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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-12-16 · Heft 51 (16.12.1850) · p. Seite 701

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 51 (16.12.1850)
Date
1850-12-16
Page
Seite 701 (sequence 9)
Language
German
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701 Synagoge in dieser Stadt. Die Zeremonie warc: höchst imposant. Die deutsche Gemeinde hatte sich der portugiesischen angeschlossen, und die Prediger beider nahmen Einer nach dem Andern das Wort. Setz» angemessene religiöse Gesänge eröffneten und schlosse!« die Feierlichkeit. (Arch. isr. de Fr.) Kuriosum. Der Hofjnde. Eine, Vielen nicht unbekannte Geschichte werden vikÜe Leser dennoch gern hier lesen, nachdem neuerdings In» Univ. israßl. an sie erinnert worden ist. Zm 18ten Jcchihundert befanden sich an den Höfen der deutschen Fürste;« jüdische Günstlinge, Hosjuden genannt. Sie hatten dmS Amt eines Bankiers, sie waren die Kommissionäre im Fürsten, die sie begünstigten. Ein in Frankfurt resiiirender Prinz hatte so einen frommen Israeliten in seinem Dienste, Namens Rabbi Barmen, dem er ganz besonders gewogen war. Um so mehr haßten ihn d« Diener des Fürsten, die den Rabbi Barmen durch fortwährende Denunziationen verdächtig machten. Da nmra in jenen Tagen das Leben eines Juden sehr wenig galil, so hielt der Fürst, ermüdet von den beständigen Einflüsterungen seiner Umgebung, eS für's Beste sich seinss Kommissionärs zu entledigen. Eines Morgens sagte im Prinz zu Rabbi Barmen: „Freund, hier ist ein Brie;s, den Du sofort an seine Adresse bringen mußt; nimm m« Pferd, eile mit vollen Zügeln und bring das Schreibe-« prompt ab." Sofort ist das Pferd gesattelt und z,- zäumt, und der Jude geht nach dem Schlosse ab, da>s ungefähr eine Tagereise von der Stadt entfernt ist. Angekommen in einem Dorfe, nahe bei Frankfurt begegnet der Rabbi einem Glaubensgenossen. „Gute?« Tag, Rabbi, ich wollte eben zu Euch." — „Nun, wais giebt's Neues?" — „Gott hat mir einen Sohn gez iben; morgen ist der achte Tag, und ich wollte Euch biitten, die Beschneidung zu vollziehen." — Rabbi Barm«« übte dieses Amt tr?:iffl aiöb aus. — „Hum, Ihr komm zu spät; ich kann es nicht annchmen, der Fürst hatnu, «inen eiligen Brief gegeben, und ich kann erst morge-« zurückkommen." — „Aber, Rabbi, so bleibt mein Ki»d unbeschnitten," antwortete traurig der Landmann. RaM Barmen scheint sich zu fragen, was den Vorrang Haber« müsse, das Gebot Gottes oder der Befehl des Fürsten; endlich antwortet er: „Seid ruhig, ich werde heute Abend hier sein," und er reitet im Galopp davon. In einem benachbarten Städtchen angekommen, wendet er sich an einen Kantonisten, der auf der Straße beschäftigt war: „Freund, willst Du einige Gulden verdienen?" — „Sehr gern." — „Sehr gern." — „Gut, so nimm dieses Geldstück, bring diesen Brief an die Adresse; morgen in derselben Stunde werde ich Dich in dieser Herberge erwarten, wo Du ein zweites Geldstück erhalten sollst, wenn Du Dich des Auftrags gehörig entledigt hast." Beide trennen sich. Am andern Morgen war Rabbi Barmen der Erste zur Stelle; ec wartet mit Ungeduld, aber die Nacht kommt und der Kantonist nicht. Den andern Tag dasselbe. Rabbi Barmen geht nach dem Schlosse und fragt unterwegs überall nach seinem Boten. Er erfährt, daß der Ueberbringer des Briefes — in einen Hochofen geworfen worden, wie in dem Briefe befohlen war. Rabbi Barmen glaubt nicht mehr erfahren zu brauchen; er kehrte nach Frankfurt zurück, erschien nie wieder bei dem Fürsten, und aus Dankbarkeit für das Wunder, das ihn gerettet, ließ er auf seine Kosten eine vollständige Ausgabe des Talmuds drucken, in deren Vorrede er diese Geschichte erzählt. Der Redakteur des Univ. isr. macht hierzu die Anmerkung: Beim Lesen dieser Geschichte wird Jedermann an den „Gang zum Eisenhammer" von Schiller sich erinnern. Aber unsere Schiller hätten zu viel zu thun, wollten sie all die Wunder besingen, welche Gott zu unseren Gunsten während einer schreckensreichen Verfolgung von achtzehn Jahrhunderten vollführt hat. Mittheilungen aus dem Oriente. Aus dem noch ungedruckten Werke „Palästinas alte und neue Geographie, Geschichte und Kultur" Fragmente in Berichten und Briefen miigetheilt von 8. (Fortsetzung.) Nun folgen die neuesten Spuren von derExistenz dieser Stämme. Vor ungefähr 25 Jahren kam aus dem östlichen Asien ein Derwisch nach Damaskus und führte eine Menge Goldmünzen bei sich, die er dort auf gangbares Geld auswechseln wollte. Auf der einen Seite dieser Münzen stand in hebräischer Quadratschrift geprägt: nnn 51*

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