Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 15 (1851)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1851)
- Date
- 1851-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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11 Gemeinde, um dessen Dank für den geleisteten Schutz zu empfangen. (!) Nicht genug aber mit diesem, forderte er von ihnen ein schriftliches Zeugniß, daß ihnen gar Nichts geschehen sei, am dasselbe den Konsuln vorzuzeigen. Niemand getraute sich ihn auf diese infame Lüge aufmerksam zu machen — obschon er mit seinen Augen das triefende Blut der Verwundeten sah — denn die Gewalt schreckte sie ab. Er befürchtete aber, das Zeugniß könnte vielleicht l>»ch zweideutig geschrieben werden, darum ließ er es voir seinem Schreiber ausfertigen, und sich nur 50 Goldstücke als Schreibgebühr entrichten. Die Vorsteher mußten es mit ihren Namen unterzeichnen. Doch Alle konnten rs nicht. Einem war es unmöglich, weil ihm der Arnr erst abgehauen wurde. 8) Nachtrag zur Bluitb eschuldigung der damaszener Juden. Das Jahr 5600 ist bekannt durch den schrecklichen Verdacht, womit die Julben in Damaskus beschuldigt worden sind den Pater Thomas, der plötzlich verschwand, ermordet zu haben, um sein Blut zum Pesachfeste zu gebrauchen. Das gebildete Europa ließ sich in den Zeitungen von der Tortur mb dem tyrannischen Wüthen des Serif Paschas geduldig ^erzählen, ohne daß ein gewaltiger Schrei des Entscheirs ausgestoßen wurde. Nur zweien Glaubensbrüdern, Einem in Paris, dem Andern in London, ging die Suche zu Herzen und sie reisten selbst an Ort und Stelle; die Sache wurde genauer untersucht, aber es konnte gnr Nichts entdeckt werden, doch die Juden wurden, nachdem sie kannibalisch behandelt worden, frei gegeben. 4 Jahre spater trug es sich in Alexandrien zu, daß ein christlicher Knabe, den man zuletzt in einem jüdischen Kuufladen sah, verschwand. Der Verdacht fiel abermals »uf die armen Juden. Die Christen standen gegen sie <utf, und hätten sie Alle ermordet, wenn Mahmud Ali Pascha sie nicht geschützt hatte. Den Juden gab er aber den strengen Auftrag, alles Mögliche aufzubieten, um ihre Unschuld an das Tageslicht zu fördern, damit es nicht gehe wie in Damaskus. Die Juden versprachen darnach dem eine große Summe Geldes, der eine Spur von dem Knaben auffände. Bald meldete sich, ein junger Christ, welchem, nachdem er den hohen Lohn der Entdeckung hörte, das Unglück der Unschuldigen zu Herzen ging. Er forderte einige Mann zur Begleitung, führte sie in ein griechisches Kloster und sagte, hiiec sei der Knabe von den frommen Vätern aufbewahrt. Es kostete aber viel List und Mühe den Knaben herauszulockken, und nachdem es dem jungen Christen durch eine Maue Rolle gelang, die ehrwürdigen Väter zu tauschen, wurde der Knabe ergriffen und den alexandrischen Juden ausgetiefert. Natürlich wurde die ganze Sache vom christlichen Klerus angestiftet, um die Juden zu verderben! Nachdem er nun den festgesetzten Preis erhalten, forderte er eine zehnfach größere Summe und versprach, den längst aufgespeisten Pater Thomas ihnen gesund und vuchlerhalten zu verschaffen! Aber siehe da, die Juden waren zufrieden aus der jetzigen Noch befreit worden zu sein, und wollten, unverantworrlicherweise, das Geschehene beruht sein lassen. Als ich dieses später erfuhr und mir alle Mühe gab, das große Geheimniß der Welt zu entdecken, so war es mir doch nicht möglich, erstlich weil ich zu weit entfernt war vom Schauplatze, zweitens war die Forderung des jungen Christen zu groß, der, weil er »immer sicher gewesen wäre vor den Verfolgungen der Heiligen, ein Kapital erhalten mußte, um in einem fremden Äsyle sein Leben zu fristen. 9) Der vergiftete Kaffee. Einige Jahre bevor Ali Pascha die Regierung antrat und die Araber in Jerusalem eine zügellose Gewalt unter den Juden ausüben konnten,;t>a geschah es, daß ein reicher Jude aus KonstantinopeL hierher wanderte. Das Geld verlockte die Bösewichter ihn zu verderben. Eines Tages tritt ein Muhamedaner von einem Beduinen begleitet, der zwei kohlenbetadene Kamele mit sich führte, in den Hof dieses Reichen und drängte ihm den Ankauf dieser vorzüglichen Kohlen auf» Der Jude lehnte dankbar die Zuvorkommenheit ab, aber der Muhamedaner verlangte immer weniger und es blieb ihm kein Ausweg, er mußte sie kaufen. Die Muhamedaner baten als treue Bürger mit Kaffee und Sorbet regalirt zu werden, was man ihnen nicht abschlug. Sie tranken und schmauchten ihre Pfeife dazu, unterhielten sich von gleichgiltigen Dingen, aber wehe, plötzlich siet der Beduine zu Boden und gab kein Zeichen des Lebens von sich. „Mörder", schrie wüthend der Muhamedaner, „Du hast den Kcrffee vergiftet, dieser Mord soll im Blute aller hiesigen Juden abgekühlt werden." Der Jude, überrascht von dem Unerwarteten, betheuerte weinend seine Unschuld, zumal er ja selbst von dem nämlichen Kaffee getrunken habe. „So war das Gift in der Taffe des Beduinen," tobte der Muhamedaner. Der Jude führte tausend Beweise seiner Unschuld und der Muhamedaner sprach endlich gerührt: „Lieber Freund, o wie bedauere ich Dich und Deine