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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-12-09 · Heft 50 (9.12.1850) · p. Seite 685

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 50 (9.12.1850)
Date
1850-12-09
Page
Seite 685 (sequence 9)
Language
German
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685 Schade um die wenigen tüchtigen Theologen der neuen Zeit, die das Geschick in unsere Provinz geschleudert hat, wo sie Kränkungen über Kränkungen erdulden müssen, aber Anerkennung und Würdigung ihres edeln Strebens vergebens suchen. Was hätten diese Männer anderswo nicht wirken können, während sie hier überall auf Hindernisse stoßen, während man sie hier in jeglicher Beziehung verkennt und ihnen die gebührende Achtung versagt? — Mit gutem Gewissen könnten wir keinem Theologen rachen, hier zu Lande eine Stelle zu suchen, und solllen ihm noch so goldene Versprechungen gemacht, noch so süße Aussichten eröffnet werden. — Sapienii sat. Aus der Provinz Posen, 21. November. (Privalmitth.) In Slrzelno haben die Töchter Israels für Schleswig-Holstein gesammelt. — In Jnnowraclaw hat man den Juden ihre Simpathie für die unglücklichen Tscherkessen sehr übel genommen. — In Wittkowo ist der evangelische Ortspfarrer, Herr Prediger Röhl, so freundlich gewesen, di« armen Kinder der jüdischen Elementarschule, deren Inspektor er ist, mit den nöthigen Lehrbüchern (Fibeln und Kinderfreunde») zu beschenken. — In Birnbaum ist das neue Gotteshaus fertig und soll nächstens eingeweihi werden. — Sonst nichts Neues aus den Gemeinden des Großherzogthums. — In dem benachbarten Polen hat neulich * *) wieder die Branka, d. i. die Aushebung zum russischen Militärdienste, stattgefunden. Da war ein Elend und ein Jammer unter den Juden, wie man sich hier kaum einen Begriff davon machen kann. Und bei der christlichen Bevölkerung nicht minder. Wie man hört, soll diesmal unter den Juden ganz besonders stark rekrutirt worden sein. Aus der Provinz Posen, im November. (Privalmitth.) Wir sind iin Stande, Ihnen auch über die Gemeinden des benachbarten Westprcußcns einige Nachrichten für Ihr geschätztes Blatt zukommen zu lassen. In Thor» giebt es fast fortwährend Händel und Reibungen zwischen den „Alten" und den „Neuen". Diese haben vor drei Jahren einen mo¬ — von unseren Rabbincn mehr Energie und Thatigkeit verlangen konnte. *) Ich glaube in der Nacht vom 1. zum 2. dieses Monats. dernen Prediger angiftellt, den Jene durchaus nicht anerkennen wollen u>nd bei jeder Gelegenheit anzufechten suchen. Es bommt leider! auch nicht selten zu öffentlichen Ausstoßungen, die in der Regel langwierige und höchst kostspielige Prozesse nach sich ziehen. Aber wird denn des Zankes in Israel nie ein Ende werde»? Hier zankt man sich um einen Rabbiner, dort ui» einen Vorbcter, hier um einen Jekum purkan, dort: um einAlmcmor. Und welches sind die Resultate? Der Rabbi wird kassirt, derChasan lauft selber da»«>n, der Jekum purkan behauptet sein altes Recht, «d das Almemor rückt auch nicht um ein Haar breit von der Stelle. Was kommt bei alle dem heraus? Oiie Gemeinden werden geschwächt, an der Wurzel unteig-raben, und können also nie zum wahren Fortschintl gelangen. Gott bcsser's! Verzeihen Sie dies« kurze Abschweifung, und lassen Sie uns nun mit «nseren Notizen fortfahrcn. — Gollub, eine der zahle nichsten Gemeinden Westpreußens, verleugnet in keineilri Beziehung seine geographische Lage. Es liegt HM an der polnischen Grenze. An Fortschritt ist nicht ju denken. — Lautenburg, wenige Meilen von der Gnenze entfernt, ist schon eine Gemeinde von etwas i»esserm Kolorit, — und in Strasburg wird sogar sch«:ir deutsch gepredigt. — Schwetz a. d. W. hat bis vvr einem Jahre in der Person des Herrn Eassel eine», zeitgemäßen Rabbiner und Prediger gehabt, zu dösscn Sprengel auch die Gemeinde von Kulmsee gehöret hat. Mit jener hat auch diese den Seelsorger eirzebüßt (s. w. u.). Die Stelle ist noch nicht wieder besetzt l). In Kulm, einer kleinen aber ziemlich inteliögenten Gemeinde Westpreußens 2), ist der talentvolle Ur. Wolf aus Meseritz im Großherzogthum Posen als Prediger und Religionslehrer engagirt. Der Gottesdienst ist schon längst zeitgemäß eingerichtet. — Ge«udenz hat einmal einen modernen Kultus gehabt, — Elbing ebenfalls. In letzterm Ort fungirt Herr Sommerfeld, weiland Redakteur des Sabbatblattes, als Prediger und Religionslehrer der jüdischen Genmnde.— Marienwerder hat seit dem Abgänge des Du. Jeolowicz keinen Prediger mehr ausgenommen, wahrscheinlich, weil man einen kleinern Reformer nicht nehmen wollte und einen größer» nicht *) Bei Fällen, wo cabbinische Funktionen nöthig, wird jetzt der Prediger von Thorn geholt. -) Wo einst Joilowicz die Reform gepredigt. 50*

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