Stücke 4. 5. 6. 8. 9. 16. setzten sich nach und nach in Jener Mitte fest; das 7te Stück erschien zur Zeit eines schweren Unglücks; auch das vielbesprochene Stück 12. kam noch vor dem Falle Jerusalems hinein; kurz vor oder nach der Zerstörung wurden 10. 11. 13. 14. 15. hinzugefügt. Allein, obschon die große Synagoge die Grundbestandtheile der^'Ä gegeben, wurde sie doch nur selten gebraucht, höchstens bediente man sich ihrer bei großen öffentlichen Fast- und Trauertagen. Sie kam beim Volke in Vergessenheit, und erst R. Gamliel ließ kurze Zeit vor dem Falle Jerusalems durch R. Simon Hapekule eine Revision veranstalten, und der Synagoge bestimmter überweisen. Das „Schema" war seit alter Zeit von drei Stücken umgeben, aber erwiesenermaßen waren diese früher nur klein, und wuchsen erst durch spatere Zuthaten, von denen manche selbst im 10ten Jahrhundert unserer Zeitrechnung noch nicht feststanden. Zu diesen Grundbestandtheilen kamen nun immerfort neue Stücke, theils in der Abfassungszeit der Mischna, theils in der der Gemara, theils im Zeitalter der Geonim. Führen wir nur Einiges an. Die Morgenbenedeiungen in den öffentlichen Gottesdienst aufzunehmen, verwirft noch Maimonides, ‘löKrä ‘p-D wurde bei Installation des Resch Gluta gesungen, die ursprünglichsten 'sbft sind von R. Akiba beim Mangel an Regen, irb* wurde nur in der s/fa von HS gebraucht, yn» b« und nstö lös b«b gehören den Geonim an, aber Maimonides hat sie noch nicht; naiö n:on ist aus noch späterer Zeit; K'Xürt '2ON ist erst nachtalmudisch; von den I 8ün b2 kennt Maimonides nur ein alphabetisches.

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