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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-12-16 · Heft 51 (16.12.1850) · p. Seite 702

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 51 (16.12.1850)
Date
1850-12-16
Page
Seite 702 (sequence 10)
Language
German
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702 pn^ issn« nbwn'n Unter der Regierung unsers Herrn, des Königs Jizchak. Auf die Frage, woher er zu diesem Gelde gekommen, erzählte er kurz und einfältig, ohne genauer über andere Fragen zu erwidern, er habe auf seiner Pilgerreise einen mehrere Monden langen Weg in südöstlicher Richtung von Adschem (Persien) genommen; er gerieth in ein großes Reich und kam in eine Stadt, wo er mit seinem lächerlichen Bettleranzug Aufsehen erregte; bald wurde er in ein schönes Schloß gerufen, wo er eine majestätische Person auf einem thronähnlichen Sitze fand. Diese fragte ihn auf persisch: woher er komme und auf seinen Aufschluß erkundigte man sich, ob Iehudim in seinem Lande wohnen, wie ihr Zustand in physischer und moralischer Beziehung wäre? Der dumme Derwisch wußte noch nicht, daß er mit einem jüdischen Fürsten zu thun habe, und fing ein vernichtendes Räsonnement über sie an, so daß der Fürst mächtig ergriffen wurde und in Zorn gerieth. Dieses bemerkend und vielleicht die Ursache ahnend, wußte er plötzlich seiner Rede eine andere Wendung zu geben, fing an von ihnen nur Gutes zu erzählen, und sagte, wenn auch gedrückt, so bewahre dieses Volk doch einen vortrefflichen Charakter und innere Tugendhaftigkeit, wenn auch das Urtheil des niedern Volkes ein verkehrtes wäre. Darüber war der Fürst erfreut und nach Beendigung seiner Audienz befahl er, ihm 300 Goldstücke zu geben. Dieses erzählte der Derwisch, und mehr konnte man nicht erfahren. Das Gewicht dieser Münzen war ungefähr einem doppelten Dukaten gleich, von feinstem Golde. Ich hörte dieses von einer glaubenswürdigen Person, die selbst einige Münzen auswechselte und Alles von Mund zu Mund hörte. Mag diese Sache und Erzählung auch etwas verschieden gewesen sein, immerhin bleibt es Tharsache, und diese Goldmünzen bezeugen es zur Genüge, daß noch heutigen Tages ein jüdisches Reich mit einem Monarchen existire. Vor 3 Jahren sah ich einen vorzüglichen indischen Derwisch aus der Straße. Ich ließ mich mit ihm in Gespräch ein und bemerkte, daß Glaubwürdiges in seinen Worten sich äußere. Ich nahm ihn mit nach Hause und unterhielt mich mit ihm über seine weite und tiefe Reise in Asien. Manches suchte ich aus ihm zu locken und wußte schon die Wahrheit an das Licht zu bringen; so erzählte er mir, daß in einer viermonatlichen Entfernung von der Stadt Chasmir im norstöstlichen Persien in nordöstlicher Richtung, ein großes jüdisches Reich bestehe, und der Sitz ihres Regenten sei in der Stadt Ajulun. Fast das ganze Reich ist von drei Seiten mit ungeheueren hohen Gebirgen umgeben, welche eine natürliche Festung bilden, auf der andern Seite ist ein großes Felsenthor, an welchem jüdisches Militär steht. Diese Juden stehen mit ihrer Umgebung in Handelsverkehr, selten wird einem Fremden der Eintritt gestattet. Ja, er verstcherte, ein Kollege von ihm sei längere Zeit in Ajulun gewesen und jener konnte gar nicht aufhören von der Pracht dieser Stadt, von ihren Synagogen, die feenhaft waren, der Zuhörer Ohr zu kitzeln. Sammtliche Einwohner sind Juden, außer den Sklaven. Vor 50 Jahren lebte ein Jude in Kalkutta — in Ostindien — der in seiner Jugend dorthin aus Bagdad einwanderte, und sich kümmerlich mit Haust'rhandel ernährte. Er kam einmal auf den Gedanken, sein Glück in der weiten Ferne zu suchen; er machte sich darum mit einer Menge verschiedener Maaren auf, und wanderte gegen Osten, dem Reiche Burma (Birma) zu und wollte bis Ava. Ec nahm seinen Weg zu Land, um unter den Hindostanern auch seine Waaren absetzen zu können. Nach einigen Monaten gelangte er unweit der birmanischen Grenze an eine große Stadt, wo der Eingang in dieselbe den Fremden nicht gestattet wird, und diese gezwungen werden ihre Waare außerhalb feilzubieten und die Einwohner herauskommen von ihnen zu kaufen. Auch er kramte nun aus, es kamen viele Stadtleute, die eine Mischung aus Hindostanern und Birmahanen zu sein schienen, und kauften Manches von ihm. Bald kam es aber zu blutigen Handeln, da ihm Einer der Käufer Etwas mit Gewalt entreißen wollte, und dieser Fremde versetzte ihm einen derben Schlag, daß er todt zu Boden fiel. Plötzlich wurde ihm der Eintritt in die Stadt gestattet! Aber gebunden wurde er dorthin gebracht, auf einen großen öffentlichen Platz, neben ein sehr großes Gebäude gestellt, um — enthauptet zu werden. Er wurde entkleidet, schon war der Scharfrichter neben ihm mit bloßem Schwerte harrend auf das Signal des Regenten, der an einer Fensternische stand. Plötzlich rief der Regent erschrocken mit lauter Stimme: berührt ihn nicht! laßt ihn frei und sorget, daß er zufrieden aus unserm Gebiete kömmt. Er wurde angekleidet und ihm der Abzug gestattet. Ec aber, erfreut durch die plötzliche Rettung, forderte beherzt, dem König vorgeflellt zu werden, um mit ihm zu sprechen. Es wurde ihm gestattet. Man führte ihn in die Residenz und der Regent, ein ehrwürdiger Greis, kam ihm freundlich und ehrerbietig entgegen und nöthigte ihn sich neben ihm niederzusetzen. Jener bat demürhig, ihm doch die Ursache der plötzlich einge-

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