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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-12-02 · Heft 49 (2.12.1850) · p. Seite 666

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 49 (2.12.1850)
Date
1850-12-02
Page
Seite 666 (sequence 2)
Language
German
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666 wig-Holstein, in denen bis zum jüngsten Staatsgrundgesetz Juden wohnen dursten (Altona, Glückstadt, Rendsburg, Elmshorn und Friedrichsstadt). In den anderen durften sie nicht einmal übernachten. Es wohnten in Friedrichsstadt ungefähr 80 jüdische Familien, von denen es höchstens 6 zu einem kleinen Vermögen gebracht. Die Uebrigen haben Nichts, und leben von Tag zu Tag, indem sie die Woche über bis zum Sabbat in den Ebenen der Marsch zum Kleinhandel herumwandern. Die Gemeinde besteht dort seit etwa 100 Jahren, und bildet den fünften Theil der Bevölkerung. Die vor 5 Jahren erbaute neue Synagoge von 150 Mannsstellen, hat furchtbar gelitten. Das Schulgebäude, das unter dem Direktor Gotthold eine der besten Volksschulen von 90 bis 100 Kindern enthielt, dient zu einem Lazarethe. Die meisten dieser Familien haben mit Einem Schlage fast Alles verloren; ihre kleinen Hauser, Mobiliar, Warenlager sind zumeist verbrannt und zerstört, ihre Ausstände verloren, ihr Kredit dahin. Wie anders steht es um diese, durch eine lange Leidensgeschichte hierzu gezwungenen Unglücklichen, als selbst um Solche, die von ihrer Hände Arbeit leben!" Die Redaktion. Zum Chanuckafeste. Es sind zwanzig Jahrhunderte und darüber verflossen, daß Juda Makkabi am 2östen Kislev seinen Einzug in die heilige Stadt gehalten. Nicht die Menschen, die Völker haben gewechselt, nicht die Länder, sondern die Welttheile, und Israel ist aus einem Volke zum Mitgliede aller Völker geworden. Aber das, darum Juda das Heldenschwert gegen Antiochus erhoben, die Freiheit des Religionsbekenntnisses, die Erhaltung seiner Gotteslehre, das ist noch heute der Inhalt aller der Kämpfe, welche wir, nicht als Glieder der Völker, sondern als Abkömmlinge desselben Israels, das gegen Antiochus, schon nach einem fast anderthalbjahrtausendlangen Bestände, fest stand, noch heute kämpfen. Was war damals, wenn wir Griechenland, Rom und einen kleinen Theil Spaniens abrechnen, Europa! Von einem wilden Gewirre wilder Völkerschaften bewohnt, welche wie der Zivilisation, so auch der Geschichte noch nicht angehörten, von denen kaum hie und da an den Grenzen eine geringe Kunde den Namen hinübertrug — und doch hatte damals Israel den einen Haupttheil seiner Geschichte schon hinter sich, hatte eine Weltliteratur schon hervorgebracht und geordnet, und schickte sich an, eine zweite ausgedehntere Geschichte, aber beschränktere Literatur zu beginnen. Das Christenthum war noch lange nicht erschienen, und Israel hatte seine ewige Lehre schon gegen die Völker ringsum, gegen Babel von Osten und Hellas von Westen, gegen eine ganze Welt siegreich vertheidigt, und schickte sich an, sie nun erst recht zu vertheidigen, gegen ein zweimaliges Rom, gegen das heidnische Rom und gegen das christliche, und nicht minder gegen das Schwert Mohameds und gegen das Wort der christlichen Reformatoren. So viel hatte Israel schon vor zwanzig Jahrhunderten gethan, so viel gekämpft und gelitten und gearbeitet. Ader die Zeit, wo es mit dem Schwerte kämpfte, sollte bald vollendet sein; dem größten Kämpfer und Sieger der alten Welt gegenüber, Rom, sollte es die ehernen Waffen niederlegen, und sie — für seine Lehre — niemals wieder ergreifen. Von da ab sollte es nur noch Eine Waffe kennen, den Gedanken und das Wort, und Eine Wehr, das Dulden. Der Makkabaerkampf war, wie der wunderbarste, so auch der letzte Siegeskampf des Schwertes Israels — dann kam der Vernichtungskampf — und dann ... der Sieg durch Leiden. Aber, beachten wir es wohl, es kommt jetzt, es ist jetzt gekommen eine dritte Kampfeszeit. Das ist nicht mehr eine Zeit, wo Israel mit dem Schwerte seine Lehre zu vertheidigen, nicht mehr, wo mit stillem, aber unerschütterlichem Dulden — sondern eine Zeit, wo Israel allein mir sich selbst zu kämpfen, sich vor sich selbst zu vertheidigen, seine Lehre vor dem Zersetzungsprozeß der Weltkultur zu bewahren hat. Dies ist die Zeit, die mit der Unsrigen angebrochen. Die bürgerliche Gleichstellung, die Amalgamation mit den Völkern, denen wir eingereiht sind, mit denen wir verschmolzen, die Wissenschaft, die Theilnahme an allen politischen, sozialen, künstlerischen, wissenschaftlichen, industriellen Bestrebungen — sie sind hohe Güter, sie sind Nothwendigkeiten, zu denen wir früher oder später kommen mußten — sie waren schon nach dem Untergange Jerusalems im alten römischen Staate unser — ob nun das Mittelalter anderthalb Jahrtausende wieder dazwischengeschoben, sie sind vorüber, und wir sind wieder dahingelangt — aber sie wirken ihrer ganzen Natur nach auflösend, zersetzend auf das alte Erbgut Israels, auf den Lebensmittelpunkt seiner ganzen Existenz, auf seine Lehre. Von der einen Seite die Leugnung der ganzen

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