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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-02-10 · Heft 7 (10.2.1851) · p. Seite 81

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 7 (10.2.1851)
Date
1851-02-10
Page
Seite 81 (sequence 9)
Language
German
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81 rietherr auf den ersten Blick einen Monn von Auszeichnung, einen jener Edelleute, den tn Familienstolz zum geistlichen Stande bestimmte, sei es um ihre Armuth zu verbergen, sei es um Einem der Ihrigen eine glanzende Laufbahn zu eröffnen. Der Mönch lstützte sich auf einen Stab, trug einige Sakwy, eine Art von Sacken, in die er das Brod und. die Früchte that, welche die Armen ihm anboten, um den noch Aermeren zu Hilfe zu kommen. Der Szkotnik Kleiner war eben f« mager und schwächlich, wie jener kräftig und stark. Sieme blonden und gelockten Haare fielen ihm auf die Sch »ltern, sein schwarzer Kaftan ging ihm dis auf die Knöchel und sein Hut mit breiten Krampen beschattete sein blaßses und abgemagertes Gesicht. Das Ganze dieses KosZums, welchem man überall in Polen und Litthauen begegnet, verbarg indeß ein regelmäßiges, geistvolles Gesicht, »-essen Hauptzug eine düstere Melancholie war. Szkotnik heißt eine Schulmeister, ein Lehrer jüdischer Kinder. Ein Solcher muß die Bibel auswendig kennen und dt l» Talmud studiren. Ausgerüstet mit diesen Kenntnissen zcht er von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf; man bietet ihm eine Zuflucht, Nahrung an, man vertraut ihm die-Kmder an, und belohnt ihn nach seinen Mitteln. 3M< Lage eines wandernden Szkolnik würde in einem warmen und duldsamen Lande zu beneiden sein; aber in einem Lande, wo der Winter streng ist, wo die Vor»rtheile all ihre gehässige Kraft bewahrt haben, kann nian einen Szkolnik nur jenen frommen Verbreitern des Glaubens vergleichen, welche tief unter die Heiden eindririj.en. Die Kinder, da sie sahen, daß ihr Lehrer schwächlich sei, und, versunken in sein Studium, seine Speise zu sich zu nehmen vergaß, nannten ihn Kleiner. Es verdroß ihn dies nicht, und so blieb ihwr dieser Zuname. Der Mönch machte große regelmäßige Schritte und eilte seinem Ziele mit berechneter Ausdauer zu. Kleiner lief bald, bald ging er langsam, manchmal kam er seinem Gefährten zuvor, oft blieb er hinter ihm zurück. Nicht selten verrieth sein gesenktes Hcmpt, daß ein innerer Kummer an seinem Herzen nage. Wer ihn nahe beobachtet hatte, würde schwere Thraoen bemerkt haben, die von Zeit zu Zeit wie Edelsteine «tu8 seinen feuchten Augen sieten. Da war es, wo der Mönch vorauskam, aber kaum bemerkte Kleiner, daß er Zeit verliere, als er seinen Schritt von Neuem beflügelte, und den verlornen Raum einholte. „Jude, trage meine Sakwy!" rief ihm mit strengem Tone der Mönch j a., als der Szkolnik sich in gleicher Linie mit ihm befand. Kleiner war hsnsichtlich seines Erwerbes der unabhängigste Mensch »sn der Welt. Nicht allein hatte er genug zum Leben, .er hatte auch noch Ersparnisse machen können. Unterrichts, religiös, sanft und geduldig, wurde er von den Eltern gesucht, niemals fehlte es ihm an Schülern. Wenn «er in diesem Augenblicke von Schmerz gebrochen war, so mx es, weil er in seiner ersten Liebe nicht glücklich war, weil die Tochter des gelehrten Rabbi Goldberg, die schöne Noemi, sich nicht verheirathen wollte, weil, nachdem er genaue Erkundigungen über sie eingezogen, nachdem er »as Innere des Hauses ihres Vaters sorgfältig beobachtet hatte, er bemerkte hatte, daß da ein Geheimm'ß bestehe, welches die Aufführung derer, die sein Herz verehrte, mit «einem undurchdringlichen Schleier bedeckte. Jung und schön, hatte sie der Welt entsagt und trug Trauer. Das Gerücht ging, daß sie in jeder Nacht das väterliche Haust: verlasse, um sich nach Werk! zu begeben. Der junz.e Mann hatte.die Stadt, seine Schüler verlassen, und bvfgab sich nach dem genannten Orte, um die Wahrheit zu entdecken. Sein Herz litt, sein Kopf brannte, und gerade in diesem Augenblicke weckte ihn eine rauhe, unbekannte Stimme, nm den Paria an seine Knechtschaft zre erinnern. Zn einer solchen Lage ist auch der schwächste Mensch nicht geneigt, eine Beleidigung zu ertragen, der furchtsamste ist bereit, seinen Charakter zu verleugnen und sich aufzulehnen. Daheir sagte Kleiner, der oft Kindern nicht zu widersprechen vermochte, nachdem er einen Blick um sich geworfen, und Niemanden erblickte, der ihnen folge, überzeugt, daß er iit jedem Falle fliehen könne, mit Festigkeit : „Gehet Eures Weges, ich bin Euer Diener nicht." Der Mönch lächelte, antwortete Nichts und schritt immer weiter. Wir haben vergessen zu berichten, was auf die kühne Antwort unsms Szkolniks einen wesentlichen Einfluß übte. Fünfzig Schritte Don hier, sagte er zu sich selbst, Lei dem Kreuze, verlasse ich die große Straße, ich schlage den Fußpfad ein, der ncich Werk! führt, zum Schlosse de- Grafen, der Mönch wird seinen Weg verfolgen, und wir werden uns im Lebe rr nicht wieder begegnen. Aber das Schicksal hatte anders entschieden. Der Mönch, als wenn er gewettet hatte, ihm entgegen zu sein, statt seine Schmtte rechts zu wenden, als er beim 7*

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