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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-01-06 · Heft 2 (6.1.1851) · p. Seite 16

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 2 (6.1.1851)
Date
1851-01-06
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16 das in einem alten Gebrauche aus, faule und versteckte Solawechsel als auf den Eckbrunnen gezogen zu bezeichnen, der dort am Dreiwege steht. Noch folgt zwar ein kleines Stück City, aber sein Charakter ist ein anderer; es ähnelt am Meisten jenen vorzugsweise von Juden bewohnten Kramvierteln alter deutscher Städte, gewöhnlich an demjenigen Thore, vor welchem sich die bevölkertste und ärmste Vorstadt befindet. So führt der Steinweg in Hamburg nach St. Pauli; so liegt die Judengasse in Frankfurt a. M. zwischen der Stadt und der alten östlichen Vorstadt, noch heute dem Wohnsitze der ärmeren Klassen; so bildet die Rosenstraße, das berliner Judenviertel, den Weg nach der alten spandauer Vorstadt, die jetzt ihre Rolle an das dahinter liegende Voigtland abgegeben hat, u. s. w. Auch die Gegend um Aldgate Highstreet herum ist wirklich das alte Judenviertcl der City, und noch heute spielen die Juden darin eine große Rolle.' Eine einmündende Straße heißt auch Jewrystreet. Die dahinter liegenden ehemaligen Cityvorstädte, gewöhnlich nach einer derselben unter dem Namen Whitechapel zusammengefaßt, sind aber ebenfalls die bevölkertsten und ärmsten, und genau das für London, was St. Pauli für Hamburg ist. Es ist das keine bedeutungslose Wiederholung desselben Verhältnisses. Wer mit geschichtlichem Sinn an gesellschaftliche Fragen geht, laßt sich solche Winke nicht verloren gehen. Die ökonomische Thätigkeit der Juden spielt ja ohnehin eine große Rolle in moderner Publizistik und eine noch größere im Volksbewußtsein; in England aber sind die dahin einschlagenden praktischen Fragen zum Abschluß gekommen, indem die den Juden gewährte volle Freiheit und Gleichstellung im bürgerlichen Leben, bei der nur noch das Recht parlamentarischer Vertretung eine mehr formell als materiell wichtige Ausnahme bildet, ausreichend Zeit hatte, um dafür an den Richterspruch des Resultats appelliren zu können. Wir finden die Thätigkcil der Juden im Mittelalter auf zwei Verkehrszweige beschränkt, auf das Geldgeschäft und auf den Trödel, den Handel mit gebrauchten Maaren; im größten Theile Europa's war das auch umgekehrt wahr: diese Verkehrszweige waren auf jüdische Thätigkeit beschränkt.* *) *) Diese Umkehrung ist nur darum wahr, weil ebenso wie die Juden von allen anderen Erwerbszweigen aus- Ein Verhältniß von tiefer geschichtlicher Bedeutung liegt dieser Thatsache zu Grunde. Die überlebenden Söhne einer vergangenen Kulturepoche, der semitischen, die ihren ökonomischen Höhepunkt in den punischen Handelsstädten, und speziell in Karthago, erreichte, ') übernahmen für eine werdende, für die germanische Kulturepoche, die dankenswerthe , Rolle, den irrthümlichen Eingriffen in die Freiheit der Arbeit und des Tausches, welche das germanische Volksbewußtsein bei den tastenden Versuchen auf seiner fortschreitenden Entwickelung durchzumachen hatte, stillwirkend das Gegengift zu bereiten, indem sie innerhalb der engen Sphäre, welche die Ausschließlichkeit ihnen verstattete und die der falsche Stolz ihnen verächtlich als Abfall hinwarf, der Freiheit wieder zu ihrem Rechte und zu segensreicher Wirkung verhalfen. 2) Lassen wir das Geldgeschäft, dem wir später wieder begegnen werden, vorläufig bei Seite, und halten wir uns allein an den Trödel. Jenen falschen Stolz, der ihn den Juden überließ, kennt ja unsre Zeit wol nicht mehr, und wenigstens für die Betrachtung wird doch Niemand scheuen, damit in Berührung zu kommen. Als alle Welt, die Juden ausgenommen, diese Berührung noch scheute, war nichtsdestoweniger das ausgedehnteste Bedürfniß nach Trödelvcrkehr vorhanden. Das beweist eben die Verbreitung von Judenschaften über ganz Europa. Die Juden machten ja den Trödclverkehr nicht; sie gingen nur hin, wo das Trödeln in der Natur der Verhältnisse lag, und wo sie davon leben konnten. Wir haben uns im Vorigen mit dem Satze beschäftigt, daß die Zunahme der Bevölkerung eine ihrer Grenzen in der Subsistenzgelegenheit finde. Jener Stolz, der den germageschlossen waren, sie auch im Geldgeschäft und Trödel privilegirt waren. *) Wie schön, bis zu Karthago hinaufzugehen, wahrend außer dem einzigen semitischen Zweig der Phönizier die semitischen Stämme mit dem Handel sich nicht beschäftigten, vom Untergange des phönizischen Handels bis zu der Zeit, wo byzantinische Unduldsamkeit die Juden aus der Gesellschaft, und germanische Spaltungs- und Privilegicnsucht aus dem Gewerbsleben aurschloß, ein Jahrtausend verflossen war, das die Anknüpfung unsers Skizzisten zu Schanden macht. *) Welch ein Jdeensprung, der Freiheit wurde zum Recht verholfen, weil der Jude dem Armen einen alten Rock verkaufen konnte.'

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