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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-02-10 · Heft 7 (10.2.1851) · p. Seite 82

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 7 (10.2.1851)
Date
1851-02-10
Page
Seite 82 (sequence 10)
Language
German
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82 Kreuze angelangt war, wandte sich links und schlug dieselbe Allee ein, welche unser Freund durchschreiten mußte. Kleiner hielt plötzlich an. „Ich Unglücklicher/' sagte er zu sich selbst, „bald kommen wir Ln's Dorf, die Bauern werden mich auf den ersten Wink des Mönchs steinigen, er hat Nichts geantwortet, er hat gelachelt, er ist seiner Rache gewiß." Sofort ist sein Entschluß gefaßt: er nimmt seinen Hut ab, geht zum Mönch, und spricht mit bittendem Tone: „Ich hatte Unrecht, erlauchter und mächtiger Herr, Euch so zu antworten, wie ich es gethan. Ich bin bereit, Euch zu gehorchen, vertrauet mir Eure Sakwy an, ich werde sie tragen wohin es Euch gefallt, und so lange es Euch gefällt." „Gut," sagte der Mönch, und gab ihm die Säcke, ohne seinen Schritt zu verkürzen. Wenn der Mönch hatte lesen können, was da in der Seele des Israeliten vorging, vielleicht hatte er, trotz seines eisigen Charakters, einiges Mitleid mit ihm empfunden. Dieser Mönch, der mich demüthigt und mir befiehlt, dachte der Szkolnik, würde auf keine der Fragen zu antworten vermögen, die ich ihm aus den heiligen Schriften vorlegen würde; er kümmert sich nicht um die Studien, die ich gemacht; er weiß nicht, daß ich die Propheten verstehe, und daß ich mit vollen Händen aus den Schätzen des Talmuds schöpfe; und weil er eine braune Kutte und ich einen schwarzen Kaftan trage, weil ec Katholik und Priester, bin ich gezwungen, mein Haupt vor ihm zu beugen und ihm als Sklave zu gehorchen. Dieses schmerzliche Gefühl durchfuhr ihn wie ein Blitz. Bald dachte er nur daran, den Mönch zu begütigen. Er beschloß eine Unterhaltung mit ihm anzuknüpfen, und, obgleich der Andere nicht antwortete, erzählte er was er von dem Herrn von Werk! wußte, und von seinen Gütern, in der Hoffnung ihm nützlich zu sein, und um seinem Geiste selbst einen Schatten v^n Unwillen zu nehmen, den er vielleicht noch hegen konnte. „Ihr gehet nach Werki, Herr? Ihr müsset den Herrn des Schlosses kennen, den Grafen Potocki, den großen Woywoden, Senator-Palatin. ... Er hat sehr gealtert, seine Haare sind ganz weiß geworden; aber er halt sich gerade auf den Füßen, manchmal durchreitet er seine weitläufigen Güter. Er ist sehr reich! ec wirft auch sein Geld zum Fenster hinaus. Ich will Euch einige Züge seines Charakters erzählen. Er ließ einst den ersten Tapezirer von Wilna holen: Wieviel würde der schönste Lehnstuhl kosten, der zu machen möglich ist? sagte er zu ihm. — Fünfzig Goldstücke, antwortete jener. — Ich werde Euch hundert geben, wenn ich zufrieden sein werde. „Der Tapezirer thut sein Möglichstes, bringt den Lehnstuhl am angezeigten Tage, und zeigt ihm denselben in aller seiner Pracht. Aber der Graf war nicht befriedigt. Kommet in drei Monaten wieder, sagte er, dann will ich Euch zeigen, wie man Möbel für ein Schloß machen müsse. „Er ließ von London zwölf Stühle und zwölf Lehnstühle kommen: der Transport dieser Möbel hat si'ebenundzwanzigtausend Gulden gekostet; sie sind prächtig, aber mit dem Gelde, das sie gekostet, könnte man ein ganzes Dorf bereichern. „Eines Tages ließ er seinen Gärtner rufen; es war mitten im Winter, am Ende des Dezembers, — und befahl ihm kleine Erbsen und alle Arten Früchte zu bringen. Der arme Mensch entschuldigt sich, daß er sie nicht habe; er sagt, der Winter ist streng, der Garten mit Schnee und Eis bedeckt. Du bist ein Unwissender, antwortet ihm der Graf; im nächsten Jahre, um diese Zeit, wenn Gott mich leben laßt, werde ich dich mit Rosinen und Orangen bewirthen. „Der Graf ließ Franzosen kommen, die ihm ein Glashaus machten. Die seltensten Krauter, die schönsten Baume treiben dort wie Pilze. Am besagten Tage zeigte er dem erstarrten Gärtner die schönsten Rosinen, die man sehen kann, und Orangen, wie man sie in unserm Lande noch niemals gesehen. „Ihr habet vielleicht, Herr, die vier Säulen gesehen, welche den Balkon des Schlosses tragen? Sie waren früher nicht da, aber der Graf ließ einmal schöne Spiegel aus Venedig kommen. Als sie an gelangt, waren sie so groß, daß man sie nicht durch die Thüren bringen konnte; man mußte das erste Stock aufbrechen, den Eingang erweitern, und seitdem stützen die Säulen das geschwächte Gebäude. „Ich weiß alles dies durch die Mitchverkauferin Goldwasser, welche Zutritt zu den Küchen des Grafen hat. Jeden Tag bringt sie'die Milch, die Butter, den Käse zu den Dienern, und jeden Abend bei der Rückkehr hat sie ihren Kindern Etwas zu erzählen. Sie erwarb Anfangs sehr wenig, aber jetzt steht sie sich besser. Das geschah so: „Goldwasser, sagte der Graf zu ihr, wie viel zahlst Du für eine Kuh? „Zwei Gulden die Woche, Herr.

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