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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-01-13 · Heft 3 (13.1.1851) · p. Seite 30

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 3 (13.1.1851)
Date
1851-01-13
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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30 lief) im Hause der Geistlichen der Antrag zurückgewiesen wird, ist sehr zweifelhaft. Schlimm ist cs schon, daß der Antrag nicht von der Regierung selbst ausgegangen ist. Der Antrag ist im Ritterhause von Liljenstolpe eingebracht, und geht dahin, daß den Juden dieselben Rechte, wie anderen, nicht zur lutherischen Staatskirche gehörenden, zugestanden werden. Die Schweiz. St. Gallen, 31. Dezember. (Privatmitth.) Gegen Ende des Jahres 1845 nahmen Sie einen Artikel aus der St. Galler Zeitung in Ihr geschätztes Blatt auf, welcher sich über die „Judenbeschränkungen" im Kanton St. Gallen bitter beschwerte. Wie sehr Sie und Alle der echten Humanität Huldigenden diese Nachricht betrüben mußte, ebenso sehr wird es Sie freuen zu vernehmen, daß es sich in St. Gallen in dieser Beziehung bedeutend gebessert hat. Eine Petition an den Großen Rath hat wenigstens so viel bewirkt, daß der Kleine Rath der Stadtbehörde (Gemeinderath von St. Gallen) die Befugniß eingeräumt hat, den sich hier aufhaltenden Juden, ohne weitere Fragen bei der Staatsbehörde über den Aufenthalt in hiesiger Stadt, Erleichterungen zu gewähren, insoweit der Gemeinderath dieses für zweckdienlich erachtet. Es hat nun diese Behörde seitdem auf loyale Weise nacheinander mehreren jüdischen Familien das Wohnrecht gestattet, so z. B. einer Familie aus Baiern, zwei Familien aus dem benachbarten Hohenems, zwei Familien aus dem Badischen, einer Familie aus Berlin, und zwei Familien aus Frankfurt am Main. Es ist zu hoffen, daß der immer vorschreitcnde Geist der Zeit die Vorurtheile gegen die Juden nach und j nach ganz verschwinden mache. Die in St. Gallen l wohnenden Familien zeichnen sich aber auch durch ihr j ruhiges und musterhaftes Familienleben, durch ihren Geschäftsfleiß, durch ihre Solidität und Rechtlichkeit rühmlich aus, so daß selbe bei allen Gebildeten und rechtlichen Bürgern St. Gallens die volle Anerkennung und Achtung genießen. Ebenso macht man die erfreuliche Bemerkung, daß auch bei den sich momentan hier aufhaltenden Juden ein reges moralisches Streben sich kund giebt. Dies ist die beste Waffe gegen die uralten Vorurtheile. Wir sind überzeugt, daß wenn die Gebildeteren des jüdischen Volkes auf die Masse durch gutes Beispiel wirken, die dicke Mauer der Intoleranz trotz dem Eifer der christlichen Zeloten nach und nach einstürzen wird, und daß der schöne talmudische Spruch, welcher bei Anlaß der Feierlichkeit zu Ehren des zum Kardinal erhobenen Erzbischofs von Köln, an der illuminirten Synagoge angebracht war, und der lautet: „die Frommen aller Nationen werden der Seligkeit theilhaft," in der Folge alle Gemüther erfassen und den gegenseitigen Glaubens- und Meinungshaß verdrängen wird. Kein Jude, aber ein Freund aller Guten aller Bekenntnisse. Amerika. San Franziska, im September. Die Gemeinde von San Franzisko (Kalifornien) ist definitiv konstituirt. Eine Generalversammlung der in dieser entfernten Wcltgegend vereinigten Israeliten ist am 1. September gehalten worden. Sie nahm entgegen und an den Bericht des in einer frühem Versammlung erwählten Komite's, und erwählte die Beamten der Gemeinde. Man miethet provisorisch ein sehr schönes Gebäude in einer der Hauptstraßen der Stadt zum Behuf des Gottesdienstes; die vorläufigen Kosten wurden auf dem Wege der Subskription gedeckt, und waren am Tage der Versammlung bereits 500 Dollars gezeichnet. Kingston (Jamaika), 25. Oktober. Ein außerordentlicher Gottesdienst wurde gestern in unseren beiden Synagogen (der englischen und deutschen) gefeiert, um die göttliche Barmherzigkeit anzuflehen, ein Ziel den schrecklichen Verheerungen zu setzen, welche die Cholera auf dieser Insel anrichtet. Der ehrwürdige Salomon Jakob, Prediger der Gemeinde, hielt eine Anrede, welche die Zuhörer über den traurigen Zustand der Bevölkerung von Port-Royal und einigen anderen benachbarten Ortschaften so bewegte, daß die darauf angestellte Kollekte sofort 50 L. St. (350 Thlr.) eintrug, und daß außerdem die Gemeinden sich verpflichteten, alle Bedürfnisse ihrer eigenen Armen zu befriedigen. (.4resi. isi°. de Fr.)

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