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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-01-01 · Heft 1 (1.1.1851) · p. Seite 10

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 1 (1.1.1851)
Date
1851-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 derliche in Israels Lehre zeigt. Es wird daraus hervorgehen, daß wir bei jeder Umgestaltung des Kultus nicht minder als die Veränderung auch dieses Bleibende im Auge haben müssen, um das Wesen und den Kern unserer religiösen Lehre nicht anzutasten. Sie wird uns aber auch zweitens erweisen, daß eine solche Umänderung des Kultus nie plötzlich, nie in kürzester Zeit, nie mit einem Male und vollständig geschah, sondern sehr allmalig und nach und nach vor sich ging, und ein neugestalteter Kultus erst das Produkt von Jahrhunderten war. Nun kann allerdings nicht geleugnet werden, daß unsre Zeit eine schnellere ist, und ist die Veränderung des Geistes, der Richtung, der Stellung in den Juden unsrer Zeit selbst eine so rasch vollendete geworden, daß frühere Zeiten nicht ganz mit ihr verglichen werden und den Maßstab für unsre Zeit abgeben können. Allein so schnell, wie man gewöhnlich annimmt, ist diese Umbildung doch nicht geschehen, und kann heute schon gut ein ganzes Jahrhundert, von 1750 bis 1850, als die Zeit ihrer Entwickelung angenommen werden. Der Widerstand, den die Veränderung des Kultus gefunden hat und noch immer in großen Theilen der jüdischen Masse findet, muß nicht minder als ein Protest gegen plötzliche und völlige Umgestaltung angesehen werden. Ein Gewissenszwang darf ebenso wenig nach der einen, wie nach der andern Seite geübt werden; die Geschichte aber stellt uns gerade auf den Standpunkt, nicht Theile, sondern stets das Ganze im Auge zu haben. Lassen Sie mich, geehrte Zuhörer, nur noch zwei Bemerkungen machen, um dann mit frisch gespannten Segeln unsre Fahrt zu beginnen. Sie werden aus dem Vorhergehenden schon erkannt haben, daß ich hier „Kultus^ im engern Sinne als den „öffentlichen Gottesdienst" nehme. Im weitern Sinne umfaßt das Wort Alles, was als Ausdruck der religiösen Anschauung in irgend einer Form dient, und würde so gerade im Judenthum einen großen Theil des häuslichen und persönlichen Lebens eknschließen. Es würde uns dies aber so weit führen, daß die besondere Aufgabe dieser Vorträge dabei verloren ginge. Ferner: erwarten Sie in diesen Vorlesungen nicht etwa bedeutende, neue Resultate der Spezialforschung. Wir stützen uns vielmehr auf die bereits bekannten, vielfachen und gesicherten Ergebnisse der neuern Kritik. Vielmehr ist es uns darum zu thun, diese übersichtlich Ihnen vorzuführen, noch mehr aber die in den Kultussormen und deren Veränderungen liegenden Gedanken zur Klarheit zu bringen. (Fortsetzung folgt.) Mittheilungen aus dem Oriente. Aus dem noch ungedruckten Werke „Palästina's alte und neue Geographie, Geschichte und Kultur" Fragmente in Berichten und Briefen mitgetheitt von 8. (Fortsetzung.) 6) Das Urtheil. Ein Kaufmann in Jerusalem vertauschte einst einige Kisten Indigo bei einem andern Kaufmanns gegen Zucker. Doch bevor der Indigo abgeliefert wurde, stieg er sehr hoch im Preis und der unredliche Kaufmann wollte den Handel für nichtig erklären. Es kam die Sache vor Gericht. Doch schon vorher ging der Betrüger zum Kadi und versprach ihm einige Beutel, wenn er den Handel als nichtig erkläre. Das wirkte. An der bestimmten Tagesfahrt erschienen die Parteien, um das Urtheil des Richters anzuhören. Der Kadi vom hohen Pfühl aber sprach: Indigo ist blau und Zucker ist weiß, folglich kann zwischen entgegengesetzten Farben unmöglich ein Tausch stattsinden, und der Handel wurde für nichtig erklärt. 7) Das wahrhafte Zeugniß. Als der Pascha von Jerusalem im Jahre 5606 die Partei des Schech Abdal Rachmann von Chebron genommen und gegen dessen Brüder zu Felde zog (s. o. Chebron), wurde ihm von den Generalkonsuln sowol in Beiruti als von denen in Jerusalem strenge aufgetragen, die fremden Juden, die zu keiner Partei gehörten, nicht zu berühren und vielmehr Sorge zu tragen, daß ihnen nicht das Mindeste geschehe. Ec machte sich verbindlich, diesen Befehl zu wahren. Einige Tage vergingen, nachdem er gegen Chebron rückte, und hier in Jerusalem blieb man ohne Nachricht von dem Ausgange der Sache. Siehe da, da wurde uns eines Morgens, als wir auf der Straße waren, Geraubtes und Erbeutetes von den Aschkenasim zu Chebron, das wir als Solches leicht erkannten, vom Militär zum Kaufe geboten. Bald erfuhren wir das Traurige, daß Chebron in der Hand des Paschas wäre, und daß sein Militär die Juden ohne Ausnahme wie die ärgsten Feinde behandelt habe. Als ihre Wuth sich legte, erschien der hochherzige Pascha mit seiner ehrlichen Begleitung beim Vorstande der jüdischen

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