Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 4 (20.1.1851)
- Date
- 1851-01-20
- Page
- Seite 43 (sequence 7)
- Language
- German
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43 seiner Gemeinde desavuirter Rabbiner ist, — der Andere möchte gern seinem Schwager — oder («in« Schwester — zu Brod verhelfen. Darum die weisen, echt handelsmäßigen Insinuationen in einem „brWmten Handelsblatt im Süden", die Regierung sm zu diesem oder jenem Schritt entschlossen. Freilich, die Regierung wird jenem Korrespondenzler im Vertrauen mittheilen, was sie beabsichtigt!!! — Dieser Schreckschuß war erfolglos. Die Gemeinden wissen, daß die Regierung das für die Gesammtheit Gute und Ersprießliche will; die Gemeinden wissen, daß die Regierung, die sonst ihr fremde Frage nur in die Hvnd genommen, weil sie von einigen gehaltlosen Jnldividuuen, Lokal- oder Kreisrabbiner genannt, um I»!«rvention bestürmt worden, — die Gemeinden wiffeti aber auch, daß die Regierung augenblicklich ihren Arm zurückziehen oder gar gegen die um Intervention An« suchenden wenden wird, wenn sie erfahren sollte, daß es sich nur um das Interesse Einzelner handelt. Wien, 9. Januar. Die „Wiener Zeitmg" bringt die finanzielle Gebahrung in allen Kronläii Hern im ersten Semester des Verwaltungsjahrcs 1859, d. i. vom 1. November 1849 bis Ende April 1850. In derselben findet sich immer die Rubrik „Judenstm«r" mit 19,942 Fl., allerdings mit dem tröstlichen Bei. wort in Parenthese „Rückstände". Prag, 8. Januar. Die jüdische Synode wird morgen ihre, durch die Weihnachtsferien unterbrochenen Sitzungen wieder beginnen. An dem neuen Entwürfe sind nachträglich noch Veränderungen angenommen worden, welche denselben praktischer macheri- Prag, 12. Januar. (Privatmitth.) DenS.d. um 9 Uhr Morgens hat die israelitische Synode im Sessionssaal der k. k. Statthalterei ihre Plenarsitzungen unter dem Präsidium des k. k. Statthaltereis,ckretärs Gutt wieder eröffnet. Es galt jetzt, den von der Kommission ausgearbeiteten Entwurf zu pmfen. Die Kommission hat bei ihren Arbeiten den Käiripfschen Entwurf zu Grunde gelegt, jedoch die uvilerdeffen eingelangten zwei Entwürfe, von E. Wehli und Rabbiner Frank, zu Rathe gezogen. Ueberhaupt waren die Sitzungen der Kommission so gut wie öffentlich; es wurden die Ansichten und Meinungen aller Einberufenen, aucb wcnn diese nicht in die engere Kommission gehörten, bereitwillig angehört und thunlichst berücksichtigt. Im Ganzen ist die Anschauung dieselbe geblieben, die bereits in No. 51 dieser Blatter mitgetheilt ist; im Einzelnen hat der Kämpfsche Entwurf Abänderungen erleiden müssen, theils weil die Kommission seitdem Gelegenheit gefunden, die Wünsche des Landes genauer kennen zu lernen, theils aber auch, weil manche Bestimmung in jenem Entwurf« als unausführbar oder als unzweckmäßig sich herausstellte. So hieß es darin, daß nur wo 100 beitragsfähige Israeliten beisammen wohnen, diese gehalten wären, eine selbstständige Kultusgemeinde zu bilden. Demnach, wandte man mit Recht ein, würden in Böhmen nur sehr wenige israelitische Gemeinden hierzu verpflichtet sein; die erforderliche Anzahl wurde daher auf 80 herabgesetzt. Ferner bestimmte der Kämpf'sche Entwurf, daß das Minimum des jährlichen Gehaltes eines Rabbinen 409 fl. K. M. sein soll; dagegen wurde geltend gemacht, daß es in Böhmen nur äußerst wenig jüdische Kultusgemeinden gebe, die dieser Forderung genügen könnten, — diese würden also keinen Rabbiner anstellen können. Das Minimum wurde demgemäß auf 309 fl. K. M. herabgesetzt u. s. w. — Dafür sind eine Menge neuer Bestimmungen in den Entwurf gekommen, um ihn möglichst zu vervollständigen. Er umfaßt jetzt 134 §§., die so ziemlich alle Verhältnisse einer jüdischen Kultusgcmeinde besprechen, wenn auch nicht erschöpfen. Man wollte den neuen Entwurf Anfangs durch die Zeitungen veröffentlichen, damit Alle seinen Inhalt kennen lernen und dadurch jedem faschen Gerüchte , in dieser Beziehung vorgcbeugt werde. Es wurde deshalb beim Präsidenten der Synode angefragt, der darauf sehr richtig bemerkte, daß es ungeziemend sei, ein Aktenstück, das man dem Ministerium zur Genehmigung vorlegcn wolle, zuvor durch die Zeitungen zu veröffentlichen, und so unterblieb die Publikation. Und da wegen der Feiertage auch keine Lithographirung schnell genug zu erzielen war, so mußte man sich für den Moment mit einer Vervielfältigung des Entwurfs durch Abschrift begnügen. Freilich ist dieser Umstand von gewisser Seite her schon ausgebeutet worden, und zwar in dem Sinne, als habe die Kommission absichtlich die Lithographirung unterlassen, um ihre Arbeit dem Auge des Volkes zu entziehen. Allein die Quelle dieser Insinuation ist auch „den Blinden in Genua" bekannt. Alle Welt