Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-02-17 · Heft 8 (17.2.1851) · p. Seite 86

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 8 (17.2.1851)
Date
1851-02-17
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225714-3225723--11566-3241679
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

88 Sieben allein an dem eigentlichen Träger dieser Loslös sung des Geistes, dem Leuchter, die zwölf an dem Objekte derselben, dem Volke Israel, den zwölf Broden des Angesichts. — In allen Zahlenverhältnifsen des Heiligthums spricht sich also der Gedanke aus: daß vom Menschlichen (der Fünf) zur Vollendung (der Zehn) nur durch die Vermittelung (der Drei), die das Gegensätzliche in Harmonie (der Vier) auflöst, gelangt werden kann, und diese Vermittelung ist eben nur die Offenbarung und ihr Inhalt, die Lehre und das Recht. 4 Gleiches finden wir nun in den Stoffen und Farben. Das Gold, das „reine", mit dem hellen, gelben Sonnenlichte, mit welchem der Himmel in der höchsten Klarheit am Horizonte sich umsaumt (s. Jjob 37, 21.) tragt die höchste Stufe der Heiligkeit und Reinheit, und wo Göttliches und Irdisches Zusammentreffen, ist das Gold das reinste Verbindungsmittel. Das Silber tritt in der Schrift stets mit dem Nebengedanken der Schlacken auf, von denen es zu reinigen ist. Das gereinigte Silber mit seinem weißen, einfachen Lichte, ist daher das Symbol des geläuterten Menschen. Das Kupfer hingegen, zum Golde wie die Fünf zur Zehn sich verhaltend, mit rothem, erdigem Strahle, repräsentirt das Menschliche, wie es das Göttliche noch ganz vom Irdischen befangen und getrübt enthält. Darum ist in und an der „Wohnung" Alles von Gold, ruht aber aus silbernen Füßen, am Hofe ist Alles von Kupfer, hat aber silberne Kapitaler. Der in Jrrthum und Leidenschaft befangene Mensch lautert sich hier, indem er an das in der höchsten Heiligkeit und Reinheit beruhende Göttliche tritt. — Die weiße Farbe ist die der menschlichen Heiligkeit und Reinheit; die rothe Farbe, wie insonders aus dem symbolischen Gebrauche derselben bei der Reinigung vom Aussatze, von der Berührung eines Todten tu s. w. erhellt, ist die Farbe des Reinwerdens; diedunkelblaue, wie aus den Schanfädenu. m. zu ersehen ist, ist die Farbe der Ausführung der Offenbarung. Die Verschmelzung aller dieser Farben im Allerheiligsten, dem Ephod u. s. w. symbolisirt wieder das Göttliche, die Vergöttlichung. Wir haben also hier den Gedanken: die menschliche Heiligung (weiß) wird durch die Reinigung (roth) und durch die Ausführung der Offenbarung (blau) zur Vergöttlichung geführt. Werfen wir hiernach nur noch einen Blick auf die Kleidung des Hohenpriesters. Das Hauptverstandniß ist hier, daß, wie der Hohepriester als Kultusträger, als integrirender Theil des Heiligthums angesehen ward, seine Gewandung als eine zweite Kultusstätte zu betrachten ist, aber in entgegengesetzter Richtung eine nach außen gewandte. Der Rock aus Byffus ist gleich den Umhängen des HofeS; der Gürtel auf diesem gleich dem Vorhang des Hofes aus Byffus und den drei Wollen; das Oberkleid aus tiefblauer Wolle mit den Granatäpfeln, die dem Tisch des Angesichts, und den goldenen Glöckchen, die dem Leuchter analog sind, stellt das Heilige; das Ephod, aus Byffus, den drei Wollen und Goldfäden, das AUerheiligste; der Brustschmuck die Lade, die Urim und Thummim die Sühnplatte, die Edelsteine die Tafeln, und die beiden Schohamsteine auf den Schultern die zwei Cherubim vor. Mitten durch diese unleugbare Analogie geht aber ein besonderer Gedanke. Bei dem eigentlichen Heiligthume ist die Offenbarung, welche die Verbindung zwischen Gott und Mensch vermittelt und bewirkt, der vorherrschende Begriff; bei der Gewandung des Hohenpriesters aber tritt die Ausführung des geoffenkarten Gesetzes im Thun als wesentlicher Begriff hervor. Daher heißt der Brustschmuck der Brustschmuck des Rechts; daher ist das Oberkleid aus tiefblauer Wolle, der Farbe der Ausführung des Gesetzes; daher an ihm die Granatäpfel, das spezielle Symbol guter Werke. Das göttliche Recht (Choschen) wird durch die Ausführung des Gesetzes (das blaue Oberkleid) mit der menschlichen Heiligung (Byffusrock) vermittelt. Hiermit sind wir, g. Z., mit der Deutung des Heiligthums in allen seinen Theilen zu Ende gekommen, und die Hauptgedanken stellen sich folgendermaßen heraus: der Altar, auf welchem der Mensch, in seiner Unzulänglichkeit zu Gott anstrebend (Kupfer), die Verbindung mit Gott anknüpft, ist umgeben von einem menschlich heiligen (Fünf, Byffus) Raume (Hof), und vor die Stätte der Offenbarung (Allerheiligstes, Lade, Sühnplatte) gestellt, von welcher aus Gott sich mit dem Menschen verbindet. Diese Verbindung zwischen Gott und Mensch wird, bei der weiten Trennung, die zwischen Beiden besteht (Heiliges), durch die Erkenntniß, die den Geist loslöset (Leuchter, Sieben), und durch die göttliche Führung (Tisch) vermittelt (Drei). Die Offenbarung Gottes selbst tritt, zwar in Grenzen (Cherubim), aber nur in völliger Harmonie (Vier), Vollendung (Zehn) und Lauterkeit (Gold) in die Erscheinung, und kann nur beruhen auf gereinigter menschlicher Gesinnung (Silber). Dann aber führt sie den Menschen durch Reinigung (roth) und Vollziehung des Gesetzes (blau) zur Heiligkeit, zur Aufnahme des Göttlichen in sich, indem sie ihn von der Sündhaft

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.