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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-12-09 · Heft 50 (9.12.1850) · p. Seite 688

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 50 (9.12.1850)
Date
1850-12-09
Page
Seite 688 (sequence 12)
Language
German
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688 brauchen und Anbahnung einer bessern Richtung auf religiösem Gebiete zu bewerkstelligen sei; hier und da setzte er die untauglichen Vorsteher ad und ließ geeignetere an deren Stelle wählen. Ec gab bald darauf eine Synagogenordnung heraus, ließ sie von der königl. Regierung genehmigen und machte für deren strenge Befolgung die betreffenden Vorsteher verantwortlich. Dieses Reglement war der Grundstein für eine bessere und würdigere Gestaltung des Lnnern und äußern Gottesdienstes. Um diese Zeit wurde der Herr I. Kaufmann, ein Muster echter Frömmigkeit und aufopfernder Menschenliebe, der eine Stunde von Kerpen wohnte, von der hiesigen Gemeinde zu ihrem Vorsteher gewählt. Er stand in den vertraulichsten Beziehungen zu seinem geistlichen Oberhaupte. Durch allsabbatliche Vortrage in der msn und sonstige Unterredungen mit einzelnen Individuen wies er auf die tiefe Versunkenheit der Gemeinde, was Religion und Unterricht betraf, mit eindringlichen Worten hin. Das verfehlte seinen Zweck nicht. Seine Vorschläge zur Hebung und Verbesserung des Gottesdienstes und Schulunterrichts wurden fast einstimmig mit Beifall ausgenommen. Ec entwarf mit Hilfe einiger Assistenten Statuten, wo in einem Paragraphen derselben die Verpflichtung eines jeden zahlungsfähigen Mitgliedes der Gemeinde zu einem monatlichen Beitrage zum Bau einer neuen Synagoge ausgesprochen und nach öffentlicher Vorlesung allgemein angenommen wurde. Dadurch wurde Ln einem Zeiträume von etwa zehn Jahren ein Fonds geschaffen, wozu nur noch ein kleines Kapital gegen solidarische Verbindlichkeit ausgenommen zu werden brauchte, um ein geräumiges und würdiges Gotteshaus bauen lassen zu können. K. besitzt das schönste im hiesigen Sprengel. Nachdem diese Synagoge da stand, war der Vorsteher nun auch darauf bedacht, der israelitischen Schuljugend einen zweckmäßigen Religionsunterricht zu verschaffen. Allein wie das anfangen? Jüdische Lehrer mit wissenschaftlicher Bildung gad es damals in der Rheinprovinz noch nicht, und das Haindorfsche Lehrerinstitut zu Münster bestand nur für Westphalen. Zum Glück kam der Direktor jener Anstalt seinem Plane entgegen. Es fand nämlich auf Ansuchen des Herrn Haindorf bei der hohem Staatsbehörde der Anschluß unsrer Provinz an das Lehrerseminar zu Münster in dieser Zeit statt. Von den Rheinländern, welche in dieser Anstatt ihre Ausbildung zum Lehrfache erhalten hatten, bekam K. auf Verwendung seines Vorstehers den ersten in diesem Sprengel. Nun wurde ein entsprechendes Schullokal gemiethet, die norhwendigsten Utensilien angeschafft, ein Lehrplan entworfen und zur Durchsicht und Genehmigung dem Rabbiner zugeschickt, und jetzt begann ein ordentlicher Unterricht in den hebräischen und deutschen Fächern. Daß dieses aber ohne bedeutende Kampfe, die der Vorsteher mit einem Theile der Gemeinde durchzumachen hatte, nicht in's Werk zu setzen war, wird demjenigen einleuchten, der da weiß, wie hartnäckig unwissende und bornirte Gewohnheitsmenschen eine alte Einrichtung verfechten, worin sie mit Herz und Seele wurzeln und welchen zähen Widerstand sie einer neuen entgegensetzen, deren Folgen und Ziel sie vor der Hand nicht einzusehen vermögen. Besonders ist dieses der Fall, wenn die einzuführende Neuerung die Börse in starke Kontribution setzt. Allein die Elementarschule erwarb sich bald Achtung und Beifall selbst bei denen, die früher ihre größten Gegner gewesen waren. Der Vorsteher hielt am Ende eines jeden Semesters eine Schulprüfung ab und unterließ dann nicht, den betreffenden Eltern seine Zufriedenheit mit den Leistungen des Lehrers und den Fortschritten der Kinder mitzutheilen. Dieses erweckte immer größeres Zutrauen zu dem neuen Institute. Der Unterricht brachte aber auch in kurzer Zeit durch die Schuljugend einen bessern Geist in die Gemeinde, und eswarewol schwerlich Einer zu finden gewesen, der das alte -nn zurückgewünscht hatte. Hatte die Gemeinde über den Lehrer oder dieser über jene Etwas vorzubringen oder einzuwenden, so war der Vorsteher die Instanz, an die man sich wendete. Auf diese Weise wurde jedem möglichen Konflikte vorgebeugt. Nach einer zweijährigen Wirksamkeit des Lehrers wurde auch dem Gottesdienste ein zeitgemäßer Zusatz beigefügt. Chor und Predigt wurden eingeführt. Theils hielt der Lehrer selbst ausgearbeitete Vortrage, und theils las der Vorsteher paffende Reden aus einem Predigtband des Herrn Dr. Philippson vor. Dieses gefiel sehr. Als aber die Schuljugend im Verein erwachsener Personen. zum ersten Male einige erhebende Kirchengesange des genialen Herrn Sulzer, eingeübt durch oen von der Gemeinde engagirttn MuMehrer, Herrn Herz Kallmann, der eine Stunde von hier wohnt und wöchentlich einmal herkam, im Gotteshause vortrugen, da habe ich im Auge manches gefühlvollen und andächtigen Beters eine helle Throne der Rührung und Freude glänzen sehen. Nun fehlte noch eins: die Konfirmation. Worin diese eigentlich bestand, davon hatte die Gemeinde keine Vorstellung. Wie aber nach dem verbesserten Zustand in Synagogal- und Schulwesen und der Empfänglichkeit der Gemeinde

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