Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 8 (17.2.1851)
- Date
- 1851-02-17
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
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87 ligkeit befreit (Sprengen des Blutes), und seinen Geist, loslösend aus materieller Befangenheit, zu Gott erhebt (Verbrennen des Opferthüces). — Nur beim ersten Anblick erscheint dieser GedarFenbau künstlich. Bei näherer Betrachtung sind alle diese Gedanken ganz natürlich mit der Idee der Offenbarung verknüpft, und lösen sich prosaisch in die einfachen oft wiederholten Worte auf: „Dem Ewigen wandelt nach, ihn ehrfürchtet, seine Gebote wahret, auf seine Stimme hvret, ihm dienet und an ihm hanget." Nur beim ersten Anblick erscheinen diese Bilder schwer; aber zu einer Zeit, wo der menschliche Geist meist noch in Bildern dachte, lagen ihm alle diese Bilder und Hüllen der Ideen ganz nahe, und es war ihm leichter, die Idee durch das ihrn von selbst, unmittelbar verständliche Bild zu fassen, als wenn sie abstrakt als Erkenntnißsatz ausgesprochen wurde. *) Das Zelt ist die Offenbarungsstätte Gottes der Altar die Vermittelungsstätte des Menschen, der Priester die Ausführung des göttlichen Rechts, das Opfer die Heiligung des Menschen. Zelt und Priester, Altar und Opfer bilden zusammen ein konsequentes Ganzes, Lessen Inhalt und Zweck: die Heranführung, die Annäherung des Menschen zu Gott, und dies Ln ihren zwei Momenten, der Sühnung aller Schuldhaftigkeit und der Erhebung des Geistes zu Gott. Ein Anderes ist aber arich der Inhalt der ganzen religiösen Idee nicht. Wir erkennen daher >« dieser einfachen und doch so erhabenen Institution dem ganzen Mosaismus wieder; und werfen wir von hier aus einen Blick auf die Opferungen und Heiligthümec anderer Völker, so fallen uns die Zusammenhangslosigkeit, der Mangel an einiger Idee, der Aberglaube, das Phantasiebild, der Jrrthum Ln die Augen, welche jene charckterisiren. Der maßlosen Verschiedenartigkeit der heidnischen Opfer in Material und Form steht die Einfachheit der vier Thierarten und vier Opferformen des mosaischen Kultus gegenüber; den durch das ganze Land zerstreut?« Tempeln die einzige Kultusstätte; den zahllosen, bald düsteren, bald frivolen Allegorieen, namentlich in dt« ostasiatischen Opfern, die einfache religiöse Idee des «mosaischen Kultus; Menschenopfer, die insonders in Vorderasien eine so große Rolle spielten, sind ihm ein Kreuel; die Weissagungen aus dm Eingeweiden der Osferchiere, die von Hinterindien *) Man erinnere sich an das goldene Kalb, das das Volk gleich nach der Verkündigung der Zehnworte sich errichtete. bis Rorn gatten, in' jeder Beziehung entfernt. Nichts sollte d»s Opfer fein als der symbolische Ausdruck der Läuterung und Geisteserhebung. Aber je mehr der Geist sich entwickelte, je mehr durch die wachsende Verworrenheit des politischen und bürgerlichen Elbens, der blutigen Kämpfe, der wechselndn Freiheit und Knechtschaft der Verstand erwachte, gewetzt ward, und dc>6 innerliche Gefühlsleben auflöste, desto nicht verblaßten jene Bilder, desto mehr verlor sich ihre Bedeutung, desto mehr entwich ihr Verständniß. Dü^ Band zwischen Bild und Idee, zwischen Symbol undGedanke zerriß. Da wurde das Bild Form, und Nichts als Form. Nun verpachte und vereinseitigte sich im Volke der Begriff, den es von dem Opserkultus hatte. * Es sah die Opfer als Geschenke an, die es Gott drückte; es sah sie üls Abkaufungsmittel für begangene Sünden ariz es sah sie als wesentlichen Theil eines frommen Wandels an. Da begann der Kampf, den schon: Sche* muel mtecnahm, den die Propheten, den die PfUmisten oft mil den härtesten, bittersten Worten kämpfte«, gegen diese Auffassung der Opfer. Aber der beste Beweis, daß duffe noch ein anderes Verständniß der Opfer voraussetzten, ist der, daß diese selben Männer opfern und Opfer e-mpfahlen. Dik Institution der Musik und des Gesamges mit Textesvorten, welche David mit dem OpfeckuLtus verband, deweist am Klarsten, daß die Bedeutung desselben schon verloren gegangen, oder doch sehr verbleicht war. Er wü« geehrfürchtete Form geworden, bei der man den Mangel an geistiger Regsamkeit durch die ungeheure Zahl der O>)»serthiere und den Pomp ersetzte; aber Herz und Verstand verlangten eine andre Nahrung; Gesang, Musik, Dorte nahmen die Stelle ein. Länger bewahrte wohl die Idee der Kulrusstatte ihren Gedankeninhalt, und hielten sie daher auch Schelomo und die Spateren bei; abn im Detail sicher nicht, das bezeugen bie Verändermgen der Maß- und Zahlenverhältnisse-, welche Schelomo und noch mehr die Späteren sich gestatteten. Die 60i, 30, 20, die am „Hause" Schelomo's e rschienen, die Huile, die er vorn anfügte, die riesigen Maße des AltarS 3i. f. w. zerstörten die tieferen Ideen de-S mosaischen „Zeltes" gänzlich. Als im zweiten Tempel ein Stein die Stelle der Lade und Sühnplatte omnahm, frembntige Zusätze, wie der goldene Weinstock, sich eindrängten — da war die Symbolik der Offtnbarlrngsstätte längst crufgelöst, und auch diese nur eine Form. Uiü so eher drängte die Geisteswelt zu eimee neuen