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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1850-11-25 · Heft 48 (25.11.1850) · p. Seite 661

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
14 (1850)
Issue
Heft 48 (25.11.1850)
Date
1850-11-25
Page
Seite 661 (sequence 9)
Language
German
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661 Literarische Nachrichten. Magdeburg, 11. November. Die Revolution und die Juden in Ungarn. Nebst einem Rückblick auf die Geschichte der Letzteren. Don I. Einhorn. Bevorwortet von Dr. Julius Fürst, Lehrer an der Universität zu Leipzig. Leipzig, 1851. Ungarn, das einzige Land, in welchem die Revolution von 1848 nicht blos eine Ueberraschung von der einen und ein baldiges Wiederaufgeben von der andern Seite war, in welchem sie kämpfte, und die Juden, über die nach der Niederlage der Revolution noch ein besonderes Strafgericht verhängt wurde — sicher intereffnnte Namen, die in ihrer Verbindung manches Rathsel zu enthalten scheinen. Diese Rathsel zu lösen, stellte sich der Verfasser. Warme für den Gegenstand, genaue Sachkenntniß und Klarheit standen ihm hierbei zur Seite. Dennoch hat er das Rathsel viel mehr recht formulirt, als gelöst. Warum? Weiter der Zeit, um die es sich handelt, noch zu nahe steht; weil er, auf der einen Seite mit Sympathieen im Herzen, nicht leugnen, auf der andekn Seite, den Nachtheil, den er üben könnte, fürchtend, nicht zugestehen will, und in Beidem Recht hat. Es liegen da zwei Fragen vor: haben die Juden den Antheil am ungarischen Kampfe genommen, wie man während desselben rühmte? haben sie ihn nicht genommen, wie man nach demselben behauptete? Der Verf., von der Gegenwart gedrängt, möchte Beides bejahen, und darin liegt, was er nicht geleistet. Die ganze Situation hat er aber sehr klar gemacht. Folgen wir seinem Gange. In 1. beleuchtet der Berf. die, nach der jüngsten Revolution so laut gewordene Bezeichnung der Juden als „Erzwühler". Er glaubt sie aus dem alten Judenhaß entsprungen, der in Wesen und Zweck stets gleich, nur die Mittel wechselt; will aber doch die Betheiligung der Juden nicht leugnen, sondern sucht die Quellen dieser Erscheinung auf. Er geht da bis zur Gesetzgebung Mosche's zurück, findet selbst in der Unterwürfigkeit des mittelalterlichen Juden nur die von den Umständen erzwungene, und muß die Ausschließung, der der Jude unsrer Zeit nicht blos unterworfen, sondern auch bewußt war, als ein unwiderstehliches Anziehungsnüttel zur demokratischen Gesinnung anerkennen. Der Berf. weist aber dennoch darauf hin, daß es auch unter den Juden Viele giebt, die zur konservativen Partei gehören. Wir glauben, diesen Theil der Juden unterschätzt man. Es mag dies nach den Landstrichen verschieden sein. In Norddeutschland fanden wir die Mehrzahl der Juden, allerdings nicht enschieden, doch auf der konservativen Seite. Sehr richtig bemerkt aber der Verf., daß es dem konservativen Juden viel mehr an Gelegenheit fehlt hervorzutreten, als dem demokratischen, und daß in Folge dessen, wenn an einem Orte zehn konservative und ein demokratischer Jude sich befinden, dieser viel eher als jene bemerkt werden. Der Verf. tritt nach diesen allgemeinen Bemerkungen in II. der Frage naher: Welchen Antheil haben in der That die Juden an dem revolutionären Kampfe in Ungarn genommen? Diese Frage har darum ein bleibendes Interesse, weil in Ungarn eigentlich Alles geschehen war, um den Juden auf die Seite der österreichischen Regierung zu drängen. In Ungarn galt es nicht die Freiheit, sondern die Herrschaft des Magyarenthums, und dieses hatte den Juden noch niemals anerkannt. Ueberall gab der Sieg der Volksparrei dem Juden die Gleichberechtigung, in Ungarn gerade das Gegentheil; Judenverfolgungen waren die ersten Thaten des ungarischen Märzvolkes, zu derselben Zeit, wo in Oesterreich der Jude bereitwilligst in den Bürgerverband schon ausgenommen war. Ja, während des Kampfes in Ungarn hatte die österreichische Regierung längst die Gleichstellung aller Konfessionen gesetzlich ausgesprochen, während die revolutionäre Regierung Ungarns nur Versprechungen hatte. So formulirt der Verf. die Frage. Das Folgende stellt sie nur noch mehr in ihr Licht. In No. III. wird die frühere bürgerliche Geschichte der Juden bis 1790 beleuchtet, aus der hervorgeht, daß die politische Stellung des ungarischen Juden immer eine günstigere gewesen, wie er nun in IV. nachweist, daß auch die soziale Stellung derselben eine bei weitem glücklichere war, daß aber mit dem Beginn des österreichischen Regimes und dem Emporkommen des meist deutschen Städtewesens im 16ten Jahrhundert der Jude gedrückter, belasteter, ausgeschlossener und beschränkter wurde, so daß der Jude stets zum Magyarenthum sich hingezogen fühlte. Mit dem Reichstage von 1840, wo die Ständetafel die völlige Gleichstellung beschlossen, die Magnatentafel sie beschränkt, und die Regierung fast wie verworfen, das Bärgerthum sie äußerst bekämpft hatte, waren die Juden noch mehr auf die nationale Seite gedrängt, weil sie von dieser allein Hilfe zu erwarten hatten. Die Folge bethätigte dieses noch mehr, indem der Magyar den Juden überall freundlich aufnahm und behandelte, während der Deutsche ihn von sich stieß. Die Rückschritte des Reichstages 1843, die verkehrten Handlungen der Behufs Regulirung der 48*

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