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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-01-20 · Heft 4 (20.1.1851) · p. Seite 44

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 4 (20.1.1851)
Date
1851-01-20
Page
Seite 44 (sequence 8)
Language
German
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44 weiß, woher dieser Wind weht; der gute Rath war zu ersparen. Der Rathgeber möge sich beruhigen, eine zweite Auflage der koliner Geschichte wird nicht stattfinden. Das Volk kennt die Wölfe, auch wenn sie in Schafpelzen einherschreiten. Die Juden Böhmens sind mündig, mündiger als es manchem Mitglied der Synode lieb sein dürfte. — In der erwähnten ersten Sitzung der Synode nach ihrer Vertagung wurde der neue Entwurf, der wiederum aus der Feder Kämpf's geflossen, vom Präsidenten verlesen. Darauf forderte dieser die Versammlung auf, sich nach der Reihe über den Entwurf zu äußern. Doch weit gefehlt; gewisse Leute waren nicht gesonnen, der Volkssache so mir Nichts dir Nichts den Sieg zu überlassen. Es erhob sich eine stürmische Opposition über Vorenthaltung des Entwurfs, Kürze der Zeit seit seiner Habhaftwerdung, — es regnete Phrasen, wie Heiligkeit des Gegenstandes, Verantwortlichkeit gegen die Nachwelt, — mit einem Wort — es war viel Gerede, aber wenig Sinn. Und um die Widerwärtigkeit des Zerrbildes zu vervollständigen, erhob sich einerseits ein Gejammer über erlittene Unbill, über unverdiente Kränkung, über grundlose Angriffe von Seiten der Presse, — und andererseits ein Schwall von Verdammungsworten über die „Schandpreffe" rc., die wol eine vox populi, aber keine vox Dei sei (also doch eine vox populi? — „gut gebrüllt, Löwe!"). Es stand zu befürchten, daß der Präsident dieses Gebühren einiger Dünkelhaften beim rechten Namen nennen würde; allein dieser Beamte ließ als gewiegter Staatsmann ruhig den sich überstürzenden Pathos sich verlieren. Und als Kämpf auf den Schluß der Debatte drang, und Landau sogar sein Mandat niederlegen wollte, da suchte er diese beiden Herren zu beschwichtigen und resumirte die Debatte auf den von einigen Mitgliedern unterstützten Antrag, die Beschlußfassung über den neuen Entwurf auf mehrere Tage hinauszuschieben. Kreisrabbiner Pick auö Teplitz sprach mit Nachdruck gegen diesen Antrag; er legte der Versammlung an's Herz, daß schon viel Zeit verloren gegangen, daß der Gegenstand genugsam gekannt sei, daß der neue Entwurf im Wesentlichen nur die früher anerkannten Prinzipien entwickele, daß mithin kein Grund vorhanden sei, die Beschlußfassung weiter hinauszuschieben. Dieser Ansicht schlossen sich sehr viele Mitglieder an. Für eine Vertagung nahm E. Wehli das Wort; er bat die Versammlung zu berücksichtigen, daß er den neuen Entwurf kaum 24 Stunden in Händen habe, daß er darum unmöglich schon jetzt ein Urtheil darüber fällen könne. In ähnlichem Sinne sprach auch Wessely und noch manch Anderer. Auch Landau meinte, daß es auf ein Paar Tage nicht mehr ankommen dürfe, will man anders den Gegenstand reiflich behandeln. Endlich erklärte Kämpf, daß er als Kommissionsmitglied und Abfasser, wenn auch nicht Verfasser, des neuen Entwurfs, einer Vertagung der Beschlußfassung schon darum nicht entgegen sein möchte, um nicht der Meinung Raum zu geben, als wolle er der Versammlung die Annahme des Entwurfs abnöthigen. Nachdem noch debattirt worden, ob die Sitzung bis zum 13. oder 14. d. vertagt werden sollte, entschied man sich für Letzteres. Und wiederum muß ich Sie hinsichtlich näherer Mittheilung auf später vertrösten. Prag, 13. Januar. (Privatmitth.) Bor Kurzem starb hier der einst so beliebte hebräische Stilist Wolf Meier in einem beinahe siebzigjährigen Alter; er war seit mehreren Jahren bereits bettlägerig, doch bis an sein Ende guten Humors. Sein ehemaliger Schwiegersohn, Herr M. Mislap, hat gegen ihn bis zu seinem letzten Athemzuge wie ein leiblicher Sohn gehandelt. Hätte die Leichenrede — die übrigens ein achtungswerther Rabbiner hielt — dieses Faktum zum Thema gehabt, sie würde für die Zuhörer erbaulicher gewesen sein, als eine unzeitige und total mißglückte Vertheidigung des gerichteten Entwurfs. — Von Rapaport erscheint mit Nächstem ein Theil seines seit Jahren druckfertigen Erech Milli n. — Die hiesige Tempelgemeinde, dieser Stern erster Größe am Himmel der Juden Oesterreichs, hat vor Kurzem eine Generalversammlung abgehalten. Nächstens, so Gott will, hierüber Ausführlicheres. — Der Verein für zinsloses Darleihen an arme Gewerbtreibende aller Konfessionen, hat gestern eine Versammlung abgehalten. Die Berichterstattung des Vorstandes — die Herren Meroves, Wahle und Stein — war eine übcraus'erfreuliche. Ueber 2008 fl. K. M. sind ausgeliehen, der Fonds ist im Wachsen begriffen, die Einzahlungen gehen mit der größten Pünktlichkeit vor sich. Um in der Thätigkeit des Vereins keinen Stillstand eintreten zu lassen, wurde der Antrag gestellt, die Ausschußmitglieder sollen der Kaffe Vorschüsse machen. Herr L. G. Bondy bot sogleich

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