Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 51 (16.12.1850)
- Date
- 1850-12-16
- Page
- Seite 699 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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699 jedes Jahr in allen Tempeln -es Bezirks stattsi'nden, am Sonnabend nach dem Peßachfeste und am Sonnabend nach dem Sukkotfeste des Jahres aor ihrer Konfirmation: für die Knaben im Alter nn zwölf Jahren, für die Mädchen, wenn sie das ciSfte Jahr zurückgelegt haben. Art. 5. Die Herren Rabbinen werden dieses Examen abhalten, welches sich auf die im Art. 1 geforderten Kenntnisse beziehen wird. Art. 8. Jedes Kind, welches seine Prüfung bestanden hat, wird gratis von dem Herrn Rabbiner ein Zertifikat empfangen, welches bestätigt, daß es den Forderungen des Examen Genüge geleistet hat. Art. 9. Nach Verlauf des nächsten Osterfestes wird kein Kind von dreizehn Jahren in dev Tempeln zur Feier seiner Konfirmation zugelassen wevden, und wird außerdem von allen religiösen Ehren amsgeschlossen bleiben, wenn es nicht mit dem in Art 8 geforderten Zertifikat versehen ist. Art. 10. Jedes Jahr werden innerhalb eines Monats nach Verlauf des für die Religionsprüfung anberaumten Zeitpunkts die Herren Rabbinen an das Konsistorium einen Bericht über den Zustand des Religionsunterrichts in jeglicher Ortschaft machen, über die Zahl der Kinder, die daran Theil nchmen, die Gegenstände, die dort gelehrt werden, über die dem Unterricht gewidmete Zeit und die Zahl der Kinder beiden Geschlechts, die an den Religionstznüfungen Theil genommen haben." —. Es ist nun die Frage, ob die übrigen Konsistorien diesem von dem zu Kolmar gegebenen Beispiel folgen werden. Im Ganzen herrscht gerade in Frankreich eine religiöse Lauheit, die das Univ. isr. in ihrem Kontraste namentlich mit England scharf zeichnet. In einem Artikel „die Feste des Tisch« in Paris und in London" spricht sich dieses Alatt unter Anderm folgendermaßen aus. „Die Art und Weise, in welcher die heiligen Feste des Tisch« in dem Konsistorialtempel von Paris gefeiert worden, hat gezeigt, daß die Religion, nachdem sie aufgehört hat unter uns beobachtet und geübt zu werden, nicht einmal mehr den gewöhnlichen Respekt den weltlichen Institutionen erhält. Niemals haben mehr Unordnung, mehr Geräusch, mehr Privatgespräche, mehr völlige Abwesenheit von Andacht das Gotteshaus entweiht. Niemals hat man in der Wohnung des Höchsten diese Unruhe der, Beanilen, dieses Kommen und Laufen der Menge, diese Unaufmerksamkeit für die heiligsten Handlungen, diese Bertheilung von Gedrucktem mitten im Gebete, und diese ganz kalte Stellung der Anwesenden gesehen, welche beweist, daß der Gottesdienst Nichts mehr in ihrem Leben ist." Eine ganz entgegengesetzte Schilderung wacht er von England. Er sagt unter Anderm: „Die Stunde des Sabbats schlägt. Und siche, alle diese Magazine, alle diese Komtoire, alle diese großen Bank- und Handelsetablissements schließen sich wi-e durch Zauber, öffnend die Pforte Gott und dem heiligen Gesetze Israels. Und diese thätigen Geschäftsmänner, welche gestern so geizig mit ihrer Zeit waren, diese eifrigen Rechner, welche nicht eine Minute der Woche den Geschäften dieser Welt entziehen, weihen mit tust den heutigen Tag der vollständigen Ruhe, der z>eistigen Zurückziehung, die das göttliche Gesetz instituilt hat." — „Dann begiebt man sich in eine der prächtigen Synagogen der Hauptstadt. Bald läßt das Heiligthum durch einen großartigen Bau die Seele andächtig ergreifen, wie der Tempel des Platzes vo>n St. James; bald durch den Anblick einer reichen u»d blendenden Ausschmückung, wie die schöne Synagoge der Straße St. Helene; bald durch die Erinnerungen an die schönsten Tage unserer Geschichte, wie dir großartige portugiesische Tempel von Bevis-Marks. Ueberall drängt sich eine andächtige Menge in du Wohnung des Höchsten. Niemand verlaßt den heiligen Ort vor dem Ende des Gottesdienstes; Niemand gestattet sich eine profane Zerstreuung, eine frivole Unterhaltung. Alle Welt betet." —. Die arabisch-französische Ausgabe de§ Morc- Nebuchim durch Munk wird nun bald erscheinen. Großbritanien. Dublin, im November. Der Inspector, eine hiesige Zeitung, enthält folgenden Artikel: „Daß die Israeliten in vielen Ländern unaufhörlich Gegenstand der Verfolgungen waren, ist eine historische Ahatsache und so wohl bekannt, daß es unnütz wäre, si ch dabei aufzuhalten. Wenig Nationen, selbst wenig Sekten giebt es, die nicht geglaubt hatten, dadurch daß sie das Haus Israel schlügen, der Gottheit einen Gefallen zu erweisen; um so stolzer sind wir, fügen zu können, daß Irland, so weit wir uns dessen durch