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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-02-24 · Heft 9 (24.2.1851) · p. Seite 105

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 9 (24.2.1851)
Date
1851-02-24
Page
Seite 105 (sequence 9)
Language
German
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105 welche Ihr Ln den Pflug spannt," sagte der Graf, indem er sich an die Bauern wandte, „wie könnt Ihr glauben, daß ein so schwaches Geschöpf — er zeigte dabei auf Kleiner — einen solchen Kiesen hat beleidigen, berauben und ermorden können?" And mit stolzem und verächtlichem Blick maß ec den uritewegtichen Mönch. „Jetzt nach Haus und wenn sich Einer erlaubt eine Hand gegen diesen armen Juden pr erheben, so werde ich ihn lebendig begraben lasten, hö»t Ihr?" Der Haufe verminderte sich zrOhends, die Bauern entfernten sich Einer nach dem Andern, bald blieb keine Spur des Tumults sichtbar. DerGraf ging wieder in's Schloß hinauf, Kleiner schlich sich zur Milchverkäuferin, und der Mönch ging zum Barer Jakob, dem ehrlichen Pfarrer des Dorfes, einem guten Manne, unfähig etwas Böses zu thun, der, wie man in dn Umgegend versicherte, das Pulver nicht erfunden habe. „Welch' unglücklicher Tag!" fagte er zum Mönch, indem er auf die demselben geschehene Demüthigung hindeutete und sich vor ihm verbeugte, wie er vor seinem Bischof gethan haben würde. „Welch' glücklicher Tag, mein Sohnl" erwiderte dieser. „Setzet Euch und schreibet: „Am achtzehnten September Zm Jahre des Herrn 1660 hat sich zu Werki auf dem Schloßhofe in Gegenwart einer großen Anzahl von Baace-rn und ihrer Weiber ein bedauernswerthes Ereigniß zu getragen. Ein Jude hat es gewagt, einen Mönch bei ider Ausübung seiner frommen und heiligen Amtsverrichtungen zu beleidigen. Das empörte Volk hat diesen verteidigen wollen, aber der Herr des Schlostes, der Graf Palatin Woywode Potocki, der seit einiger Zeit seine rMgiösen Pflichten vernachlässigt, die Kirche verlaßt und eine auffallende Vorliebe für Ketzer und Juden zeigt, hat ihn unter seinen allmächtigen Schutz genommen, «er hat ihm Ln Gegenwart der aufgebrachten Menge Recht gegeben. Unser ehrwürdiger Bruder Ambrosius, Obe-cer des Kacmeliterklosters, ertrug diesen Schimpf mit -er Gelassenheit eines Christen, entfernte sich, ohne ein Wort zu entgegnen, und richtete an Gott die innige Bitte, das verstockte Herz des Grafen zu erweichen, um eS vor dem Untergange und der ewigen Verdammniß zu bewahren." „Siegelt diesen Brief zu," -<fahl der Karmeliter, „und sendet ihn sodann an den Wischof von Wilna." Er warf hiebei einen Blick ans das Schloß des Grasen und lächelte. Der Pfarrer bemerkte diesen Blick und dies Lächeln, und trotz seiner Gutherzigkeit erschrak er darüber, er glaubte darin das Schaffot des Verurteilten und den Scheiterhaufen der heiligen Inquisition zu sehen. 2. Das Ge^standniß eines Verliebten. Drei Tage nach der soeben geschilderten Szene lag Kleiner im einem kleinen Zimmer einer dem Schlosse gegenüber gelegenen Hütte auf einem Feldbette und hielt die Hand der Milchverkäuferin Goldwasser in der seinen, indem en ihr seinen lebhaftesten Dank für die ihm bewiesene Sorgfalt bezeigte. Der wohlthuende Schlaf zweier Nachte, ein Paar Tropfen alten Weines halten seinem schwachem Körper neue Kräfte gegeben, ein Gebet zum Ewigen Diner Seele Erleichterung verschafft. „Ja, meine Mutter," sagte er zur Milchverkäuferin, „der Her« hat für mich ein Wunder thun wollen. Schon hatten hLwdert Mörder ihre Arme gegen mich erhoben, es bedurffle nur eines Augenblicks, mir den Tod zu geben, alsin der Gestalt eines ehrwürdigen Greifes das lebendige Bild eines unserer alten Lehrer oder Propheten erschien. Ich glaubte eine Glorie über seinem Haupte zu sehen- Seine Gegenwart allein belebte in meinem Herzen d«e erloschene Hoffnung, und seine tröstende Stimme rief mich in's Leben zurück. Er sprach zu mir in der Sprache, der der Ewige sich bediente, als er mit Abraham und Moses redete. „Fürchte Nichts für Dein Leben," Hirt er mir gesagt, „der Herr ist mit Dir; erhebe Dich un d gehe." Ich gehorchte, ich erhob mich, die durch seinen Blick niedergeschmetterten Mörder ließen mich durch, und ich ging unverletzt mitten durch die Löwen, die mich zerreißen wollten. Dann habt Ihr vollendet, gute Mutter, was die Gnade desHimmels begonnen hatte," setzte Kleiner hinzu, indem er die Hand der Milchverkäuferin küßte. ^,Zhr habt mich wie einen Sohn ausgenommen, Ihr hab»t bei meinem Bette gewacht, mich dem Leben Wiedergaben. Durch Gottes Hilfe und die Eure habe ich meime Kräfte wiedererlangt, ich kann nach Wilna zurückkehre a. Aber ehe ich gehe muß ich Euch ein Geständnis machen und Euch um einen Dienst bittrn." „Du thust Recht, mein Sohn, zu beten und Dich zu neige-ir vor dem Herrn," erwiderte Goldwaffer. „Ja es ist ein: Wunder, es ist ein neuer Beweis der Barmherzigkeit Gottes, deren geheimer Zeuge ich seit einiger Zeit bin. Der so gerechte, so menschliche Graf, der Dir wie eine Vorsehung erschien, würde vor einem Jahre noch zu Deirnem Tode gelacht, über Deine Ermordung sich gefreut haben. Er, vordem hart und stolz, ist jetzt men- 9*

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