Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1850)
- Date
- 1850-12-23
- Page
- Seite 712 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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712 fließe! Nehmet dies wohl wahr, Ihr Alle, die Ihr berufen seid, es daran nicht mangeln zu lassen! Posen, im Dezember. (Privatmitth.) Die hiesige „israelitische Brüdergemeinde", welche einen verbesserten Gottesdienst und einen beredten und begeisterten Prediger in Herrn vr. Goldstein hat, hat sich jetzt von der alten Gemeinde völlig getrennt und zu einer besondern Gemeinde konstituirt, die sich bereits ihr Statut entworfen hat, das eine regelmäßige Verwaltung in Vorstand und Kuratorium schafft. Sie hat bereits Schritte gethan, einen eignen Tempel zu bauen, und hat sich, um allen Schikanen zu entgehen, einen eignen bma engagirt. Die Trennung bringt natürlich auch wieder einen engem Anschluß der Andersgesinnten an die alte Gemeinde und deren Rabbinen, Herrn Eg er zuwege, und wirkt vielleicht so auch belebend auf diese. Leipzig, 12. Dezember. (Privatmilth.) So ist es denn mit der Gleichstellung der Israeliten in Sachsen vorerst wieder Nichts, die erste Kammer hat den dessallsigen Aenderungsantrag der Verfassung abgelehnt. Oesterreichischer Kaiferstaat. Wien, 10. Dezember. Die Wiener Zeitung meldet: Vorgestern Nachmittag wurde im israelitischen Bethause der erste sonntägliche Gottesdienst für die zahlreichen Handwerkslehrlinge jüdischer Konfession abgehalten, denen ihre Beschäftigung cs nicht gestattet, den gewöhnlichen Rcligionsübungen an Samstagen beizuwohnen. Nachdem Oberkantor Sulzer die üblichen Gebete gesprochen, wurde ein der Feier des Tages angemessener Choral unter Musikbekleitung in deutscher Sprache gesungen. Herr Religionslehrer Breuer setzte hierauf in einer Exhorte die Bedeutung dieses zum ersten Male an Sonntagen stattsindenden Gottesdienstes auseinander. Gebet und Choral beschlossen die Zeremonie, die an jedem Sonntagnachmittag wiederholt werden soll. —. Der „Lloyd" theilt mit: Der hiesige Oberkantor der Israeliten, Professor Sulzer, beabsichtigt vom neuen Jahre an eine „Musikalische Kultuszeitschrift" herauszugeben, welche sich die Aufgabe stellt, den Sinn für jüdische Kirchenmusik zu fördern. —. Aus Dora schreibt man der Krönst. Ztg. von einem Vorhaben der h. Staatsverwaltung, welches dem Vernehmen nach darin besteht, daß ein großer Thcil der galizischen Juden schon im nächsten Frühjahre auf separirte, blos aus Juden zusammengesetzte Kolonien nach den ungarischen anbaufähigen Puszten, unter Beigebung ökonomischer Instrukteurs, versetzt werden soll; das Ergebniß der jetzt im Zuge begriffenen Konskription soll den Maßstab hiezu liefern. Prag, 10. Dezember. Ueber der Anschlußfrage der Josephs- (Juden-) Stadt an die Stadtgemeinde schwebt ein eignes Geschick — sie ist abermals auf zwei Monate vertagt. Diese Vertagung, welche diesmal vom Bürgermeister beantragt wurde, soll zur genauen und unparteiischen Prüfung der beiden früheren Anschlußopcrate durch eine dritte und so Gott will auch letzte Kommission aus der Mitte des Kollegiums dienen. Man glaubte diese Konzession jenem Theile der Bevölkerung machen zu müssen, welcher durch Naivetät oder Kunst über das Wesen dieser Frage in Jrrthümern befangen, zur Vermeidung aller künftigen Zerwürfnisse und Wühlereien erst gehörig aufgeklärt werden soll, daß das Kollegium nicht das Ob, sondern das Wie des Anschlusses zu entscheiden habe, und daß die Entscheidung selbst die bestehenden gewerbspolizeilichen Gesetze durchaus nicht aufheben oder irgendwie beeinträchtigen werde. Dabei soll es jedem Bürger der Stadt und Josephstadt unbenommen bleiben, seine allenfallsigen Einwendungen und Bedenken gegen den beantragten Modus bei der Kommission einzubringen, welche darauf die gehörige Rücksicht nehmen wird. Wie schnlichst wir auch gewünscht hätten, daß die odiose Frage endlich einmal zu Ende geführt, und jede weitere Vertagung derselben unnöthig geworden wäre; so wollen wir die Vertagung dennoch in diesem Augenblicke, wo Vorurtheile und Mißverständnisse den klaren Blick Vieler getrübt und schädlichen Gährungsstoff gehäuft haben, als gerechtfertigt und als ein Opfer — auf den Altar der bürgerlichen Eintracht hinterlegt — anerkennen und uns damit zufrieden geben. Prag, 15. Dezember. Eine Privatmitth. in No. 50 setzte uns in den Stand, aus dem Entwürfe einer Kultusgemeindeordnung für die Israeliten Böhmens mehrere Paragraphen mitzutheilen. Die Konst.