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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-12-16 · Heft 51 (16.12.1850) · p. Seite 703

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 51 (16.12.1850)
Date
1850-12-16
Page
Seite 703 (sequence 11)
Language
German
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703 tretenen Gnade nkn'ttheilen zu wollen. Ja, mein Sohn, . versetzte der Fürst, ich muß Dir eine sonderbare Geschichte! erzählen. Wisse, daß dieses mein Reich schon lange unter; einem mächtigen aber unbekannten König stehet. Alle drei Jahre kommen einige riesenartige Personen als dessen Abgesandte, um den festgesetzten Tribut für ihn zu holen. Vor 25 Jahren aber kamen meine Rathe auf den Gedanken, die große Abgabe zu verweigern, und jene Boten künftighin leer fortzuschicken. So geschah es auch, wir sagten ihnen, daß wir der alten Sitte überdrüssig seien und von nun an Nichts mehr bezahlen würden. Sie hörten es ruhig mit an, zogen fort, und wir hielten die Sache für abgemacht. Nach fünf Monden erfuhr ich, daß eine ungeheure Kriegsmacht von Riesen sich unserm Lande nähere, und bald vermuthete ich, daß es jener mächtige König sein müsse, gegen den wir uns thörichterweise empörten. So war es auch, immer naher kam das Heer, bald lagerte es vor unserer Hauptstadt und leicht wäre I es ihnen gewesen uns Alle zu verderben. Da entschloß ich mich, weil Gegenwehr Tollkühnheit gewesen wäre, durch schnelle Ergebenheit mich und mein Volk zu retten. Ich und meine Großen zogen ihnen in Sacke gehüllt, mit Stricken das Haupt umwunden, entgegen, sielen zu den Füßen des Fürsten und fleheten um Schonung, mit dem Schwure, fernerhin unsere Schuld pünktlich zu entrichten. Und so mächtig sie waren, so gefühlvoll und edel waren sie auch. Gerührt durch unsere Unterwürfigkeit versicherten sie uns ihrer Gnade, und nur zur Strafe für unsern Fehler, und weil das Heer einen so beschwerlichen Kriegszug unternehmen mußte, wurde die Steuer auf das Doppelte erhöht. Sie zogen ab, und noch heute entrichten wir gern den hohen Tribut. Als Du nun, mein Sohn, entkleidet wurdest, bemerkte ich über Deinem Hemde ein Kleidungsstück mit vielen dünnen Faden welches wir auch bei allen unseren mächtigen Herren — wenn auch größer und oberhalb der Bedeckung — bemerkten, und so glaubte ich, auch Du gehörtest, obschon kleinerer Gestalt, jenem Volke an, und jenem großen König. Aus Furcht, daß, wenn jene erführen, wir hatten einen ihrer Brüder ermordet, sie wieder gegen uns zögen und vielleicht kerne Gnade mehr Eintreten ließen — befahl ich, Dich nicht zu berühren. — Hierauf beschenkte er ihn noch und er wurde aus der Stadt begleitet, nachdem die ihm abgenommene Waare zurückerstattet worden. Diese wunderbare Geschichte vernahm ich von einem alten glaubwürdigen Mann hier in Jerusalem, der in einer Mission in Kalkutta war und den wunderbar geretteten Gkaubensbruder selbst gesprochen, der! wieder nach Kalkutta zurückkehrte. — Auch diese Erzah-! lung harmonirt mit dem Frühern. Vor 19 Jahren wurde ein Gesandte« der jüdischen Gemeinde in Zafed beauftragt nach Demen, um wie gewöhnlich für die Armen Palästinas Kollekten zu eröffnen. Er verweilte einige Zeit in Z»naa und bemerkte in der dortigen Synagoge einen ausgezeichneten Mann. Er erkundigte sich nach ihm, und erhielt die Antwort, daß derselbe vor einigen Tagen bier angekommen sei, und angeblich von dem Stamure Dan wäre. Der Gesandte ließ hierauf den Dani höflichst bitten, entweder ihn besuchen zu dürfen, oder von ihm beehrt zu werden. Es geschah das Letztere; schon cmn andern Tage sah der Abgesandte ihn in seiner Wohnuirg — und er war ein prachtvoller Mann, stark gebaut, mit feurigen, schönen Augen, großem Barte, und schwarze lange Locken i hingen über dem Rücken. Sein Anzug v) clr theils orientalisch, doch trug ec auch einen langen Lreiten Gürtel, worauf mit hebräischen Buchstaben gestickt waren die Worte Gen. 49, 17.: p m«. An der Seite hing ein breites Echwert, seine Sprache war rein hebräisch, aber er war zurückhaltend, bedachtsam in seinem Gespräche. Er geluoß wenig, fast nur Brod und Wasser, und schlief nur c inige Stunden. Er schien mit seinem Genius zu sprechen^ wo ihm ein tiefes Denken beschäftigte, er wusch sich n'ehr häufig — kurz sein Benehmen hatte viel AehnlicheS mit dem der Essener (die Philo und Josephus beschreiben), aber auch nicht minder mit dem eines göttlichen Sehers. Ec erkundigte sich beim Gesandten nach der Hs. Stadt Zion, Jerusalem, nach dem Wohle seiner Brüder und dem des Landes. Als jener ihm in lebhafter Schildenung die traurige Lage, den mißlichen Zustand von dem einstigen gelobten Lande und feiner jüdischen Bewohner vor!>je Seele führte, fiel er mit dem Gesichte zur Erde nieder , und in rührendem Wehklagen und Weinen, dauerte es eine halbe Stunde bis er wieder sprechen konnte. Ms sich der Gesandte auch nach dem Zustande der Sohri« Oan's erkundigte, antwortete er nur kurz: daß sie ein selbstständiges Reich bilden, welches einige Monate östlich von Zanaa liege, daß sie ein Oberhaupt hatten, Nasr genannt, der in ihrer Mitte der Tapferste und Frömmle sei, und daß sie zusammen ein ruhiges und glückliches Leben führten. Mehr sprach er nicht; über den Zweck ein ec großen Reise gab er vor, vom Nast beauftragt worden zu sein, um vom Zustande der westlichen Brüder Erkundigung ein-

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