Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 14 (1850)
- Issue
- Heft 49 (2.12.1850)
- Date
- 1850-12-02
- Page
- Seite 671 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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671 Gesinnung sich nur seiner Muttersprache bedienen, einer fremden Sprache nur dann, werm sie ihm bereits zur zweiten Muttersprache und außmst geläufig geworden. Nur Wenige befanden sich aber m dieser Lage, da die Magyarisirung der deutschen Literaten noch von jungem Alter war. Darum griffen sie im Nachmarz nochgedrungen wieder zur deutschen Feber; und außer Diösy Szegfy und Ludasy (die aber, beiläufig gesagt, alle drei gemäßigt liberal waren) hat sich m Nachmärz kein jüdischer Literat in der magyarischen! Journalistik versucht, sondern ausschließlich in der deutschen. Wer aber unsere Landesverhältnisse nur ein Wenig kennt, weiß wohl, daß die deutsche Presse im Vorwie im Nachmärz sehr wenig Selbstständigkeit besaß, sondern mt die Schleppträgerin ihrer magyarischen Schwester war. Ob sie heute ihre Leitartikel wörtlich übersetzte, morgen sie nur dem Geiste nach wiedergab, thut natürlich hier Nichts zur Sache. Genug an dem: Sie empfing dieAncegung, gab sie aber nicht. Die „Pester Zeitung" war der deutsche „Közlony", die „Pestofener" das deusche „Hinlap", die „Opposition" der deutsche „Marczius". Und da, wie gesagt, die Juden nur in der deutsche Presse thatig waren, so erhellet von selbst, daß sie auch mittelst der Feder keine hervorragende Rolle spielen konnten uud durchaus unvermögend waren, durch das Medium der Presse irgend welchen bestimmenden Einfluß auf kden Gang der Revolution zu üben. Ein einziges deutsches Blatt existirte und zwar erst nach der UnabhängiMtserklarung in Pesth, das selbstständig war und in seinen politischen und sozialen Theorien weit über die gesammte magyarische Journalistik hinausging, aber dieses — „der 14te April" benannt — wurde von einem nichtjüdischenHonvedhauptmann (Hazay) redigirt und von einem christlichen Expriester (Horärick), war mithin keil,Produkt der jüdischen Presse/' So charakteristrt Einhorn unparteiisch den Einfluß der Juden auf die ungarische Revolution, und wenn auch sehr allgemein und ohne volle Sicherheit der faktischen Angaben, entwirft er doch ein klares Bild, worauf Lob und Tadel, welche die Juden hierbei in sp ungeheuerlichem Maße getroffen, zu reduziren seien. DslS höchste Interesse weiß aber Einhorn der folgenden Nummer seines Buches zu geben, wo er jene Sterbestunde der ungarischen Revolution beschreibt, in welcher der Reichstag zu Szegedin die Gleichberechtigung aller Nationalitäten und die Gleichstellung der Juden dekretirte. Allerdings sind auch hier die Motive keine ganz lautere, Mne prinzipielle gewesen. Es ist ein Akt des Gegensatzes gegen die von Haynau den Juden auferlegte Kontribution; es ist ein allzuspätes Nachholen dessen, was man in der Stunde des Sieges übermüthkg von sich gewiesen. Daß man den Magyar mehr als den Menschen, den Sieg des Magyarenthums höher als den der Gerechtigkeit geschätzt, hatte sich gerächt. Die Freiheit sproß dem Juden erst aus dem Grabe des Magyarenthums hervor. Es folgt der Schluß des Werkes, indem ein Blick auf die bekannten Strafkontributionen und deren Aufhebung geworfen wird. Dem Verfasser des Werkes kann man für die fesselnde, und eine so wichtige Frage lösende Darstellung einer interessanten Episode des interessantesten Theits der Geschichte der letzten Jahre nur besten Dank votiren. Er hat damit das Gerüst aufgerichtet, an welchem die Details leicht nachzutragen sein werden. Belletristisches. Kriese und Spaziergänge eines jüdischen Studenten. (Fortsetzung aus No. 45. 46. 47.) 9. Ein Spaziergang. 5. Mrgust 183.. Komm, wir wollen lustwandeln. Komm, mein liebes, trautes Ich, wir wollen mitsammen einen Spaziergang machen. Am Ufer des Flusses, im Dickicht des Forstes, drüben auf der großen Insel, deren schöne Waldung durch geebnete Wege die Kreuz und Quer durchschnitten ist, wollen wir im Zwiegespräch uns ergehen, im leisen, heimlichen Zwiegespräch, das kein Ohr belauscht. Andere schreiben Tagebücher, und verschleiern ihr Ich mit den feinen Worten, die sie zu Papier bringen. In dem klaren Sonnenschein, im linden Wehen der Luft über den Wasserspiegel her, da bleibt mir auch innen Nichts verborgen, und jeder Winkel wird durchleuchtet. Du willst Dir klar werden, was Du eigentlich willst. Noch mehr, Du willst Dir klar werden, wie Du daS wollen müßtest, was Du willst. Eine schwere Aufgabe, liebes Ich. Denn Du weißt doch, daß wir Menschen doch nur die Fäden und Schifflein in der Hand des großen Webers der Zeit sind. Wir denken und ersinnen