Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1850)
- Date
- 1850-12-23
- Page
- Seite 711 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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711 Durch diese nothwent lge Einrichtung hat sich die gewöhnliche Gleichgiltigkeit der jüdischen Kinder gegen den Religionsunterricht gänzlich verloren. Der jüdische Lehrer arbeitet mit mehr Lusi und Liebe im Weinberge des Herrn, da auch die christlichen Lehrer dem jüdischen Kinde zurufen: rtf-i S nam!! Bei den vortrefflichen Unterrichtsanstalten hieselbst, wozu das berühmte See- und Soolbad Vieles Erträgt, läßt sich erwarten, daß auch auswärtige Elter« von der günstigen Gelegenheit, die sich hier für die Ec-ziehung ihrer Kinder darbietet, Gebrauch wachen werden. Nehmen Sie, Verehrtester Menschenfreund! in die Zahl der Vielen, die Ihnen für Ihr etkles und unermüdliches Streben unfern Glauben zu heben roipbi zu innigem Danke verpflichtet Pnd, auch mich auf, der sich stets im Gefühl der größten Hochachtung nennen wird H. Lesser, Rabbinati^erwalter der hiesigen Gemeinde. Zeitung snachrichten. Deutschland. Berlin, im D!,j«mber. Der im Jahre 1833 gestiftete Frauenverein für israelitische Waisenmädchen und Rekonvaleszenten, wird in diesem Jahre, wie in früheren, zur Weihnachtszeit eine Weihnachtsausstellung von Handarbeileri und anderen Gegenständen, zum Besten der gedachten Bedürftigen verkäuflich, veranstalten. Möge die Betheiligung daran allen Wohlwollenden bestens empfohlen sein. — Der Verein hat in den 17 Jahren seines Bestehens sieben Mädchen so weit herangebildet, daß sie mit den für ihren Lebenslauf nöltzigen Fähigkeiten ausgestattct, entlassen werden konnven. Ein achtes wird im Sommer 1851 dieses Ziel erreicht haben. Diese Kinder haben meist vom 5ter bis löten Jahre ihre Erziehung durch den Verein erhalten. Außerdem sind viele Kranke mit Stärkungen versitz m worden. — Die Bilanz pro 1849 erzieht den Befand von 950 Thlr. eingerechnet 1719 Thlr. Einnahni«, und 723 Thlr. Ausgabe, so daß ein fernerer Bestand von 996 Thlr. verbleibt. Die Pension für sechK Waisen hat für das Jahr 1849 573 Thlr. betragen. Berlin, im Dezember. (Privatmitth.) Die jüngsten Vorgänge «in politischen Horizonte find zu wichtig, um nicht auch in diesen Blattern einige Erwägung herbeizuführen; nicht von irgend einem politischen Parteistandpunkte, sondern von dem objektiven der Verhältnisse. Indem der Kultus- und Unterrichtsminister Ladenberg aus dem Ministerium geschieden, dieser aber in seinem Ausscheiden als der äußersten Rechten der liberalen Partei angehörig angesehen werden muß, kann seine Stelle gar nicht von einem Liberalcrn, sondern nur aus der vollen äußersten Rechten ersetzt werden. Wir haben daher als Kultus- und Unterrichtsminister nur einen kirchlich-orthodoxen Mann zu erwarten; und auch der Entwurf des Schul- und Unterrichtsgesetzes, wie er von Ladenberg nach so vielen Berathungen verfaßt ist, fällt mit ihm. Mag nun dieser, so viel oder so wenig Günstiges für uns enthalten haben, wir können nur um so sorgenschwerer in die Zukunft blicken und der Dinge harren, die da kommen; wir müssen aber auch um so fester an uns halten, um in jedem Nothfall gerüstet zu sein. Unsere Glaubensgenossen haben in den letzten Jahren eine angemesine Zurückhaltung gezeigt, sie haben, so viel ihnen auch auf dem Herzen gelegen, sich nirgends geäußert, sondern abgewartet, was man bringen werde. Sie haben, während ihre inneren Verhältnisse ganz ihnen selbst überlassen sind, wacker gestrebt, sie aller Orten zu konsolidiren, und sind an nicht wenigen zu gutem Ziele gekommen. Aber anders müßte es sein, wenn wieder von außen auf ihre Verhältnisse influirt werden sollte: dann müßten ein gemeinsames Streben, ein Zusammenwirken, Gesammterörterungen, Gesammtvorstellungen, oder doch gleichzeitige aus allen Theilen des Vaterlandes ftattsinden. Hierzu halte sich Jeder bereit; hierzu muß namentlich die Allg. Ztg. des Judenthums energisch wirken; und so können auch wir unsrerseits nur wünschen, daß dieses Blatt allseitig unterstützt werde. Wenn nur jede Gemeinde ein Exemplar für ihren Vorstand hielte, wenn nur jeder Rabbine oder Lehrer sich bemühcte, für einige Exemplare zum Zirkuliren Theilnehmer in seiner Gemeinde zu suchen, so würde dieses Blatt bald seine alte, durch die Ungunst der Zcitverhältnisse beeinträchtigte Stellung wieder einnehmen. Wir halten dies aber für ein unumgängliches Bedürfniß gerade in unsrer Zeit. Die Thoren, die da glauben, die Zeit der Gefahr sei vorüber! Wir brauchen mehr als je gemeinsame Mittheilungen, mehr als je eine Quelle, aus der immer frisch das Interesse, die Begeisterung 52*