Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1850)
- Date
- 1850-12-23
- Page
- Seite 715 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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715 kandidaten zu prüfen; die Prüfung ist öffentlich. — §. 53. Ohne Begutachtung sämmtlicher Rabbiner und Vorstände rines Kreises und Genehmigung der Regierung darf innerhelb desselben keine neue Kultusgemeinde gegründet werden. §. 54. Die einzelnen Kultusgemeinden erhalten die Rechte moralischer Personen. Nachdem der Präsident diesen Entwurf verlesen hatte, sprach er sich sehr zu Gunsten desselben aus, erklärte sich mit den Grundprinzipien desselben vollkommen einverstanden, empfahl ihn der Versammlung nachdrücklich und forderte dieselbe auf, zur Wahl eines engem A»Sschuffes von 7 Personen zu schreiten, der die vorliegenden oder noch einlaufenden Entwürfe prüfen, oder endlich selbst einen ausarbeiten soll. Darauf wird vom Kreisrabbiner Elbogen der Antrag gestellt, die Versammlung möge sich erst über die Prinzipien einer- Entwurfes verständigen, ehe sie zur Wahl eines enzern Ausschusses schreitet. Diesen Antrag sucht Landau dadurch zu erledigen, indem er beantragt, es möge über die fünf negativen Prinzipien, die a» der Spitze des Kämpf'schen Entwurfes stehen, abgestimmt werden. Dies geschieht, und die fraglich m Prinzipien werden fast einstimmig angenommen. Hiermit will sich E. Wehli jedoch noch nicht begriigen; er verlangt, es solle auch ein positives Prinzip ausgesprochen werden, nämlich, daß die Gemeinde autonom sei. Landau pflichtet dem bei. Wessely sucht Wehli's Worte näher zu erklären. Kämpf schließt sich Wehli's Antrag zwar ca, meint aber, daß der Ausdruck „die Gemeinde sei «ntonom" ein zweischneidig Schwert sei; es frage sich nämlich, ob hierunter der Ausschuß oder die Gesa mmt heit zu verstehen sei. Faktisch sei die Gemeinde bereits autonom, kommt aber dieser Satz in die Verfassung, so unterliege er einer willkürlichen Deut»ng, was namentlich in kleineren Gemeinden, wo die Ausschüsse nicht immer aus erleuchteten Personen bestehen, für den Frieden bedenklich werden könnte. Mit dieser Meinung erklärt sich Rapap ort vollkommen einverstanden; er weist auf die Gefahr hin, die ein solch vieldeutiger Satz mit sich führt. Die Gemeinde in ihrer Gesammtheit will er gern für autonom anerkennen, doch nicht in ihrem Ausschüsse. — Endlich erklärt der Präsident selbst, daß der fragliche Satz noch keineswegs genüge, indem er noch immer R»um für Mißverständnisse zuließe; übrigens bürge schon §. 1 der Märzverfassung für die Selbstständigkeit der Gemeinden in ihren reliz lösen Angelegenheiten. Und so wurde endlich zur Wecht des engern Ausschusses geschritten. Von 23 abgegebenen Stimmen erhielt Landau 20, Büschützky aus Brandeis 18, Kämpf 17, Kreisrabbiner pick, Kreisrabbiner Elbogen undBondi aus Eger zwischen 15 und 10, endlich Rapaport und Wessely jeder 9. Als es nun zwischen diesen Beiden zum Loosen kommen sollte, da trat Wessely fremillig zurück, und Rapoport kam in den engern Ausschuß. Ich muß hier nochmals auf die Haltung des Herrn Präsidenten zurückkommen, der an die Sache eine Hingebung bekundet, die wahrhaft bewundernswürdig ist. — Heute war bereits die erste Sitzung des engern Ausschusses, von allen Seiten gab sich eine überaus freisinnige Anschauung kund, ja, Einige wollen in dieser Richtung sogar noch über den Kämpf schen Entwurf hinausgehen. Am Heftigsten dürfte die Debatte bei der Seminarfrage werden. Der erwähnte Entwurf läßt diese Frage unberührt, wahrschnnlich um des Friedens willen; und doch ist gerade dieser Gegenstand eine Lebensfrage für unsere religiöse Zukunft. — So viel für heute; ich hoffe bald in den Stand gesetzt zu sein, Näheres berichten zu kennen. Bis dahin Gott befohlen! Belletristisches. Driefe und Spaziergänge eines indischen Studenten. (Schluß aus No. 45. 46. 47. 49.) 11. Ich habe das erste halbe Jahr meiner Studim mit einer kleinen Fußwanderung beschlossen, und mag die kleinen Begebenheiten derselben, und welche Gedanken mich auf ihr beschäftigten, aufs Papier bringen. Welche Reize, sein Bündel zu schnüren, n'nigen Mundvorrath zusammenzupacken, den Wanderstab Mrcchtzustellen, sich niederzulegen, um recht früh aufzustehen — namentlich wo wenig Abschied zu nehmen, oder doch Keiner, der Einem das Herz zerreiß. Da meine Pilgerung mich nur auf einem ziemlichen Umwege in die inütterliche Hütte bringen soll, die Universitätsfreunde ab«c nach