Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 50 (9.12.1850)
- Date
- 1850-12-09
- Page
- Seite 684 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225660-3225711--11429-3241539- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
684 Von der Saar, 25. November. (Privatmitth.) Das in No. 47 der Mg. Ztg. d. Jud. mitgetheilte Zirkulär des Borstandes der israelitischen Gemeinde zu Köln ist auch in die Gemeinden unsrer Gegend gekommen, so wie auch folgendes Rundschreiben unserS Oberrabbincrs, Herrn Kahn. Der Eindruck, den beide machten, war allgemein ein sehr guter in hiesiger Gegend, und hätten die Gemeinden, wenigstens viele derselben, sich an der Versammlung betheiligt, wie Solches auch schon einige dem Vorstande zu Köln gemeldet haben, wenn nicht auf einmal die Mobilmachung der Armee, die so tief in alle Verhältnisse greift, alles Interesse in Anspruch genommen und alles Andere verdrängt hätte. Hoffentlich wird aber der Vorstand zu Köln dies sein herrliches und segensreiches Projekt nicht fallen lassen, vielmehr, sobald als thunlich, kräftig diese heilige Sache weiter betreiben, und er kann gewiß auf den Dank und die Anerkennung sehr Vieler zählen. Das Zirkulär lautete: „Zn Folge des gewiß auch Ihnen zugekommencn Zirkulärs des israelitischen Vorstandes zu Köln vom 27. v. M. halte ich es für meine heilige Pflicht, die Gemeinden unseres Bezirkes auf die dringende Nothwendigkeit einer solchen Konferenz, wie erwähntes Zirkulär sie in Aussicht stellt, noch besonders aufmerksam zu machen, und dieses noch um so mehr, als mehrere Gemeindevorsteher, und zwar in großer Begeisterung für diese Sache, seither diesen Wunsch mir äußerten, um hierdurch die Wethciligung unserer Gemeinden zu fördern. Nach Wissen und Gewissen kann und muß ich Sie daher versichern, daß im Interesse all unserer jüdischen Verhältnisse, besonders der Erhaltung unserer Gemeinden, Schulen und unserer alten ehrwürdigen Religion, eine solche gemeinschaftliche Besprechung und Berathung jetzt «in unaufschiebbares dringendes Bedürfniß ist und daß die Gemeinde, welche aus Gleichgiltigkeit diesem zeitgemäßen religiösen Vorhaben sich entziehet, eine große Sünde gegen den heiligen Geist unserer Religion begehen würde. Wahrlich! 'Tb miBi>b ni> es ist jetzt die höchste Zeit, für Gott und unsere heilige Religion das Möglichste zu thun, um dem drohenden Verfalle unseres Kultus und der gänzlichen Auflösung unserer Gemeinden vorzubeugen! „Demgemäß ersuche ich Sie ergebenst, Ihren ganzen Einfluß in Ihrer Gemeinde und denen ihrer Nähe aufzubieten, damit diese sobald als möglich einen oder mehrere Männer bestimmen und bevollmächtigen, um als Abgeordnete die Gemeinden bei der nahbevorstehenden Konferenz zu vertreten. „Im Vertrauen auf den frommen Sinn und religiösen Eifer der Israeliten unserer Gemeinden hoffe ich, daß diese mit unter denGrsten sein werden, die ihre Betheiligung dem kölner Vorstande anzeigen, auf daß »b «’nias st*?i im? lPnb» •»fp iaw2' b«i Gott stets mit uns sein wird, wie er mit unseren Vätern war und uns nicht verlasse und aufgebe! „Schließlich bemerke ich noch, daß ich es nicht für nöthig halte, daß jede Gemeinde einen besondern Abgeordneten abschicke, vielmehr könnten alle oder mehrere Gemeinden eines Kreises oder der nächsten Umgebung einen oder mehrere Vertreter bestimmen, wodurch nicht allein die Kosten sehr unbedeutend würden, sondern auch die einsichtsvolleren Männer in jeder Gegend gewählt werden könnten." Trier, 16. November 1850. Der Oberrabbiner I. Kahn. Aus der Provinz Posen, 20. November. (Privatmitth.) Nach neueren Nachrichten ist Prediger Liepschütz (vergl. No. 45 d. Bl.) aus Fordon, woselbst er einige Probepredigten gehalten, wieder zurückgekehrt, ohne von der dasigen Gemeinde als Rabbiner engagirt worden zu sein. Hatten auch seine Vorträge allgemein gefallen, war man auch mit seiner Persönlichkeit sonst allgemein zufrieden, so blieb doch der Sieg auf Seiten derjenigen Partei, welche keinen sogenannten „neumodischen Rabbiner" angestellt wissen mag. Herr L. ist übrigens gar nicht so sehr zu bedauern, den hohen Rabbinerstuhl in F. nicht okkupirt zu haben, denn ein jüdisches Amt in unsrer Provinz, und noch dazu das eines Rabbiners, ist wahrlich! nichts weniger als beneidenswerth. Man betrachtet seit drei Jahren bei uns die Rabbinen — sie seien „alt" oder „neu", mit oder ohne Doktorhut — als einen Luxusartikel, als eine Last, von der man sich gern befreien möchte; ihre Stellung ist im höchsten Grade prekär, ihr Ansehen geschwunden*) und ihr Einkommen leider! nur sehr dürftig. *) Aus diesem Grunde war es uns unbegreiflich, wie der Korrespondent G—l neulich — in No. 44 d. Bl.