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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-02-10 · Heft 7 (10.2.1851) · p. Seite 76

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 7 (10.2.1851)
Date
1851-02-10
Page
Seite 76 (sequence 4)
Language
German
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76 Erhebung in das Geistige und Göttliche zu vermitteln und symbolisch darzustellen. Die Opfer unterscheiden sich aber nun, je nachdem an ihnen eine dieser Handlungen hauptsächlich hervortritt. Bei dem nbi2 das Verbrennen, also die Erhebung zu Gott. Bei dem nKün das Sprengen des Blutes, also das Verhüllen, Bedecken der Sündhaftigkeit. Hier die Steigerung, daß das Blut an die Hörner des Opferaltars, an die des Räucheraltars, an den Vorhang, oder selbst aus die Sühnplatte kam, je nachdem der Einzelne, oder die Gemeinde und der Hohepriester sich am Heiligthume verschuldet hatte. Das öiaat beruhte nur auf der moralischen Sünde des Einzelnen, die tTMbiU beruhen auf dem dankbaren Gefühle des Einzelnen gegen Gott, und sind so religiöse Weihe des Genusses. Das mosaische Opfer ist also Nichts als der symbolische Ausdruck der Vermittelung des Menschen zu Gott, des Menschen in seinem materiellen Zustande und seinem Streben zu Gott hin, also vom Menschen aus hin nach Gott. Schwieriger stehet nun und dunkler die Kultusstatte vor uns. Vergegenwärtigen wir uns hier, wie, verschieden von allen uns bekannten Tempeln der alten Völker, wir hier?inen unbedeckten Hof sehen, in welchem der Altar stehet, toot einem bedeckten Heiligthum, das wieder aus einem, nur von den Priestern betretenen „Heiligen" mit Tisch, Leuchter und Räucheraltar, und aus einem, nur vom Hohenpriester und nur einmal im Jahre betretenen Allerheiligsten mit der Lade, der Sühnplatte und den Cherubim bestand. Diese Einrichtung sehen wir im Tempel Schetomo's, dem zweiten und dem von Herodes umgebauten festgehalten. Die ganze jüdische Tradition und altere Schule erkannte schon die symbolische Bedeutung an. Sie sah das heilige Bauwerk aber theils als ein Abbild des ganzen Universums an, theils nahm sie an, daß im Himmel Orb^rab) ein Heiligthum sei, von dem dieses auf Erden (N272b) ein Abbild. Die christliche Typik sah in dem Huligthume nur ein Vorbild der christlichen Gemeinde und Kirche. Die neueren Kritiker, Maimonides an der Spitze, sahen eben nur ein Heiligthum darin, ohne symbolische Bedeutung, zur Würde des Kultus, der Eine ein Herrscherzelt, der Andre eine dürftige Kopie des Tempels. Diese Ansichten widerlegen sich allesammt auf's Leichteste. Die richtige Vorstellung erlangen wir aber zunächst, wenn wir die Benennung des Her'ligthums erwägen. Es heißt insonders WM biitf, und die Schrift erklärt dies genau: “jb Wik woselbst ich mich zu dir verfügen werde, üw Wib, zu dir daselbst zu reden. *) Der Name sagt also: das Heiligchum ist die Offenbarungsstatte Gottes. Hier ist nun als Bedeutsamstes die Lade ausgestellt. In derselben liegen die Tafeln mit den Zehnworten, also die bereits geschehene Offenbarung; auf derselben liegt die Sühnplatte, auf welcher alle zukünftige Offenbarung geschehen soll, da von der Sühnplatte aus die göttliche Stimme gehört werden soll (n-icütt ps 'rvmYi ütt p W131 2 Mos. 25, 22. 30, 6. 3 Mos. 16, 2. 4 Mos. 7, 89.) Es heißt aber da überall „ich werde zu dir sprechen von der Sühnplatte herab „„von zwischen den beiden Cherubim her"". Hieraus, wie aus anderen Beweismitteln ist es offenbar, daß der Begriff der mosaischen Cherubim war: die Abgranzung der göttlichen Offenbarung innerhalb dessen, was der Mensch zu fassen befähigt ist. Die Lade im Allerheiligsten ist also symbolisch der Fokus der göttlichen Offenbarung, theils wie sie bereits geschehen, theils wie sie noch innerhalb des menschlichen Fassungsvermögens geschehen soll. Von hier aus strömt nun die Offenbarung d. i. die Verbindung Gottes mit dem Menschen zunächst durch das Heilige hindurch, und zwar auf zwei Wegen; der eine, dargestellt durch die sieben Lampen des Leuchters, die immerfort (auch des Nachts, also nicht etwa zur Erhellung des Raumes) brennen, das Licht, die Erkenntniß, welche die Offenbarung aus der dunkeln Gefühlswelt herauslösen wollte; der andre Weg, dargestellt durch den pbw (4 Mos. 4, 7.) den Tisch des Angesichts, auf dem die 12 anb Brode des Angesichts, d. i. die unmittelbare göttliche Führung und die dieser entspringenden Wohlthaten und Ueberzeugung. Erkenntniß (Lehre) und göttliche Führung sind die beiden Wege, durch welche die Offenbarung in die Menschen gelangt, durch die sie im Menschen heiligend und zu Gott erziehend lebendig wird. Wie aber die Lade die geschehene, die Sühnplatte die zukünftige Offenbarung vorstellt, Beide aber von den Cherubim, als den Abscheidern und Begränzern der göttlichen Offenbarung, bedeckt werden: so tritt zwischen die Strömung der Erkenntniß und die der göttlichen Führung die Räucherwolke auf dem Rancheraltar, welche, wie namentlich die Schrift beim Ranchern im Allerheiligsten am Versöhnungstage aussagt, die Heiligthümec bei der Berührung von Seiten *) 2 Mos. 29, 42—46. 30, 36.

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