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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-01-20 · Heft 4 (20.1.1851) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 4 (20.1.1851)
Date
1851-01-20
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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38 Wenn 2 Mos. 5, 2. Pharao dem Mosche erwidert: „Wer ist der Ewige, auf dessen Stimme ich hören soll? ... Ich kenne den Ewigen nicht"... so können wir dies noch nicht als eine Gottesleugnung ansehen, da er diesen 'fi, Ln dessen Namen Mosche die Freilassung der Zbrim verlangte, als Gott der Jbrim gelten lasten konnte, mit dem er, der Egypter, aber in gar keiner Beziehung stehe. Man erinnere sich, daß die alten Völker den Glauben hatten, jedes Volk besitze seinen Gott. Pharao konnte also den egyptischen Gottheiten ein sehr ergebener Diener sein, ohne daß er darum diesem, ihm bis jetzt ganz unbekannten Gotte 'rt, der sich als» Gott der Jbrim verkündete, Achtung und Gehorsam, also damit Anerkennung schuldig zu sein, zu glauben brauchte. Die Wendung in V. 3. bestätigt dies zur Genüge, und die alten Kommentatoren nahmen dies ungefähr auch an, bezogen sich aber nicht mit vollem Rechte auf 1 Mos. 41, 38. 39. Die Tora spricht über ein Vergehen, das allerdings der Gottesleugnung sehr nahe steht, doch aber diese noch nicht involvirt, nämlich — die Gotteslästerung. Diese geht vielmehr immer vom Dasein Gottes aus, sieht aber Gott, in namenloser Verwirrung, als feindlich an. Jedermann kennt 2 Mos. 22, 27.: arm? bbpn ab wnba *ian ab „Gott lästere nicht, und einem Fürsten in deinem Volke fluche nicht." Man weiß auch, daß die Auslegung dieser Worte sehr verschieden ist; wir gestatten uns, die betreffenden Worte unsers Kommentars, Israel. Bibel I. S. 437, anzuführen: „a^ba nehmen die Einen, wie Midr., Raschi, Abacbanel als „Gott", Andere, wie schon Mechilth., Rabe, Raschbam als „Richter", Philo und Josephus gezwungen „man soll selbst fremden Göttern, Götzen nicht fluchen". Die Ersteren geben an, es stehe hier, um zu warnen, wegen der vorhergehenden Vorschriften Gott zu fluchen (?), die Anderen, daß, wenn ein Richter die Pfändung verordnen müsse, man ihm nicht fluche solle. Da übrigens das rnba bbp 3 Mos. 24, 10—16. geradezu als „Gott fluchen" besprochen wird, und a^tt» die Richter hinlänglich vertritt, ferner im vorhergehenden und nachfolgenden Verse Ojnri ■*b) von Gott die Rede ist, so ist ü^nba auch hier als „Gott" zu fassen, wofür folgende innere Gründe auch sprechen. Im Allgemeinen soll der Vers aussagen: jede höhere entscheidende Autorität, wenn sie nach den Umständen auch gegen die Wünsche eines Einzelnen verfügt, muß respektirt, und jede lästernde Aeußerung vermieden werden, a^nba vertritt hier das Gesetz, das von Gott ausgegangen, a'tö: die Entscheidung nach diesem Gesetze. Es liegt aber noch naher, die Sache so anzusehen. Das vorhergehende Gesetz spricht über die Armen. Gott ist das Verhängniß, von dem die Schicksale der Menschen vertheilt werden. Der Arme soll, selbst in dringenden, verzweiflungsvollen Lagen, sich nie gegen Gottes Verhängniß lästernd auflehnen. Wie dann a^S-tba hier das göttliche Verhängniß, so bezeichnet a^iöa den Träger des Gesetzes, der diesem gemäß entscheidet." — Den, hier schon erwähnten Fall einer Gotteslästerung 3 Mos. 24, 10. ff. und die darauf erfolgte Strafbestimmung näher zu erörtern, gehört nicht weiter hierher. Vgl. 1 Kön. 21, 10. — Die Gottesleugnung ist allerdings stets das Produkt einer schon spätem Zeit, einer mannigfaltigem Lebensentwickelung; der Mensch in der frühern Periode der Kindlichkeit, wo das Ursprüngliche, Unmittelbare noch vorwaltet, gelangt noch nicht dahin. So erscheinen uns die ersten wesentlichen Spuren der Gottesleugnung in den Psalmen. Der zehnte Psalm, der auf ein Gericht Gottes über die Frevler dringt, zeigt, daß diese in ihrer Straflosigkeit das Motiv finden, bis zur Gottesleugnung zu gelangen, wie sie zuerst die göttliche Vergeltung, dann Gott überhaupt leugnen. „Hochnäsig denkt der Frevler: ec ahndet nicht; es ist kein Gott, füllt seine Plane" (V. 4.). „Er spricht in seinem Herzen: Gott vergißt, verbirgt sein Antlitz, siehet nimmer" (SB. 11.). „Was höhne doch der Frevler Gottes, sprech' in seinem Herzen, du ahndest nicht" (V. 13.). Trefflich schildert der vierzehnte Psalm den Schmerz des Sängers über die unter den Menschen verbreitete Gottesleugnung und die aus dieser hervorgehende Lasterhaftigkeit. Es ist also nicht blos das wirkliche Vorhandensein der Gottesleugnung, sondern auch die mit dieser nothwendig verbundene Jmmoralitat, die durch dieselbe in dem großen Haufen bewirkte Sittenlosi'gkeit, welche der Psalm ausspricht. Die weite Verbreitung dieser geistigen Pest in dieser Zeit ist ebenfalls nicht zu verkennen, wenn auch natürlich Etwas von der poetischen Uebertreibung abzuziehen ist. Es ist bekannt, daß über die Ursprungszeit dieses Psalms viel gestritten ist. Wir haben in unsecm Bibelwerk III. S. 36 zur Evidenz zu bringen gesucht, daß die Ueberschrift im Rechte ist, welche ihn David zuschreibt, daß aber V. 7 aus der Bearbeitung unsers Ps. zur Zeit des Exils in Ps. 53 herübergekommen, und unpassend unserm Ps. zugefügt worden. Die Beweise lese man dort selbst nach. „In seinem Herzen spricht

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