Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 8 (17.2.1851)
- Date
- 1851-02-17
- Page
- Seite 89 (sequence 5)
- Language
- German
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89 Existenz nicht länger fristen, geschweige gar, daß in vielen kleineren Gemeinden, wo bisheran keine Schelle» waren, diesem dringenden Bedürfnisse entsprochen werden könnte. Wie nothwendig es aber ist, die Jugend in Religion und Moral — diesen ersten Anforderungen imStaatslcb««, diesen unentbehrlichen Grundlagen der menschlichen Gesellschaft — zu unterrichten, bedarf wo! keiner nahem Ausführung. Der Abstellung solcher tiefliegenden Uebelstände kann der Staat seine hilfreiche, ausrichtende Hand nicht länger entziehen; legt ja auch der Titel II des Gesetzes vom 23. Juli 1847 Zeugniß dafür ab, daß eiere hohe Regierung in Bezug auf die Organisation unserer Verhältnisse Anordnungen getroffen und unseim Religionsgemeind en die Korporationsrechte wirklich ertheilt hatte. Jener Titeln des erwähnten Gesetzes stieß jedoch — her manchen Vorzügen hinsichtlich der Organisation selbst — schon bei kaum bego« neuer Ausführung «uf große Schwierigkeiten, die hauptsächlich darin ihren Grund hatten, daß die bethciligten Gemeinden sainmtticher Provinzen vor Emaninung jenes Gesetzes nicht gehört worden sind. So nothwendig u»d wünschenswerth uns indessen die sofortige Erlangung der Korpvrationsrechte wäre, so verkennen wir doch die Schwierigkeiten in der praktischen Ausführung nicht, welche der Bewilligung jener Rechte an jede einzelne Gemeinde durch ein besonderes Gesetz entgegenstehen würden; ebenso wenig können wir uns verhehlen, daß mit Erlangung der Korporationsrechte allein die angeführten Uebelstände schon beseitigt sein würden. Aus diesen Gründen richten wir an ein hohes Ministerium die ganz ergebene Bitte „Es möge Hochdeniselben gefallen, baldthunlichst „Abgeordnete aus allen Theilen der Monarchie nach „Berlin zu berufen, deren Aufgabe unter dem Vorsitze eines Regieruiigskommissars es wäre: 1) ein Generalstatut auszuarbeiten, auf Grund dessen sämmtlichen israelitischen Gemeinden durch ein Gesetz die Korpvrationsrechte zu ertheilen wärm, 2) sich mit der Kegulirung des israelitischen Gemeinde- und Schulwesens zu befassen." Zur Unterstützung unserer Bitte beehren wir uns n»>ch hervorzuhcben, daß die k. k. österreichische Regierring in diesem Augenblick« mit dem besten Erfolge eine Versammlung von Deputirten jüdischer Gemeinden Böhmens, welcher ebenfalls ein Reg! erungskommistsar präsidirt, veranstaltet hat und daß gleiche Maßregeln für andere Provinzen des Kaiserstaates vorbereitet werden. Schließlich erlauben wir uns, zur Verhütung jedes Mißverständnisses, ausdrücklich hinzuzufügen, daß in der gehorsamst von uns erbetenen Versaminlung, nach unserm dringenden Wunsche, durchaus keine Fragen religiöser Natur verhandelt, sondern ausschließlich der äußere Organismus unserer Verhältnisse besprochen werden solle. Wir sehen einer huldreichen Gewährung unserer gehorsamsten Bitte entgegen und verharren mit ausgezeichneter Hochachtung Eines hohen Staatsministiriums ganz ergebenste Vertreter der Gemeinden: (Unterschriften.) Koblenz, 5. Februar. (Privatmitth.) Am 24. vor. Mts. beging die hiesige israelitische Religionsgeineinde das Fest der Einweihung ihrer neuen Synagoge. Sind derartige Festlichkeiten im Allgemeinen auch überall dieselben, und daher ein Bericht über Solche eine undankbare Arbeit für den Referenten, so sind doch die Verhältnisse, welche mit derEinweihung der neuen Synagoge in Verbindung stehen, von so großer Bedeutung für unsere Gemeinde sorvol als für das jüdische Interesse überhaupt, daß ein ausführlicher Bericht in diesem viclgelesenen Blatte gairz an seinem Platze sein dürfte. Wir müssen es dahir zuerst als einen besonders glücklichen Zufall bezeichnen, daß es der Gemeinde gelang, als Baustätte den givßern Theil des ehemals gräflich v. Bürresheim - Kenesse'schen Stammhauses an einem der schönsten, freien Plätze hiesiger Stadt, zu akquiriren, indem die Lage des nerrni Tempels im Gegensätze zu jener der alten Synagoge, welche sich in einem versteckten Winkel einer abgelegenen Straße befand, die durch göttliche Hilfe erlangte jetzige Stellung der jüdischen Gemeinden scharf bezeichnet; aber auch in Bezug auf den in dem neuen ebenso einfach als geschmackvoll und zweckmäßig erbauten Gotteshause eingeführtcn Ritas dürfen wir uns zu einem gleichmäßig erhebenden Fortschritte Glück wünschen. Es ist nämlich der angestrengtesten Thatigkeit unsers würdigen Rabbinen und Predigers, Herrn Ben Israel, gelungen, dem Gottesdienste seine