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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1851-01-01 · Heft 1 (1.1.1851) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
15 (1851)
Issue
Heft 1 (1.1.1851)
Date
1851-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 und Vorrecht im Staate, hat der Staat kaum ein Interesse, es an sich zu knüpfen durch äußerliche, straff gezogene Bande, und die völlige freie Bewegung ihm nicht zu überlassen. Dieses Freistehen, diese unbedingte Selbstständigkeit kann aber nichts anderes als Erschütterungen, die erst durchlebt, Kampfe, die erst durchrungen sein wollen, Hervorbringen. Da können die alten Formen des Gemeindelebens nicht mehr ausreichen, da müssen neue geschaffen werden, welche die beiden Momente — die Freiheit des Individuums und der Bestand des Verbandes — enthalten, vereinigen, tragen. Aber wie schwierig sind diese zu finden! Wie schwer arbeitet sich so Etwas heraus! Und diese Aufgabe in einer Zeit, wie die unfrige, wo so Vieles abgeschwächt, so Vieles abgestorben, so Vieles verblaßt ist! Und dennoch hoffen wir, daß das Feuer nur unter der Asche glimmt, das edle, herrliche Feuer der Liebe zur Religion, zu der religiösen Anschauung, welche in den Tiefen des Judenthums liegt! Ja, wir halten uns überzeugt, daß aller Orten, wenn die Frage erst unabweislich auf uns eindringt: wollt Ihr eine Gemeinde oder nicht? Männer erstehen, welche die Asche Hinwegräumen und die Kohlengluth zur Flamme anschüren. Ja, wir hoffen: gerade aus diesem Sturme auf die Gemeinde und ihren Bestand wird sich das neue Leben und seine Gestaltung am Ehesten herausarbeiten. Die Frage tritt jetzt an jedes Individuum. Jeder Einzelne muß sich die Frage beantworten: willst du, oder willst du nicht? was willst du überhaupt? Da hört denn die Scheinexistenz auf; da mögen denn viele welke Blätter abfallen; da muß Entscheidung kommen, und Entscheidung ist der Bote der Gesundheit, ist die Taube des Friedens. Aus der Frage an die Einzelnen wird auch die Begeisterung der Einzelnen, die lebendige Theilnahme der Einzelnen ersprießen: diese Frage ist der moderne Mosesstab, der in den Wüsten an die Felsen schlägt, um den Quell des Lebens zu wecken. Nur das Eine wollen wir hier bemerken: ist die Gemeinde auf die Einzelnen angewiesen, so muß sie auch die Theilnahme aller Einzelnen zur Grundlage ihrer neuen Form machen. Die jüdische Gemeinde kann nicht anders bestehen, als die größere in: Vorstand, Repräsentanten und Gemeindeversammlung, die kleinere in: Vorstand und Gemeindeversammlung. Ohne Letztere kann auch die. größte nicht bestehen. Vergebens wird jede andere Form nach nachhaltiger Kraft ringen; die Gemeindeversammlung allein kann die Gemeinde lebendig erhalten. Man blättere diese Zeitung durch: vor Jahren haben wir dies schon vorausgesagt. Inwiefern und wie nun die einzelne Gemeinde sich eingliedere in die große Gemeinde des Landes, dies ist eine zweite Frage. So wenig wie jetzt die Gemeinde der Gemeindeversammlung entbehren kann, so wenig jetzt noch ein autokratischer Vorstand möglich ist: ebenso wenig kann auf die Lange eine autonomische Einzelgemeinde bestehen, sie muß sich eingliedern einer großen Landesgemeinde, damit das Leben ein- und ausströme und einen regelmäßigen Kreislauf habe im Großen und Kleinen. Dies sind jetzt die Hauptfragen im Judenthume, und deren Lösung muß angestrebt werden. Dazu muß Eifer und Anstrengung erwachen. Und wir hoffen daraus. Auf was Edleres und Jnhaltreicheres könnte sich jetzt auch die Aufmerksamkeit richten, als auf tüchtigen Ausbau seines religiösen Hauses? Je mehr der Geist von der unerquicklichen Politik des Tages sich abwendet, desto willkommner muß der Eingang in die Religionsgenossenschaft sein, da zu wirken, da seiner bewußt zu werden. Es giebt nur zween Dinge, deren Jnrereffe niemals an den Tag und an die Stimmung gebunden ist: die Religion und die Wissenschaft. Die Letztere ist nicht Jedermanns Sache, aber die Religion — ist die heiligste Angelegenheit Jedes, ohne Ausnahme! Lieber Leser, darum wende ich mich an Dich. Laß uns auch in diesem Jahre eifrig zusammenstreben. Du weißt: unser Blatt ist so beschaffen, daß Leser und Redakteur immerfort im lebendigsten Verkehre sind und sein müssen; heute Leser, morgen Mitarbeiter. Lieber Leser, Du mußt Propaganda machen für die gute Sache des Judenthums, werben und werben, ermuntern, aneifern, vor Allem aber mit edlem Beispiel vorangehen. Du weißt, Israel hat nie unter den Bekennern anderer Religionen Anhänger gesucht, aber desto mehr bedurfte es des Lebens und der Begeisterung in den Seinkgen. So lasset uns unsre Fahne vorantragen, und ihre Inschrift in unsere Herzen schreiben! Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 23. Dezember. (Privatmitth.) Wenn Sie in einer ftühern Nummer dieser Zeitung sich dahin aussprachen, daß die Extreme sich abzuschleifen

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