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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-02-24 · Heft 9 (24.2.1851) · p. Seite 104

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 9 (24.2.1851)
Date
1851-02-24
Page
Seite 104 (sequence 8)
Language
German
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104 daß, wenn auch mit Mehrheit angenommen, was bei einer berathenden Versammlung von gar keiner Bedeutung ist, die Beschlüsse als durchgreifend angesehen werden könnten. Die Regierung konnte da nur deutlicher erkennen, welcher Widerstreit unter den Juden vorhanden; und so muß sie entscheiden, wo sie nur annehmen sollte. In der Masse hat die Synode auch nicht den erwünschten Eindruck gemacht. Sie hatte ihr zu wenig den Charakter der religiösen Frömmigkeit. Glänzende Wortkämpfe sind ihr gleichgiltig; aber cs wurde mehr juristisch gekämpft, als daß ein heiliger Eifer für die Religion der Väter die Zungen wcihete und leitete. Es war wie wenn um „Mein" und „Dein", um Administrationsgesetze, nicht aber um das alte Erbgut Israels es sich handelte. Wenn die Masse die Herren von der Synode in Thea-! ter, Konzerte, Bälle gehen sah, wenn sie sich einander; fast bedrohen, und bald mit Scharfsinn, bald mit j Witz, oft genug mit Persönlichkeiten bekämpfen hörte: so konnte sie es nicht gut begreifen, daß es sich um ReMion, um Religion handele!... .n. Belletristisches. Was Verbrechen in Werkt. Erinnerungen aus Litthauen. Nach dem Französischen des Jean Czyllski. (Fortsetzung aus No. 7.) „Dank, vielen Dank, meine Kinder/' sagte der Mönch, indem er dabei stets das Fenster betrachtete, „Gott wird , Euch hundertfach vergelten, was Ihr für meine Armen j thut." Dann setzte er mit einem Seufzer hinzu: „Eure! Barmherzigkeit entschädigt mich für viele Schmerzen/'! „Als ich durch den Wald ging, bat ich, ermüdet, diesen Juden, mir zu helfen, und meine Sakwy zu tragen...." Kleiner wurde bleich wie der Tod. „Der Elende hat es mir unbarmherzig abgeschlagen und hat mich geschmäht." Der Szkolnik ließ die Sakwy auf die Erde fallen. „Er würde mich beraubt haben, wenn ich Gold oder Silber bei mir gehabt hatte, aber der Mönch, welcher das Gelübde der Armuth geleistet hat, hatte nur das Brod der Wittwe und Waise bei sich. Er würde mich ermordet haben, wenn er sich starker gefühlt hätte." „O, der Frevler, o, der verfluchte Jude!" tobte die Menge, „seht ihn, wie bleich er ist, wie er zittert." Sofort wirst ihm Einer den Hut auf die Erde, ein Andrer das Käppchen, bald sind seine Kleider in Stücke gerissen, man stößt und tritt ihn; das Geschrei: Schlagt ihn nieder! schlagt ihn nieder! tönt in die Ohren des Unglücklichen, mit jedem Augenblick wächst der Haufe und nimmt eine drohendere Haltung an. Der Mönch ließ die erzürnten Bauern thun, was ihnen beliebte, und betrachtete unverwandt das Fenster. Er lächelte als er den Grafen sich erheben sah. Ein Jeder, der ihn beobachtete, würde aus seinem hämischen Lachen geschlossen haben, daß der Jude für ihn nur ein Werkzeug sei, und daß der wahre Gegenstand seines Haffes höher stünde. „Halt!" rief der Greis, indem er den armen Kleiner den Händen der Mörder entriß. Bei seiner Stimme nehmen die Bauern, die gewohnt sind, vor ihrem Gutsherrn zu zittern, ihre Hüte ab, lassen den Szkolnik los und warten ehrfurchtsvoll aufseine Entscheidung. „Was hat Euch dieser Jude gethan?" „Gnädiger Herr," antwortete Einer der Verwegensten, „ec hat die geheiligte Person des Priesters geschmäht, er hat ihn berauben und ihn ermorden wollen." „Wann?" „Soeben, im Walde." „War er allein?" „Ja, gnädiger Herr." Der Graf wandte sich an Kleiner, der allmalig wieder zu sich kam, und richtete zum großen Erstaunen des Mönchs und des Juden an Letzter« folgende Worte in hebräischer Sprache: „Im Namen des Herrn fordere ich Dich auf mir zu sagen, ob Du des Verbrechens, dessen man Dich zeiht, schuldig bist?" Der arme Kleiner glaubte an ein Wunder, als er den Grafen diese Worte in der Sprache seiner Vorfahren sprechen hörte; er wähnte, Gott habe, gerührt von seinem Elend, ihm einen Engel in der Gestalt eines ehrwürdigen Greises gesandt, um ihn seinen Henkern zu entreißen. „Nein," erwiderte er, „beim Ewigen, der Israel von der Sklaverei befreite, ich bin nicht schuldig!" „Einfältige, die Ihr dümmer seid als die Ochsen,

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