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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-12-16 · Heft 51 (16.12.1850) · p. Seite 695

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 51 (16.12.1850)
Date
1850-12-16
Page
Seite 695 (sequence 3)
Language
German
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695 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Leipzig, 29. November. Die Deputation der ersten sächsischen Kammer hat sich gegen die Aufnahme der Emanzipation der Israeliten in die Verfassung — die nach Aufhebung der deutschen Grundrechte wieder die alte ist — weil sie „den -christlichreligiösen Sinn des sächsischen Volkes verletzen würde", ausgesprochen. Dresden, 6. Dezember. Erste Kammer. Die heutige Sitzung, welche zur Fortsetzung der gestrigen Berathung der Verfassungsrevision bestimmt war, begann mit dem Berichte des Referenten v. Welck über zwei diesen Gegenstand betreffende Petitionen der hiesigen israelitischen Gemeinde, welche gegen die Alteration der grundrechtlichen Bestimmungen! über die Emanzipation der Juden, und von 33 Jnrmngsvorständen Dresdens, welche sich gegen die Emanzipation der Juden aussprechen. Die Erstere wurde als formell unzulässig erklärt, aber nebst der zweiten an die zweite Kammer abgegeben. Berlin, 8. Dezember. Die Voss. Ztx. enthält folgenden Artikel: Der von der Regierung nicht bestätigte Vorstand der hiesigen jüdischen Germinde soll, auf eingeholte Gutachten der Justizräkhe Crelinger und Geppert, beschlossen haben, sein Amt forlzuführen und nöthigcnfalls seine Angelegenheit vor die Kammern zu bringen. Dieser Beschluß aber »cranlaßte den Major Burg, aus dem Vorstande auszwjcheiden, da er als königlicher Offizier die Widersetzlichkeit gegen die Regierung nicht theilcn mag. Derselbe Vorstand hat, dem Vernehmen nach, auf die Aufforderung des königlichen Schulkollegiums, den Lehrern der Gemeindeknabenschule den seit Juli rückständigen Gehalt zu zahlen, geantwortet, daß er aus Rücksicht auf das königliche Schulkollegium die Hälfte bezahl rn wolle. —. Die Zahl der jüdischen Staatseinwvhner betrug nach der Zählung von 1849 überhaupt 206,510, darunter 37,461 Kinder schulpflichtigen Altiis. Von diesen besuchten 19,197 die christlichen, 18,073 die jüdischen Schulanstalten. Die Zahl der jüdischen Lehrer belief sich auf 665. Aus Mittelfranken, Ende November. (Privatmitlh.) Die durch das Unglück der leidenden Brüder in Friedrichsstadt gebotne Kollekte wird wiedir den Mangel einer Organisation unsers Kirchenwesers fühlbar machen. Der verhältnißmäßig geringe Erfolg solcher Kollekten, wenn es überdies nickt, wie in vorliegendem Falle, der Linderung einer leiblichen Noch, sondern der Förderung einer öffentlichen Anstalt, einem Synagogenbau rc. gilt, und daß der Erfolg rein vm Persönlichkeiten und anderen Zufälligkeiten abhängt, ist zu bekannt. Muß man dies zum Thcil der Bedürftigkeit der eigenen Gemeindeanstalten und me überall Alles aus eigenen Mitteln aufgebracht werden muß, zuschreiben, der Mangel einer Organrsation in der Verkündigung und die Perzeptionsweife tragen gewiß nicht minder Schuld daran. In dm Christenheiten werden solche Angelegenheiten von der Kanzel jeden Orts verkündet und mit bekehrende», aufmunternden Worten begleitet. Unsere Rabbinc», deren Zahl an sich klein ist, sprechen höchst selten jit ihren Gemeinden von der Kanzel, mit ihren Filiall- Synagogcn sind sie meistens fast außer Konnex, und dre Vorsteher haben weder Zeit, noch oft auch Lust sich solchen Bemühungen mit Eifer zu unterziehen. Viel könnte durch die in allen Gemeinden angestellten Lehrer in dieser und andrer Beziehung geschehen, weinr ihnen eine angemessenere kirchliche Stellung angewiesm wäre. Das mögen sich namentlich die Herren Rabbiner gesagt sein lassen, die dem Vernehmen nach in neuester Zeit sich widersctzten, als cs sich um Zuziehung der Lehrer bei vorhabender Organisation unsers KirchenwescnS handelte. Unsre Synagogenoronungsangelegenheit z. B. wäre, wenigstens in unsrer Provinz, nickt so gänzlich mißglückt, wenn seiner Zeir dcr Antrag eines besonnenen und würdigen Mannes *J, den Lehrern die Handhabung der Synagogenordnuxg in den Filialgemeinden zu übertragen, nicht von buben Seiten aus sehr verschiedenen Motiven zurückgewiesen worden wäre. Man kann einerseits für seinen Einfluß, hin und wieder vielleicht mit Grund, fürchten, man kann andrerseits eine solche Thätigkeit als eine unwillkommne mißliche Zugabe nickt wünschen, aber die gute Sache im Auge behaltend und die Ausführung des Beschlossenen wollend, kann man sich dcr Anforderung nicht entziehen, die Lehrer zu mitwirkcndcn Gliedern des Kultus zu machen: *) Des Herrn Distciktsrabbiners Beitel aus Diittenheim.

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