Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1851)
- Date
- 1851-01-06
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
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17 nischen Stämmen und den Völkern, denen sie ihre Kulturform einimpften, das Trödeln zuwider machte, und das trotzdem überall bestehende starke Bedürfniß nach Erödelverkehr steckte diese Grenze für die Vermehrung der jüdischen Bevölkerung recht weit. Es thut mir leid, auf die ganz dichterischen Phantasieen von der fatalistischen Unruhe des Ahasver, welche die Juden über die Welt verstreut haben soll, mit obligaten Nutzanwendungen der Bibel, das kalte Wasser ökonomischer Reflexion gießen zu müssen; aber ich kann mir nicht helfen, das Geheimniß der seltsamen Berstreuung und Ausbreitung des jüdischen Volkes schon während der Römerzeit und noch mehr in unserer Kulturperiode steckt hauptsächlich in der rein sittlichen Monopolisirung eines starken und nothwendigen Trödelverkehrs in ihrer Hand. *) Warum stark und nothwendig? Das beantworte irgend wer, der sich heut zu Tage einen alten Rock kauft. Er wird sagen: weil ein neuer für ihn zu theuer ist. Das war's; der Erödelverkehr war desto stärker, je theurer die neuen Röcke und je magerer die Börsen waren. In zurückliegender Zeit war das Handwerk noch nicht so vervollkommnet, ein Rock schwerer herzustellen und darum theurer, das liegt in der Natur der Sache; ,auch war, weil alle Produktion noch schwerer von Statten ging, die Welt ärmer, das liegt wieder in der Natur der Sache; aber es kommt noch rin Moment hinzu, das nicht in der Natur der Sache liegt, sondern aus dem menschlichen Grillenkasten kam, nämlich die geschlossene Zunft, welche die theueren Röcke noch theurer machen zu müssen glaubte, um dem „Handwerk einen goldnen Boden" zu schaffen, *) Eine Entdeckung führt immer zur andern. Der Trödel ist das Geheimniß der Berstreuung der Juden selbst schon zur Römerzeit. Da beim Fall Jerusalems durch TituS schon über die ganze damalige zivilisirte Welt Kolonieen von Juden verbreitet waren, so ist die, viele Jahrhunderte später eingetretene Beschränkung auf den Trödel daran Schuld! Die Vertreibung aus ihrem Vaterlande, die immerwährende Verfolgung, welche die Juden bald aus Osten nach Westen, bald aus dem Westen nach dem Osten trieb, bald aus diesem, bald in jenes Land hetzte, welche eine Anhäufung an einem Platze nirgends züließ, sondern sie zwang, in kleinen Gruppen über die Länder sich zu verbreiten — das zieht Alles nicht, die Juden gingen nur dahin, wo aus die Frage: braucht man dort alte Kleider? mit Jal geantwortet wurde! Welch' Unsinn! und welche die Anfertigung und den Verkauf von sehr viel neuen Röcken »verhinderte, damit die „Konkurrenz" nicht den Preis Herabdrücke und das Handwerk ruinire. Wunderbare Fügung! Muß der Zunftmeister, der den Rock von fremder Hand als seinen Feind ansieht und unerbittlich verfolgt, und dann endlich glaubt, sich auf dem goldne» Handwerksboden ruhig schlafen legen zu können, aus seiner eigenen Hände Werk sich einen neuen Feind er wachsen sehen! Seine eigenen Röcke, die undankbaren, da tauchen sie auf einmal auf dem Trödelmärkte a»f, billiger, als je ein Konkurrent die Waare Herstellen könnte, und auf welchen Titel hin soll er sie, beten Geburtsrecht unzweifelhaft, verbannen? Er schüttet den Kopf, aber er findet einen Trost. Das kaust doch Mn Bürger und Mann, der in seinen Schuhen steht — sagt er zu sich. Es ist für das Lumpengesindel draußen in der Vorstadt, die sich niemals einen neuen Rock kaufen können. Es ist keine Konkurrenz; laß de» Juden zusehen, was er von den Hungerleidern vcrdimen kann; für dich, einen zünftigen Meister, ist des doch zu schlecht, und am Ende kann das Gewürm h»ch nicht nackt umherlaufen, und der Jude will auch leben. * Das sah der M ister nicht, daß das Gesindel draußen in der Vorstadl, die Geachteten und Hinausgestoßenen ebenso gut ein Produkt seiner Ausschließlichkeit und privilegirten Stellung waren, als der wachsende Trödelverkehr, der für ihre Möblirung, ihre Bekleidung und ihr Bischen Putz sorgte, eine Folge seiner theueren Preise war. Das begriff er nicht, daß sie sehr wohl seine Kunden für neue Röcke hätten sein können, wenn sie nicht hinausgestoßen, sondern zu redlicher Arbeit zuge lassen, und seine Röcke ein klein wenig billiger wärm. Davon hatte er keine Ahnung, daß dann der vermehrte Absatz ihm doppelt und dreifach einbringen kömUe, was er am einzelnen Preise verlor, und daß daun das Handwerk zwar den goldenen Boden verließ, aber um die eiserne Bahn des Fortschrittes einzuschlagen, die dem Weber statt des Schiffchens eine Drmpfmaschine an die Hand giebt, mit der er in einen. Tage webt, wozu er sonst Monate verbrauchte. Er ahnte aber Luch nicht, daß seine Zeit einst ein Ende haben werde, und daß gerade der Stein, der für den Bau des allten Gewerbewesens als zu schlecht