Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 52 (23.12.1850)
- Date
- 1850-12-23
- Page
- Seite 710 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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710 Ist drum der Geist, der schaffende, erstorben? Die Lebenskraft, die fröhliche, erdrückt? Dereinst ersteht sie leuchtend, und beglückt Was in der dunkeln Nacht um sie geworben. Wenn sich der Winter auf das Haupt gesenkt, Den Blick verdunkelt und den Schritt beengt. Den Rücken beugt. Die Stirn zur Erde neigt: Ist drum der Geist, der denkende, geschwunden? Schlagt nicht das Herz mehr in des Busens Raum? Dereinst ersteht er leuchtend, überwunden Fallt ab die Fessel, weicht der düstre Traum! Wenn sich der Winter um die Menschheit wand, Und all ihr Leben tausendfältig band — Die Stimme schweigt, Der Fuß, der kühne, schleicht — Ist drum der Geist, der strebende, vernichtet? Erstarrt das Herz, das zu den Sternen dringt? Dereinst ersteht sie leuchtend, plötzlich richtet Sie sich voll Riesenkraft empor, verjüngt! Leitender Artikel. Magdeburg, 16. Dezember. Für die verunglückten Israeliten in Friedrichsstadt (Schleswig - Holstein) sind ferner eingegangcn: von Herrn D. M. Davidson in Dörverden 2 Thlr.; von der Gemeinde zu Kronheim durch Herrn Lehrer Schweizer 7 Fl. 40 Kr. d. i. 4 Thlr. 12*/2 Sgr.; durch den Synagogenvorstand zu Gleicherwiesen im Herzogthum Sachsen-Meiningen von dieser Gemeinde so wie von der Gemeinde Simmershausen zusammen 10 Thlr. Von der Gemeinde zu Kolberg durch den Rabbinalsverweser Herrn Lesser: 9 Thlr. Bestand der ganzen Sammlung: 68 Thlr. 12*/2 Sgr. Der letztere Herr Sammler sandte uns folgendes Schreiben mit dem Gesuch, es abdrucken zu laffen. Kolb erg, den 12. Dezember 1850. Aus den Spalten Ihres, die heiligsten Interessen der leidenden Menschheit mit Geist und Herz vertretenden Blattes, habe ich mit innigster Rührung die jammervolle Lage unserer Glaubensbrüder in Friedrichsstadt ersehen und mich dadurch aufgefordert gefühlt, auch meinerseits Etwas — wenn auch nur einen kleinen Balsamtropfen — zur Linderung dieser Unglücklichen, die gleich unseren Vorfahren so oft das 82*0 ■’pb schmerzlich empfunden haben, beizutragen. Nach einer öffentlichen Ansprache an meine Gemeinde am vergangnen Sabbat veranstaltete ich eine Sammlung milder Gaben für die nothleidenden Brüder in Friedrichsstadt, wobei trotz der der Gemeinde nur schwach zu Gebote stehenden und in Anspruch genommenen Kräfte 9 Thaler gesammelt wurden. Sie wollen die Güte haben diese Summe zur weitern Uebermachung an Ort und Stelle in Empfang zu nehmen. Meine Gemeinde hier hat es sich zum Grundsätze gemacht: ‘im nDrr S ^122 und ü* n2b 82LN1 weniger durch viele und schöne, weithin schallende Worte, als vielmehr durch ruhige aber ernste und kräftige That zu wirken. Wenn auch nur 22 Mitglieder stark, erwarb sie sich in einem Zeiträume von sieben Jahren, durch die rastlosen, angestrengten Bemühungen aller derjenigen Kräfte, welche geistig und materiell dabei mitwirkten, eine prachtvolle, der geweihten Stätte des Herrn würdige und angemessene Synagoge in der Hauptstraße unserer Stadt, ein Gemeinde- und Schulhaus, ein zweckmäßiges Frauenbad, einen sehr schönen Leichenwagen mit Behang und Decken, auch der Friedhof wurde vergrößert und zweckmäßig eingerichtet. Und wie sie für die äußeren Bedürfnisse gesorgt, so auch für den Geist — für die Religion. Das Lehramt wurde vom Kantor- und Schächterdienst getrennt, deutsche Predigten, Trauungen, Konfirmation, die braunschweiger Agende und Ehoralgesange in der Synagoge eingeführt, so daß unser Gottesdienst auch auf die Gemürher vieler christlichen Einwohner, die häufig unser Gotteshaus besuchen, großen Eindruck macht. Auch eine Religionsschule geht mit der Synagoge Hand in Hand, jene liefert alle Materialen zur Verherrlichung und Verschönerung dieser. Nach freundschaftlicher Verabredung mit dem so sehr humanen Direktor des hiesigen Realgymnasiums vr. Brennecke wird auch der jüdische Religionsunterricht in seiner Anstalt genau und disziplinarisch beaufsichtigt, mit Strenge auf den regelmäßigen Besuch der von mir festgesetzten Stunden gehalten, und müssen die jüdischen Realschüler ein von mir ausgestelltes Urtheil über sie für die Religion, als Beitrag zur vierteljährlichen Zensur mitbringen.