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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-02-24 · Heft 9 (24.2.1851) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 9 (24.2.1851)
Date
1851-02-24
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 als etwa Tricsch, Proßnitz u. s. w., wo in kleinem Weichbild jtyei politische Gemeinden, eine israelitische und eine christliche nebeneinander herlaufen. Wir hoffen jedoch, daß die größere und bedeutendere Kommune der Stadt Preßburg einem bessern Geiste folg «« werde. Prag, 10. Februar. (Privatmitth.) Die Synode ist bereits auseinander gegangen; heute war sie zum letzten Mal versammelt, um das Protokoll zu lesen. Ob sie ihre Aufgabe vollständig gelöst habe, wird die Zeit lehren; jedenfalls aber verdient sie die Anerkennung, daß sie — wenigstens in der Mehrheit ihrer Mitglieder — mit Eifer die obschwebende Frage in die Hand genommen und sie nach Kräften zu lösen versucht habe. Die Schlußberathung fönt) bereits den 7. d. statt. Die interessanteste Debatte war die über den letzten Paragraphen, welcher lautet: „Die israelitische Gemeinde in Prag erhält rücksichdlich ihrer besonderen Verhältnisse eine eigene Kultusverfassung." Die Herren vom Lande erklärten dieses Separationsgelüste der Hauptstadt als ungerechtfertigt, zweckwidrig und gefährlich. Hätte die Synode nur zur Aufgabe gehabt, eine KultusgemeindcoiLiiung für die Gemeinden des stachen Landes auszuarteitcn, so hätten die prager Herren, von Rechtswegen, nicht mit tagen dürfen. Man könne — hieß es weiter — kein warmes Interesse für die Einrichtung eines Hauses haben, in welches man nicht gehört n. Da erhebt sich Landau und erklärt zur freudigen Uebcrraschung Aller, daß er als erster Vorstand der Jsraelitengemeinde Prags für den Wegfall des betreffenden Paragraphen stimme. Rauschender Beifall folgte dieser Erklärung. Darauf nahm Landau wieder das Wort und ermahnte die Herren vom Land«, daß sie nach ihrer Rückkehr in die Heimath dasellst für die Erweckung eines brüderlichen Sinnes für die Glaubensgenossen in der Hauptstadt thätig sei« mögen. Wessely fügte noch hinzu, daß cs zu wünschen wäre, daß die Gemeinden auf dem Lande die Wohlthätigkeitsanstalten in der Hauptstadt thatkräftig unterstützten. Er stellte den Antrag, man möge einen Paragraph in diesem Sinne abfassen und ihn zum Schlußstein des Entwurfes machen. Kampf, t>«7 nun das Wort ergriff, bemerkte, daß der Wegfall Hes letzten §. kein Unfall, sondern ein Glücksfall zu nennen sei. Er, als Abfasser des Entwurfes, gestehe, daß er den letzten §. nur mit schwerem Herze« niedergcschrieben habe; allein er hatte sich der Mehrheit der Kominission fügen müssen. Um so mehr erfreue ihn die Erklärung des Herrn Vorstehers Landau. Doch wünsche er, daß man sich vorerst mit der geistigen Verbrüderung zwischen Stadt und Land begnüge, und keinen §. deshalb nicderschrcibe, sondern cs der Zeit überlasse, die neue Verbrüderung in Fleisch und Blut zu verwandeln. Wessely fürchtet, es könnte mit dieser Verbrüderung so gehen, wie im Jahre 1848 mit einem Verbrüderungsfest, das die beiden Nationalitäten Böhmens mit einander begingen. Darauf Kampf: eben deshalb wünschte ich, daß die Verbrüderung keine papierne, sondern eine geistige sei. — Die Abfassung eines §. unterblieb. — Nun wurden mehre patriotische Reden gehalten, und unter enthusiastischen Hochs auf Se. Maj. den Kaiser, das kaiserliche Haus, Se. Exzellenz den Herrn Statthalter und den Präsidenten der Synode ging die Versammlung auseinander. Zuvor hatte sie jedoch noch die Ehre, von Sr. Erzellenz dem Herrn Statthalter empfangen zu gcu den. Der Herr Präsident der Synode stellte die ernzelnen Mitglieder derselben vor, und Herr Landau hielt die Anrede. Se. Exzellenz erwiderte, wie sehr erfreut er sei, die trüben Wolken, die Anfangs auf der Versammlung zu ruhen schienen, nunmehr zerstreut zu sehen. Es wäre vorauszusctzen gewesen, daß Männer der Intelligenz und des guten Willens bald einen Weg der Vereinigung finden werden. Se. Exzellenz wiederholte nochmals, daß die Regierung nur im Sinne der Gemeinden handeln werde. q. Aus Böhmen, im Februar. (Privatmitth.) Die Synode in Prag ist geschloffen. Was wird von ihrer Arbeit Seitens idcr Regierung benutzt werden? Wir glauben, kauin viel. Würden die Verhältnisse der Juden einfach sein, würde sich das Bedürfnis so bestimmt und unzweideutig hcrausgcstellt haben, daß nur Eine Stimme darüber laut werden konnte, so würden sicher die Beschlüsse der Synode sanktionirt werden. Nun ist aber dem nicht so. In der Synode selbst waren die Meinungen sehr verschieden; die Herren, die da versammelt waren, anstatt sich unter einander zu verständigen, und dann eine bestiinmte Ansicht zu fördern, machten die Versammlung selbst zum Schauplatz ihrer Kämpfe; und da hat sich denn Zwiespalt und Zerfahrenheit zu viel charakterisirt, als

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