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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-01-27 · Heft 5 (27.1.1851) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 5 (27.1.1851)
Date
1851-01-27
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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59 Vorstellung eines Utopien* kommen nun alljährlich viele arme Juden nach Jerusalem, um sich — tamfen zu lasten, oder wie sie vorgeschwatzt bekommen, in dre Geheimnisse des Judenthums eingeweiht zu werden. Um diesen Verblendeten die Augen zu öffnen und sie zur Rückreise, festhaltend im Glauben der Väter, zu bewegen, werden von uns keine Opfer gescheuet, und es betucrgen die jährlichen Kosten dafür 30,000 Piaster! Jcht kommen die Unterstützungsgelder, die unsere Gemeinde unter ihre Armen selbst vertbeilt, an Kranke, an Leidende, an Wittwen und Waisen, wöchentliche Brodvertheiilung an 1800 Personen, Mehl, Mehl für Osterkuchen rc. (es sind gegen 12,000 jüdische Seelen gewöhnlich in unsrer Stadt) mit einer Summe von 65,000 Piaster. (Die Armenkasse bedurfte früher der Gemeinde, nicht, weil sie durch freiwillige Gaben und Leistungen erhalten wurde. Doch seit 11 Jahren wurde sie, nach Ausspruch der geistlichen Beamten, wegen der umsichgegriffenen N>«th und den daraus entstandenen Passivstand, mit der Gemeinde verschmolzen.) Zur Bestellung und Erhaltung des Unterrichtswesens — Si^nn iTübn — die nebst ihrer eignen Kasse eine jährliche Zulage von der Gennelnde erhält; dann für elternlose Studirende oder Söhne; und Töchter armer Gelehrten 30,000 Piaster. Ausstattung elternloser Jungfrauen 25,000 Piaster. Sie sehen, wie man hier diese Pflicht in Ehren hält. Die Kosten für angestellte Beamte, Rabbinen, Schreiber; Mie^the für Synagogen, Badehauser (die von den muhamedanischen separict sind), Postaustagen wegen vieler Gutachten, die hierher zur Entscheidung geschickt werden; Schächter rc. zusammen 50,000 Piaster. — Jetzt kommen zwei andere und letzte Posten, die namenlos drückend <mf den Armen liegen. Wenn Biete von den Glaubensbvüdern sich in Jerusalem niederlasten, geben sie ihr mitgebr achtes Kapital, der Gemeinde, und lassen sich den gewöhnlichen Landeszins 12 °/° zur jährlichen Rente auszahlerc. Nach dem Tode der Eigenthümer braucht an die Erbten nur 6 °/o ausgegeben zu werden. Hierdurch hat die Gemeinde zwar den Bortheil, daß sie baares Geld zur Verfügung erhält, aber die jährlichen Zinsen, die jetzt zu 32,000 Piaster herangewachsen sind, lassen die Einrichtung beinahe bereuen. Die letzte Summe von unseren Ausgaben t'tffc die Kapitalschuld von 611,000 Piaster, die in Zeiten der Noch nach und nach von Türken und Christen ausgenommen werden mußten, und deren jährlicher Zins von 67,281 Piaster strengstens eingehakten werden muß. Gegen diese enormen Ausgaben findet sich die kleine Einnahme von 126,200 Piaster. So sieht es mit den Finanzen au£. Fehler auf Fehler sind von jeher auch von den Vorstehern gemacht worden hinsichtlich der Kollekten und Einnahme, die vom Okzident hereinströmten. Sie kennen ja trol auch die Lehren'sche Angelegenheit, die vor mehreren Jahren eine ganze Revolution hervorrieft Gegen den Cheirakter dieses Mannes laßt sich durchaus nichts Nachtheiliges sagen. Behüte 3 das ist ein Mann von felsenfester Frömmigkeit. Aber schwach ist er, wie andere Menschen, und geirrt hat er auch.wie andere Menschen, und et« Zelot ist er auch wie viele andere Menschen es sind, mb so hat er freilich Vieles nicht recht gemacht, und da er selbst getauscht wurde und gerne auf seine Partei geschworen hatte, wie tvkr Alle auf die Fahne des Juderithums schwören, so ist noch, mehr Unheil aus vielen seinec Einrichtungen erstanden.*) Dann aber kömmt der Uebelstand dazu, daß die jüdische Gemeinde in polnische, portugiesische, russischerc. eingetheilt wird, daß die portugiesische, welcher tot] Kurzem auch die echtdeutsche« sich anschloffen, 3/* 2 heile ausmachen und als die eing-ebürgertste und autorssirteste von dem muhamedanische« Staate einzig und allein betrachtet wird und alle Lasten allein tragen muß. — Das Geld, das von Europa und den anderen Welttheilen nach Palästina kommt, ist so vertheilt worden, daß in die portugiesische Gemeindekasse Nichts geflossen ist. Wol hat den || Theil, welcher v»« Deutschland kam, eine portugiesische Talmudschule bekommen. Das Uebri^e wurde an andere palästinensische Gemeinden geschickt i«Chebron, Liberias, Zafet. Jassir, Nablus, Chaipha, Zi-don, Zur und Akka haben noch ttie Unterstützung beansplmcht und ernähren sich kärglich durch Kleinhandel, Gewerbe und Ackerbau. Was von Rufland und Polen nach» Jerusalem alljährlich geschickt wird, bekommen nur ihre Landsleute. Es scheint ein Fluch Gottes zu sein, daß eS in der Stadt des Friedens jetzt nimmer zu einer Einigkeit kommen soll. Beständige Spaltungen zwischen den verschiedenen Gemeinden, Verluste durch neue Anleihen schwellen heran. Fortreißende *) In seinen Briefen hat sich der Verfasser neutral gehalten. Nie hat ec für oder gegen diese Angelegenheit ein Wort gesprochen, er war zu sehr Gelehrter, um sich in diese Handel zu mischen, und da es, wie er oft schriet, gar Nichts nütze, so gab er selbst auf allerlei Anfragen, die mein theurer Vader an ihn stellte, nur ausweichende Antwort. Doch wer durch die Zeilen lesen kann, der wird mit mir zu obigem Resultate gelangen, das wir nur als individuelle Ansicht ausgeben.

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