Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 6 (3.2.1851)
- Date
- 1851-02-03
- Page
- Seite 69 (sequence 9)
- Language
- German
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SS ben an sehr verschiedenen Orten geopfert, und sehr oft nebeni«» Götzendienst getrieben wurde, bis David endlich durch die Versetzung der h. Lade nach Jerusalem und Errichtung eines Zeltes zum Kultus daselbst die Kultusstätte stirr immer fixirte. Schelomo vervollständigte dies durch Erbauung des Temptls. Während in der allgemeinen Anordnung desselben Sie mosaische Einrichtung beidehalten wurde, waren die Mißverhältnisse doch sehr verschieden. Das eigentliche ch-LUs war im Lichten 60 Ellen lang, 20 E. breit und 30 E. hoch, vorn war jedoch noch eine 10 E. tiefe Vorhalle angebracht, das Heilige war 40 E. lang, das AllerlMigste 20 E., also Beide noch einmal so groß wie im StSstszelte; die Decke und Wände waren mit Zedernholz ge täfelt, der Fußboden von Zypressenholz, Getäfel und Dielen waren mit Goldblech überzogen, Heiliges und Allerhmligstes waren durch eine Wand von Zedernholz geschieden, mit Flügelthüren von Oelbaumholz, nur die Halle N)ar offen; Fenster waren nur im Heiligen; in beiden Aäunren befanden sich dieselben Gerathe wie im StiftsMe, nur daß Schelomo noch zwei große Cherubim hatte machen lassen, welche, auf dem Boden stehend, mit den Flügeln durch das ganze Allerheiligste reichten, und zehn goldene Leuchter und zehn goldene Tische statt des einen, von denen je fünf auf einer Seite des Heiligen standen. An drei Seiten lehnten sich an dieses Gebäude Nebengebäude mit Zimmern, die wir hier übergehen. Vor diesem Hause befand sich nun ein innerer Vorhof, der voir einer Wand aus Zcdernhotz mit steinerner Unterlage eingeschloffen war; und in welchen sich der Opferaltar, der jedoch 20 E. lang, 20 E. breit und 10 E. hoch «r, das prächtige s. g. eherne Meer und zehn eherne Becken befanden. Bor dem innern Vorhofe noch ein großer äußerer Vorhof. Ater eine große wesentliche Veränderung hatte bereits David Angeführt, welche dem Opferkultus ein völlig neues Gepräge gab, und nicht anders als eine große Um- und Neugestaltung desselben angesehen werden kann: nämlich daß er demselben eine großartige Gesangs- und Jnstrunientalrnusik-Jnstitution hinzufügte. Es war von dit. ab der bis dahin fast lautlose Opfeckultus mit Gesang, und Musik verbunden. Wie die Priester, so theilte David auch die Leviten in Abtheilungen ein; die erste dieser war bestimmt „zum Gesang im Hause des Ewige» mit Zymbeln, Lauten und Harfen zum Dienste des Hnuses Gottes, zweihundert und acht und achtzig", abgetheilt in Chöre unter Leitung ihrer Musikmeister (1 Chr. 26). Diese levitischen Musikchöre treten auch spater irr der Geschichte bei mannigfachen Gelegenheiten hervor, z. B. unter Chiskija (2Chr. 29, 25.), Zoschija (das. 35, 15.), und gingen dann, in den zweiten Tempel über (Esra 3, 10. Nechem. 7, G7\ 12, 8. 24.). Daß diese Psalmen sangen und dazu spielten, daß schon David Psalmen zu diesem Zwecke dichtete, seine Sänger und Nachfolger hierin wetteiferten, ist bekannt. Diese neue Institution entwickelte sich im Lnrife der Zeit sehr bedeutend, und ansanglich mehr dem Belieben anheimgestellt, mußte sie mit der Zeit einen stobilern Charakter annehmen, und allerdings zeigt uns die Mischna schon manche Bestimmungen über die Psalmeir, die regelmäßig gesungen wurden. Einen weitern Fortschritt bemerken wir endlich, daß mit Schelomo auch bereits das Gebetwort zum Opferkultus sich bei befonberct* Gelegenheiten gesellte, obschorr kein vorgeschriebenes Gebet, wie uns mehrere aufbewahrt sind, z. B. 2 Kön. 8, Aechem. 9. Der Raum gestattet uns nuir. nicht, hier die weitere Entwickelung des Opferkuttus zu verfolgen; wir können nur darauf Hinweisen, daß der Prophet Jecheskel in der Verbannung einen völlig neuen Tempelbau und einen höchst umgestalteten Kultus für den zweiten Tempel verkündete, ohne daß freilich irgend Etwas davon verwirklicht ward; wir können nur an deuten, daß der zweite Tempel, namentlich nach dem Umbau des Herodes, vielfach andere Einrichtungen besaß; daß im Fortlauf die Tradition eine große Masse von Einzelbestimmungen zu dem, was die Tora vorschreibt, ja auch abgesehen vom eigentlichen Opferdienste neue Feste und Fasten, neue Zeremonien, z. B. das Wasserschöpfen am Sukkot, fügte, ja daß der Geschichtsschreiber Zosephus aus der letzten Zeit des zweiten Tempels uns Manches berichtet, was mit den Vorschriften der Tora nicht im Einklang steht. Als Resultat ergiebt sich: daß, abgesehen von zeitweiligem Götzendienste zwar die Grundeinrichtungen Mosche's überall durch anderthalb Jahrtausende bestehen blieben, daß sie aber nach allen Seiten hin erweitert und im Detail verändert wurden, namentlich aber von David an durch eine ganz neue Institution, Gesang von Psalmen und Musikbegleitung, spater auch durch Gebetwoct, ein neues Gepräge erhielten. Alrch hier übte also das mit der Zeit erwachende Bedürfnis seine unwiderstehliche Macht aus. Indem wir aber dieses Detail übergehen, haben wir uns in der vorhergehenden Darstellung nur den Stoff zurechttegen wollen, um nunmehr Len diesem ganzen 6*