Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 7 (10.2.1851)
- Date
- 1851-02-10
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
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79 Vom Hören-Sagen noch folgende Anekdote, die, wenn sie sich bewährt, dem neuen Korisistorialrabbi in Kolmar (llspsrtem. du Haut-Rhin) seine Unsterblichkeit sichert. In der schonen neuen Synagoge zu Basel ist am Glaswerk das Bild des größl-en Propheten in Israel angebracht. Der Rabbi deS Dberrheins soll auf dessen Entfernung dringen. Wenn es auch ein großer Vorzug unserer Gotteshäuser ist, aller Bilder baar zu sein und gewiß Israel seit Jahrtausenden vor Jrrthümern t kwahrt hat, so hätte der Großrabbine des Oberelsaiß Besseres und Nützlicheres zu vollbringen und an Mängel in seinem eigenen Lande, die dort wie Unkraut wuchern, die Art zu legen, ehe er sich auf ein Territorium wirft, das seine Botmäßigkeit nicht anerkennt. Herr Advokat Cremieux aus Paris wird seit einiger Zeit int Elsaß erwartet, um sich des Prozesses der Juden gegen ihre resp. christlichen Gemeinden, gegen deren Meutereien im Jahre 1848 ««zunehmen. Bei größerer Muse gedenke ich «inige Worte über das Merkchen: Biblisch-talmudische Medizin von Herrn Ihr. Wunderbar Ihrem geschätzten Blatte zu schreiben. Für jetzt nur folgende Bemerkung. Wenn auch dem Herrn Verfasser aller Dank gezollt »werden muß, sich an ein so schweres und undankbares Werk gemacht zu haben, und zugegeben werden muß, daß er seinen Stoff gehörig zu bearbeiten »veiß und die Sache richtig angrcift, so muß doch gerügt worden, daß er sich zu leicht Schlüsse erlaubt und darauf hin weiter baut, die alles geschichtlichen Werthes eiillbehren. In der Geschichte muß man behutsam sein. Man muß aber noch behutsamer sein, Mythen aus Midrasch und Gemara sogleich als baare Münze ausz,unehmen. Auch sollte der Herr Verfasser bei allen seinen Angaben die Quelle angeben. Dies Werk kann nur von Aerzten, die talmudische Studien gemacht haben, gewürdigt und kritisirt werden. Gerade diese aber sind nicht mehr im Falle, die Stelle» noch im Kopfe zu haben, worauf der Herr Verfasser fußt. S. Weil, med. Dr. Deutschland Koblenz, 25. Januar. Hier hat am 24. Januar die Einweihungsfeier der von der dortigen israelitischen Religionsgcmeinde im ehemaligen gräflichen Bürreshcimer Hause mit namhafte« Opfern errichteten neuen Synagoge stattgefunden. Der Tempel, einfach, aber geschmackvoll und zweckmäßig in seiner Konstruktion, war für die feierliche Gelegenheit besonders ausgeschmückt; eine zahlreiche und glänzende Versammlung, »vorunter die höchsten Zivil- und Militärbehörden, so wie viele koblcnzer Bürger wohnten der Feier bei. Dieselbe wurde durch den Prediger der Gemeinde mit einem Einweihungssegen eröffnet, welchem eine Predigt und darauf noch ein Gebet für König, Vaterland, die Stadt Koblenz und deren Einwohner folgte. Der Gottesdienst wurde gehoben durch Chor- und Sologesänge mit Orgel- und Instrumentalbegleitung. Aus der Provinz Posen, im Januar. (Privatmitth.) Die Jahre haben gewechselt, die Zustande nicht: sie sind dieselben geblieben und werden es wol noch lange bleiben. Ich meine die in unseren Gemeinden. Seit drei Jahren haben wir in dieser Beziehung auch nicht Einen Schritt vorwärts gethan, rückwärts leider! so manchen. Als in dem großen, vielversprechenden März 1848 der Ruf: „Freiheit!" durch Gerrnanicns Gauen ertönte, und dieser Ruf auch in unsere Reihen drang, da glaubte man, den dunkeln Begriff des Freiseins für alle Zustände und Verhältnisse ausbcuten zu müssen, und »vähnte, der Freiheitsgöttin das »vohlgcfälligste Opfer darzubringen, »venn man an jede noch so nothwendige und noch so wohlthätige Schranke Hand anlegte, u>n diese gewaltsanr niederzureißen. Und so kam es, daß man dainals fast überall die Hände ausstrccken sah nach den schwachen Säulen unsers Gemeindewesens und Ausrufe vernahm, die bis dahin in Jeschurens Mitte noch niemals waren gehört worden. „Nieder mit den Gemeinden!" erscholl cs aus Tausenden von Kehlen. „Weg init den Verbänden! Löset die Korporationen auf! Was sollen uns die Rabbinen? wozu die Prediger? Wir brauchen keine Gemcindeschulen mehr und folglich auch keine Gemcindclehrer! Das sind lauter Lasten, die uns drücken, von denen wir uns aber befreien können, indem wir aufhören, die Gemeindeabgaben zu entrichten!" — Ja „Aushören, Gemeinden bgab en zu entrichten!"— Das war die Pointe des Stückes — „Nichts mehr geben!" Wer hätte in diesen lockenden Refrän nicht gern mit eingestimmt?-Doch, was diesen Punkt betrifft, so ist es mit der Zeit anders ge»vorden: man