Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-02-10 · Heft 7 (10.2.1851) · p. Seite 80

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 7 (10.2.1851)
Date
1851-02-10
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225714-3225722--11559-3241671
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

80 hat geben müssen, wo man sich auch noch so sehr dagegen gesträubt. Sind aber die inneren Zustände und Verhältnisse unserer Gemeinden darum besser geworden? Leider! Nichts weniger als das. Sie finden noch Alles in demselben Chaos, wie vor drei Jahren, überall noch denselben Wirrwarr, dieselben Konflikte, dieselben gegen einander kämpfenden feindlichen Elemente, dieselben Lächerlichkeiten, dieselben Thorheiten, — mit Einem Worte: Nihil est mutatum. Und sind auch die oben angeführten und denen ähnliche Worte nicht faktisch ausgeführt, sind jene lächerliche Drohungen auch nicht geradezu Thaten geworden, so haben doch die Gemeinden einen starken Stoß bekommen und ihre wohlthätigsten und nützlichsten Institutionen viel, leider sehr viel gelitten. Das Gemeindewesen ist in seinen Grundpfeilern tief erschüttert worden, und Niemand ist da, dem cs einfiele daran zu denken, wie der gewaltige Riß zu heilen, der Schaden auszubessern un'd Alles wieder in das gehörige Geleis zu bringen wäre. Es sieht so aus, daß uns weiter Nichts übrig bleibt, als zu wünschen und dahin zu arbeiten, es möchte die Regierung nicht mehr die Korporationen sich selbst und ihrem eignen Geschicke überlassen, sondern wieder anfangen, deren Angelegenheiten in die Hand zu nehmen, und sie ^u ordnen und zu leiten, wie in vormärzlichen Zeiten. Denn ist auch der Jndifferentismus der Staatsbehörden den religiösen Gemeinden gegenüber im Prinzips noch so gerechtfertigt, in der Praxis ist er doch noch vom größten Nachtheil, und so möge man, um diesen zu verhüten, diesmal das Prinzip zum Opfer bringen. — Sapienti sat. Dresden, 25. Januar. Auch die zweite Kammer hat jede Veränderung an der Verfassung vom 4. September 1831 abgelehnt, und somit auch die Zurücknahme der bürgerlichen Gleichstellung der Juden sanktionirt. Oesterreichischer Kaiserstaat. Pesth, 26. Januar. Heute Vormittag fand ein höchst imposanter Leichenzug statt. Der erste Assessor der israelitischen Gemeinde, Simon Oppenheim, verschied vorgestern in dem hohen Alter von 98 Jahren. Er war einer der talmudischen Koryphäen der ungarischen Juden und gab viele hermeneutische und exegetische Werke heraus. Vor 67 Jahren gab er bereits in Prag sein „Amod Haschachar" (Morgenröthe) heraus, worin er die Reformen des unvergeßlichen Kaiser Joseph als den Anbruch einer neuen Aera begrüßte. Ein halbes Jahrhundert war er hier Seelenhirt, Rathgeber und Helfer der Armen, und es ist ein schönes Zeichen der Pietät, daß aus dem ganzen Komitate die Israeliten herbeieilten, um dem Verewigten die letzte Ehre zu erweisen. Preßburg, 29. Januar. Sicherm Vernehmen nach ist höhern Orts an sämmtliche israelitische Gemeindevorstände des Landes die Weisung ergangen, alle im Bereiche ihrer Gemeinden vorsindlichen schulfähigen und schulbesuchenden Kinder beiderlei Geschlechts vom 6ten bis 13ten Lebensjahr zu konskribiren und das Resultat solcher Konspription an die oberste Behörde gelangen zu lassen. Wie wir gleichzeitig erfahren, ist der hiesige israelitische Vorstand diesem Verlangen unverzüglich nachgekommen. Belletristisches. Was Verbrechen in Werkt. Erinnerungen aus Litthauen. Nach dem Französischen des Jean CzyNski. *) 1. Die beiden Reisegefährten. Fast in demselben Augenblicke verließen zwei Bewohner von Wilna diese Stadt, und schlugen dieselbe Richtung ein. Nachdem sie die Brücke überschritten, ließen sie die Kirche von St. Kasimir hinter sich, und gingen auf dem Wege längs des Flusses fort. Sie verfolgten denselben Weg, aber sprachen nicht mit einander. Wenn der Eine auf der rechten Sekte ging, ging der Andre auf der linken. Der Eine war ein Karmelitermönch, der Andere ein junger Israelit, der Szkolnik Kleiner. Der Mönch hatte einen prächtigen Grenadier abgegeben. Seine braune Kutte bedeckte seine breiten Schultern und eine derbe Taille. Man sah seinen mit einer Kaputze bedeckten Kopf nicht, aber seine kleinen schwarzen Augen, sein weißes Gesicht, sein Alabasterhals ver- *) Aus den Arch. isr. de Fr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.