Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 6 (3.2.1851)
- Date
- 1851-02-03
- Page
- Seite 67 (sequence 7)
- Language
- German
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übernehmen, wenn bei der bevorstehenden Gemeindeorganisirung die Vorstadt Kazimirz mit der krakauer Gemeinde vereinigt werde, und daß die durch die Anleihe etwa erwachsenden Kosten im gleichen Maße die Juden wie die Christen treffen, was auch angenomni'M wurde. "(So wird also die Noth bewirken, was die Gerechtigkeit nicht vermochte! Aehnlichcs geschah in Folge desgroßen Brandes in Hamburg. Red.) Wien, im Januar. Die israelitische Gemeinde in Wien schreibt ein Malerstipendium r> 50 fl. jährlich ans, welches eines ihrer Mitglieder, Herr W. I. Nassau, gegründet hat. Aus Ungarn, im Januar. Man schreibt dem „P ester Lokalblatt" aus Arad: Vergangenen Freitag, Abends, als eben die Israeliten in den Tempel eilten, um ihre Andacht zu verrichten, kam ein Polizist in Begleitung mehrerer Gerichtsdiener, ließ die Ausgange des israelitischen Schulfondsgebäudes — in welchem auch der Tempel ist — besetzen, und verfügte sich auf den Boden des Hauses, um dort eine Untersuchung anzustellen. Da außer dem Kommissär und dem Denunzianten Niemand wußte, um was es sich eigentlich handle, war man allgemein sehr gespannt auf das Resultat. Dieses ließ aber nicht lange auf sich warten, indem bald zwei der Gerichtsdiener mit einer Kiste erschienen, in welcher — Militärkravaten ein gepackt waren. — So weit war Alles für den pl. 1. Denunzianten sehr erfreulich; denn man hat gesunden — wenn auch nur Kravaten; aber den ander» Tag stellte sich heraus, daß der Gemeindevorstaud die Kravaten schon vor sechszehn Monaten beim k. §. Platzkommando angezeigt habe, und von Letzterein bedeutet worden sei, die Kiste so lange zu behalte», bis man sie abholcn lassen würde; was aber wegen obwaltender Verhältnisse bisher nicht geschehen konnte. —. Eine große Anzahl galizischer Israeliten hat sich vereinigt, in Dalmatien und Ungarn Kolonien zu gründen. Der Ausschuß derselben hat auch bereits di« Regierung um ihre Vermittelung angegangen. Italien. Rom, 9. Januar. Die Unparteilichkeit, die unser Streben, veranlaßt uns, Folgendes in Bezug auf den No. 2. S. 22 mitgetheilten Vorgang mitzutheilen: „Das „Giornale di Roma" vom 9. Januar »nöffentlicht einen Artikel, in welchem es die von den „ Debats" gegebene Nachricht in Bezug auf den Juden Tagliacozzo widerlegt, dessen Sohn an der Stelle seines Vaters in's Gefängniß geworfen worden sei, weil der Erster« eine Christin bei sich ausgenommen. Dieses sei keineswegs der Fall; der Vater sei zu 10 Lagen Gefängniß verurtheilt worden, weil er einen «enr dem Glauben und der Moral verbotenen Lebens- Vaudel mit einer bei ihm in Dienst stehenden Frau aus den neapolitanischen Staaten geführt habe. Die Frau sei nach ihrem Lande zurückgebracht worden." Rußland. Aus Polen, im Januar. (A. Z.) Seit Neujahc (1). Januar) dürfen die polnischen Juden weder mehr ihren langen schwarzen Talar nebst Paß (Gür- 1«l), noch den breitkrampigen Hut tragen, auch die schönen orientalischen, glänzend schwarzen Bärte, so mir die langen Ringellocken an den Schläfen (Peißen) sind verschwunden. Nur alte Männer über 60 Jahre dürfen die orientalische Kleidung beibehalten, sofern sie reich genug sind, eine bedeutende Steuer dafür zu za hlen. In Kalisch und anderen Städten sind daher alle 50jahrigen reichen Juden über Nacht 60 Jahre alit geworden! Die Behörde glaubt's und nimmt die Steuer. Warschau, im Januar. Nach amtlichen Berichten hatte Warschau im verflossenen Jahre 5 jüdische Elementarschulen und die Rabbinerschule, ferner 1 jüdisch« Elementarschule für Mädchen. Diese Elementarschulen hatten 13 Lehrer, 226 Schüler und 130 Schülerinnen, die Rabbinerschule 167 Schüler. Bei dir Ungeheuern jüdischen Bevölkerung Warschaus zeigt diese Angabe das Minimum von Ausreichendem. Kdessa. (Privatmitth.) Am 15. Tischri wurde hier mit großen Feierlichkeiten der Grundstein zu einer großen Synagoge gelegt, die nach dem Plane eine dec kostbarsten in Europa gebaut wird. Sie wird 66 russische Ellen lang, 36 breit und 33 hoch. Die heilige Lade wird von Eisen. Die Grundsteinlegung machte eilt eit großen Eindruck, und ist in einem schönen hebräischen Briefe beschrieben worden.