Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-01-01 · Heft 1 (1.1.1851) · p. Seite 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 1 (1.1.1851)
Date
1851-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225714-3225716--11485-3241591
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

12 Brüder, denn gewiß, ihr fallet in die Hände der rächenden Glaubensgenossen. Ich will gerne alle Mittel anwenden, damit die Sache unentdeckt bleibe. Heute Abend schicke ich zwei Vertraute zu Dir, die sollen den Leichnam abhoten und beerdigen. Doch ist dazu eine große Summe nöthig, die Du aber gewiß entrichten wirst." Der bebende Jude war glücklich, als er hörte, die Sache handele sich nur um Geld, er gab es sogleich, der Muhamedaner ging befriedigt fort, bald darauf kamen zwei Beduinen mit einem großen Sack, steckten den Leichnam hinein, nahmen ihn auf die Schulter und gingen scheinbar in Angst und Schrecken. Kaum vom Hofe entfernt, sprang der Tode aus dem Sacke. Natürlich, daß der Jude den ganzen Betrug schon vorher sich dachte, denn der liegende Beduine sah gesund und frisch aus, aber sein Leben war ihm lieber, als daß er einen Streit angefangen hätte, der mit dem Schrecklichsten geendet hatte. 10) Der Gottesdienst der Aschkenasim bevor ihnen gestattet wurde eine Synagoge zu haben. In einem kleinen Studierzimmer, mit einer Gesetzesrolle versehen, hielten die zurückgekehrten Aschkenasim (v. o.) ihren Gottesdienst. Die Gesetzrolle hatte aber und mußte die Form eines großen Buches haben, da sie unentdeckt den Muhamedanern bleiben mußte. Der Hof mußte wahrend des Gottesdienstes geschlossen werden, und eine Wache besetzte ihn, wenn aus der Tora vorgelesen wurde. Dieses Alles scheint aber durch Unvorsichtigkeit den Muhamedanern bekannt worden zu sein und unverhofft, gerade wurde Gottes Wort vorgelesen, da pochte es an die Thüre des Hofes, und schnell wurde die Gesetzesrolle in ihre alte Form eines Buches zusammengelegt, und unter die übrigen Folianten gestellt. Nun öffnete man die Thüre, und die Muhamedaner wollten sich vom Vergehen der Juden überzeugen und die Gesetzesrolle suchen. Aber sie fanden keine „Asara Wilmat" („10 Worte", so nennen sie das Sepher Tora). „Warum war denn die Thüre geschlossen?" frugen die Beamten entrüstet. „Weil wir die frei herumlaufenden Hunde fürchten, die unsere Andacht durch ihr Gebell stören," entgegneten die Juden. Beschämt gingen die Muhamedaner hinweg. Die Thüre wurde wieder geschlossen und aus der Tora zu Ende gelesen. Am andern Tage kam der muhamedanische Grundeigenthümer des Studierzimmers und sagte: „Wir wissen wol, daß ihr eine Asara Wilmat in euerm Midras (Studierstube) habt, aber eine höhere Hand hat sie uns gestern unsichtbar gemacht. Gebet mir nun 1000 Piaster und ich sorge dafür, daß ihr nie mehr eine Untersuchung zu befürchten habt. Denn wenn ich als Eigenthümer mein Haus versündigen lasse, so werden die anderen Muhamedaner gewiß Nichts aushaben." Der Vorsteher gab ihm hierauf das Bakschis (Geschenk) und die Juden hatten Ruhe. Später wurde den Aschkenasim bekanntlich ein Ferman aus Konstantinopel, der ihnen erlaubte 5597 ihre uralte Synagoge aufzubauen. (Schluß folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l1/* Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petitschrift oder deren Raum so wie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Berlagshandlung. Die israelitische Gemeinde zu Neubukow in Mecklenburg Schwerin sucht zu Ostern 1851 einen Religionslehrer, der zugleich als Schächter und Vorbeter zu fungiren hat. Hiezu qualifiziere Individuen, die sich einer Prüfung des Rabbiner Herrn Dr. Einhorn zu Schwerin unterwerfen wollen, mögen sich in portofreier Zuschrift melden an den Vorstand der israelitischen Gemeinde zu Neub ukow. Für einen jungen Mann, der seine Lehrzeit überstanden und sich als Kommis weiter fortbilden will, ist bei uns eine Stelle vakant. — Auf dieselbe kann auch der Sohn aus einem Geschäftshause reflekliren, der sich im elterlichen Geschäfte Vorkenntnisse erworben hat und als Volontär eintreten will. Offerten erbitten franko Hamm in Westphalen. Gebrüder GersvN. Literarische Anzeige. In Baumgartners Buchhandlung zu Leipzig ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: S i l o n h eine Auswahl von Predigten. Kur Erbauung, so wie insonders zum Vorlesen in Synagogen, die des Redners ermangeln. Von Dr. Ludw. PyilippfvN, Rabbiner in Magdeburg und Redakteur der Allgem. Zeitung des Iudenthums. 2te Sammlung. 308 Seiten in gc. 8. Preis 1 Thlr. 10 Ngr. Die erste Sammlung kostet ebenfalls 1 Thlr. 10 Ngr. Druck von I. B. Hirschfeld in Leipzig.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.