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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-02-17 · Heft 8 (17.2.1851) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 8 (17.2.1851)
Date
1851-02-17
Page
Seite 94 (sequence 10)
Language
German
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94 mehrung. S. Tur Eben Haeser, Abschnitt 85, und Schulch. Aruch ibiöem H. 2. (Schluß folgt.) Mittheilungen aus dem Oriente. Briefe aus Jerusalem, n. Mit dem Fluche, den der Herr auf das Land ergossen, war der Verfall alles häuslichen und öffentlichen Lebens gekommen. Wahr ist es gewiß, daß unter einer aufgeklärten Regierung und einem fleißigen Volke Palästina ein Paradies sein könnte. Weinstöcke, die oft 2 Fuß im Durchmesser haben, und mit ihren Zweigen große Bogen und grüne Gewölbe bilden. Eine oft 4 Fuß lange Traube sättigt eine ganze Familie. Natürliche Haine von immergrünen Eichen, Zypressen, Andrachnen und Terpentinbäumen. Die Oberfläche ist mit Rosmarin, Zistenröschen und Hyazinthen geschmückt. War ja schon Tacitus entzückt von der Herrlichkeit des Landes! Aber Gewerbe und Regierung, Alles liegt darnieder. Türken herrschen, Beduinen rauben und morden. Dem Sultan muß sogar von den Nachkommen die Erbschaft abgekauft werden. Oec Pascha, soviel als — nein, mehr als ein konstitutioneller König in gebildeten Staaten, herrscht wie ein Barbar, wie ein Tyrann, dabei ist er Knecht des Sultans, der seinen Kopf zu jeder Zeit fordern kann. Da die Pforte das Paschalik nur kurze Zeit Einem übergiebt, aus Furcht der Pascha möchte rebelliren und sich unabhängig machen, so hat jener desto eifriger zu handeln, daß er auch in wenigen Jahren seine Unterthanen brav, wie ein Blutegel, aussaugt. Damaskus und Akre bilden die Spitze der Regierung von Palästina. Die einzelnen Scheiks sind die Landespräsekten, aber auch sie „xaxovgyoi namg“ sie taugen Alle Nichts, wie Strabo von den Arabern und Jturaern urtheilt. So ist die Justiz in dm Händen elender, bestechlicher Beamten. — Der Bauer muß, mit der Flinte im Arm, säen und das Geerntete in Höhlen verstecken. Sind die Räubereien der Beduinen zu unausstehlich, so verlassen oft die Einwohner eines Dorfes ihren Wohnsitz und vertauschen ihn mit einem ferneliegenden. Darum findet man den üppigen Hauran, der zu einem Gottesgarten umzuwandeln wäre, oft ganz ohne Anbau. Die Bauern möchten nicht gern für den plündernden Feind ihren Schweiß vergießen. — Der Handel ist noch am Besten kultivirt. Von Egypten kommen jährlich mehrere Hundert Schiffsladungen mit Leinwand und Reis nach Jaffa und Akre. Von Palästina gehen Oel, Tabak, Oliven, Baumwolle, Seife rc. in's Ausland. Landstraßen sind keine anzuteeffen, keine Posten, keine Wirthshauser. — Handwerke und Künste sind verhaßt. Malerei, Bildhauerei sind durch die herrschende Religion verboten. Die Hausgeräthe nehmen die Deutschen gewöhnlich von Triest aus mit in den Orient. Nur Sattlerei, weil das Pferd und Kameel der Reichthum des Orientalen ist, ist ausgebildet und in einem blühenden Zustande. Auch Goldarbeiten werden schöne geliefert. Musik zu treiben und zu hören gehört zu den Abnormitäten. Aerzte werden von Europa beschrieben. Die im Lande ausgebildeten bringen es nicht so weit als die Bader in Deutschland. (Vgl. Volney 303 und 330 und Carsten Niebuhr Reisebeschreibung I, 175.) Seitdem die Engländer der Regierung Mehemeds und Ibrahims ein Ende machten, und Syrien der Pforte Wiedergaben, ist gar die schrecklichste Anarchie wieder Mode geworden, und wenn nicht die heilige Ehrfurcht vor dem h. Lande und die namenlose Sehnsucht nach dem gottgeweihten Boden der Ahnen in unseren Herzen lodern würden — so liefen wir, um das nackte Leben zu retten, davon, um nie wiederzukehren unter solchen elenden Zustand. — Wenn Sicherheit und Ruhe im Lande wären, wenn der Erwerb auch nur im Geringsten blühete, so wäre es noch heute im Orient herrlich zu leben. Die Nahrungsmittel sind billig und mit 3 Dukaten per Woche kann die größte Familie glanzend leben. Dabei ist auch Wohnung und Kleidung mitbegriffen. Münzen sind jetzt Folgende: 40 Para ----- 1 Grosch oder Piaster. 47 Piaster ------ 1 Dukaten. Real — 22 Piaster. Duplon ----- 16 Reale ----- 352 Piaster. Baierische Thater werden ebenso wie die spanischen Reale genannt. Wechsel und Papiergeld ist noch fremd. Garküchen häufig, wo man für 3 Pfennig sich satt essen *kann an Zwiebeln und Oliven. Suppen kennt man nicht, Hammelfleisch und Schaffleisch meistens. Die Wohnungen sind einfach. Möbel kennt man nicht, wie alles Hausgeräthe vermißt wird; doch nehmen die Deutschen von Triest sich das Nöthigste mit. Fenster giebt es gar keine, statt dessen sind nur Oeffnungen, die in der Regenzeit mit einem Tuche bedeckt werden. Besuchten Sie die Wohnungen der Muhamedaner, wie Sie da staunen würden. In das Gemach der Damen eingeführt zu wer-

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