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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-02-17 · Heft 8 (17.2.1851) · p. Seite 95

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 8 (17.2.1851)
Date
1851-02-17
Page
Seite 95 (sequence 11)
Language
German
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95 den dürsten Sie nicht erlaubt bekommen, aber die Hausdame wird Ln außerordentlichen Fällen vorgestellt. Das Gespräch ist sehr kar^ und überlegt. Das volee far niente Hauptvergnügt«. Wenn Sie sich über die Sitten der MuhamedanM bekehren wollen, dann lesen Sie das Werk: „Charles White, Drei Jahre in Konstantinopel, oder Sitten und Einrichtungen der Türken, 9 Bändchen, Stuttgart bei Frank." Die Gesundheitszustände unserer Glaubt«sgenossen find auch, wie überall, bei Weitem besser als die der anderen. Die Frugalitat schützt sie vor Pest mrid Typhus. Selten, daß solche Fälle bei uns vorkormmen. Dann existiren besondere Hausmittel dagegen, als Trinken des eigenen Urins oder heftiges Reiben mit EM am ganzen Körper. Die gegenseitige Hilfe ist sehe groß. Von einer Landplage sind die Orientalisten oft he imgesucht— von Einquarrirungen. Kasernen giebt es im Orient keine, kommt dann Militär in eine Stadt, so gehM sie in die Hauser und wählen sich die schönsten Wohnungen heraus und die Eigenthümer dürfen sich im Zweien begnügen. (Bekannt ist es, daß die Muhamedaner aus religiösen Gründen schon wüthende Krieger sind.) Wenn Sie aber spazieren gehen in den Garten mit d«nklen Weinlauben, deren grüne Bogen die glänzenden Trauben, die vollen und schweren Trauben des gelobten Landes trugen, Kiosken, wo steinerne Arabesken mit Jasmin und Schlingpflanzen der Lianen Asiens sich verschlangen, wo Bassins, in denen Wasser, viele Meilen lveit hergeteitet, aus den marmornen Becken springt, Alleen, wo alle Fruchtbaume Italiens und der Tropenländer Hlühen, wo grüne Grasplätze mit blühenden Büschen, Dtumengarben in marmornen Einfassungen duften, dan» vergessen Sie wieder alles Ungemach der Endlichkeit und fühlen sich wohl in dem Lande, wo Milch unl> Honig fließt, dann preisen Sie sich im Lande geboren zu sein, wo die Sonne immer scheint, dann dringt aitS allen Poren das Wohlbehagen einer Seligkeit, dann sprechen Sie und fühlen Poesie. Ja wahrhaftig! Gott ist so allmächtig, daß der Mensch nicht einmal zu träumen vermag, nicht zu schildern, was der Herr Schönes erschaffen hat. — Ach Gott! wie schön ist die Welt, wie wüste aber die Verhältnisse der Menschen. Seit Gott die Hand ferne hielt von seinem Lande, schmachten Taufende in Elend und Leiden, und die Brüder im Okziderireichen zwar ihre unterstützende Hand, aber es gleicher dem Tropfen im Meere. Betrachten Sie dagegen Uz Mönche, die ein unwissendes und thatenloses Leben verbringen. Alle Jahre kommt ein Schiff aus Spanien und bringt dem Pater Superior eine Rente, welche die katholischen Machte Spaniens und Italiens ihnen sendm. Diese Summe allein, ohne die Spenden der übrigen europäischen katholischen und protestantischen Glaubensgenossen beläuft sich auf eine Million Piaster! Aber das Volk Israel leidet, und Keiner erbarmt sich seiner. — Was die Rechte der Juden anbetrifft, dürste man nicht klagen; sie sind völlig emanzipirt, d. h. sie können zu allen Staatsdiensten zugelassen werden (doch vom Militär ist der Jude befreit) und unsere Glaubensbrüder versäumen darum keine religiöse Pflicht am Sabbat und an den Feiertagen, wie auch gegenwärtig im Divan ein Jude sitzt. Ebenso herrscht völlige Gewerbefreiheit. Heirathen kann man ohne erst Erlaubniß von der Behörde nachsuchen zu brauchen, weshalb man Männer mit 13 Jahren und Frauen mit 12 oder 10 Jahren sieht. Natürlich ist aber, wie aus dem geschichtlichen Theite schori hervorgeht, der Jude zahllosen Erpressungen und Grausamkeiten ausgesetzt. Dazu bedarf es nun gar keiner Privilegien. Merkwürdig ist die Art und Weise, wie die Steuern einkassirt werden. Muhamedanische Beamte kommen in die Judengaffe, d. h. in das Judenviertel und halten Jedermann an zu bezahlen. Zugleich muß das Billet vorgezeigt werden, das als Quittung für das jüngste Mal gilt. Für die Armen zahlt die jüdische Gemeindekafse. In die Häuser der Franken dürfen sie nie kommen, und die Bevölkerungszahl wissen sie nie genau, weit kein Register existict. Hat die Regierung Arbeiter nöthig, so werden alle mit Epekmionsgewalt geholt, um unentgeldlich ihre Dienste darzubringen. Gewöhnlich sind nun die Juden damit beglückt, weil sie größtentheils Profession treiben. Anzeiger. In demselben werden Annor,c-en aller Xxt gegen l1/# Ngr. (l.gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile ai. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Die Gemeinde zu Mtrow wünscht nach Ostern einen Religionslehrehrer, Kantor und Schächter zu engagiren. Das Gehalt ist 100 Thlr. Pr. Krt., nebst freier Kost, Wohnung, Heizung unddem Ertrag des Schachten s. Reflektanten wollen sich unter portofreier Einsendung ihrer Zeugnisse wenden an den Vorstand» der israel. Gemeinde zu Mirow (Mecklenburg-Strelih).

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